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Kompetenzorientierung und Schüleraktivierung im Russischunterricht

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Edited By Anka Bergmann

Der Band beleuchtet das Konzept der Schüleraktivierung im Rahmen eines kompetenzorientierten (schulischen) Russischunterrichts aus verschiedenen Perspektiven: im ersten Teil geht es um die fachhistorische und bildungspolitische Positionierung der Schulfremdsprache Russisch sowie um die konzeptuellen Grundlagen von Kompetenzorientierung und Schüleraktivierung und deren Bezug zu den institutionellen Gegebenheiten des gegenwärtigen Russischunterrichts. Im zweiten Teil werden Handlungsfelder der Unterrichtspraxis reflektiert und wird der Blick darauf gelenkt, wie Lernprozesse in unterrichtlichen Arrangements initiiert und unterstützt werden können. Diese Beiträge basieren größtenteils auf vielfältigen Erfahrungen langjähriger Praktiker, Lehrplanentwickler und Lehrbuchautoren.

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Russisch unterrichten in heterogenen Gruppen

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Michael Maier

Russisch unterrichten in heterogenen Gruppen

Для многих учителей преподавание русского языка означает работу в группах, которые состоят, с одной стороны, из «настоящих» учащихся, с другой стороны, из носителей русского языка с различными устными и письменными языковыми навыками. Поэтому необходима внутренняя дифференциация. Часто в одной группе находятся ученики с настолько разным уровнем знаний, что, в сущности, нужны различные планировки урока для отдельных уровней. Уроки, полностью соответствующие этим условиям, планируются и проводятся, в основном, лишь в особых случаях, как, например, экзамен или открытый урок. В повседневной же работе не представляется возможным регулярно осуществлять подобную «двойную» подготовку. В этой главе мы представим экономичные методы, с помощью которых осуществима дифференцированная подготовка занятий для гетерогенных групп в обозримое время. На примерах из школьной практики мы покажем возможности внутренней дифференциации на уроках русского языка.

1.  Einleitung

Für viele Lehrkräfte bedeutet Russischunterricht inzwischen die Arbeit in Gruppen, die aus „echten“ Russischlernern und Muttersprachlern mit unterschiedlich guten mündlichen und schriftlichen Kenntnissen zusammengesetzt sind, was Binnendifferenzierung unabdingbar macht. Oft ist der Niveauunterschied in den Lerngruppen allerdings so groß, dass ganz unterschiedliche Planungen für die einzelnen Niveaus nötig wären.

Unterrichtsstunden, die diesen Gegebenheiten vorbildlich Rechnung tragen, sind meist Lehrproben oder andere Vorführstunden. In der alltäglichen Arbeit scheint es kaum möglich, diesen doppelten Vorbereitungsaufwand zu treiben.

Im Folgenden soll es daher um ökonomische Methoden gehen, durch die Unterrichtsgegenstände für die Arbeit in gemischten Gruppen mit einem vertretbaren Zeitaufwand ausdifferenziert werden können. Anhand von im Unterricht erprobten Beispielen aus verschiedenen Bereichen wird gezeigt, wie Binnendifferenzierung im Russischunterricht aussehen kann.

Hierzu wurden Unterrichtskonzepte aus verschiedenen Bereichen ausgewählt:

  1. Arbeit mit literarischen Texten
  2. Grammatikunterricht
  3. Arbeit mit Filmen
  4. landeskundliche Materialien ← 181 | 182 →

Die einzelnen Konzepte verstehen sich dabei nicht als „Musterstunden“, sondern als an einem Beispiel realisierte modellhafte Unterrichtsarrangements, die sich in ähnlicher Weise mit einem vertretbaren zeitlichen Aufwand auch auf andere Inhalte anwenden lassen. Daher soll, auch wenn in den einzelnen Abschnitten die konkreten Beispiele vorgeführt werden, der Akzent auf dem jeweiligen modellhaften Unterrichtsarrangement liegen, das je nach Interesse auf andere Inhalte übertragen werden kann.

1.1  Konzept: Arbeit mit literarischen Texten

Die Grundidee dieses Unterrichtskonzepts ist die Verbindung eines adaptierten literarischen Textes mit einem Originaltext. Als Beispiel wurde der auf Ljudmila Petruševskajas Erzählung „Глюк“ basierende Lehrbuchtext aus Dialog 2 (alte Ausgabe 2002: 111 f.) ausgewählt. Der adaptierte Lehrbuchtext ist illustriert, mit Vokabelangaben versehen und hat einen Umfang von 388 Wörtern. Demgegenüber umfasst die Originalerzählung 2832 Wörter.

Die Grundidee der Unterrichtseinheit besteht in der Verwendung des adaptierten Textes für die Nichtmuttersprachler (NMS)1 und dem Einsatz des Originals für die Muttersprachler (MS). Hierzu wurde der Text der Erzählung in fünf etwa gleich lange Fragmente im Umfang von etwa 550 Wörtern unterteilt.

In der ersten Doppelstunde der Unterrichtseinheit werden die Schüler in homogene MS- bzw. NMS-Gruppen unterteilt. Die NMS-Gruppen lesen den Text und lösen in Gruppenarbeit ausgewählte Aufgaben aus dem Lehrbuch. Zum einen bietet das Lehrbuch eng am Text verlaufende Inhaltsfragen an, die eine Reproduktion des Textes erleichtern (Aufgabe 5); zum anderen gibt es Anregungen zum Einstieg in die Textanalyse duch Multiple-Choice-Fragen (Aufgabe 8).

Zur selben Zeit werden die MS in fünf Gruppen bzw. Paare eingeteilt. Jede Gruppe bzw. jedes Paar erhält ein Textfragment vergleichbaren Umfangs (hier ca. 550 Wörter) und folgende Impulse:

«Прочитайте со словарём фрагмент рассказа.» ← 182 | 183 →

«Проиллюстрируйте фрагмент рассказа комиксом в шести картинках.»

Hierzu erhalten die Schüler große Papierbögen (mindestens A2, empfohlene Größe: 70 x 100 cm) und verschiedenfarbige Stifte. Die Schüler sollen das Plakat mit folgender Bildanordnung illustrieren:

Abbildung 1: Muster Bildanordnung für Fragmente der Erzählung.

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Der Ausgangspunkt nach der ersten Doppelstunde besteht darin, dass die NMS die ganze Erzählung Petruševskajas – wenn auch mit großen Auslassungen – kennen. Die MS dagegen kennen nur jeweils eines von fünf Fragmenten der Erzählung, diese aber sehr detailliert.

In der anschließenden Doppelstunde wird zunächst das erste Plakat präsentiert:

Abbildung 2: Beispiel Schülerplakat.

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Ein Schüler der NMS-Gruppe wird nach vorn gerufen und aufgefordert zu erzählen, was er auf dem ersten der sechs Bilder sieht:

«Расскажи, что ты видишь на первой картинке.»

Falls der Schüler etwas auf dem Bild nicht versteht, muss er Fragen an die MS-Schüler stellen, die das Bild gemalt haben. Nach der Vorstellung seines Bildes ruft er einen anderen Schüler der NMS-Gruppe auf, der das nächste Bild beschreibt. In dieser Phase soll ausschließlich die russische Sprache verwendet werden. Auf diese Weise wenden die NMS-Schüler ihr Wissen in Bezug auf den Zusammenhang der gesamten Erzählung an und versorgen die MS-Schüler nach und nach mit den nötigen Informationen zum Verständnis der Erzählung. Es besteht also ein authentischer Redeanlass, aufgrund dessen die sprachlich weniger kompetenten NMS-Schüler ihr Mehrwissen an die MS-Schüler weitergeben.

Nach dem ersten Plakat werden die weiteren vier Plakate aufgehängt und nach oben beschriebener Vorgehensweise vorgestellt, wobei jeder NMS-Schüler mehrfach an die Reihe kommen sollte:

Nach der zweiten Doppelstunde gibt es weitere Ausbaumöglichkeiten. Oft wird es ein individueller Text nahelegen, eine Schlüsselstelle besonders zu thematisieren, nachdem alle Schüler den Text in groben Zügen kennen gelernt haben. Hierzu kann ein Textauszug ausgewählt werden, der gemeinsam gelesen und besprochen wird.

Anhand der Plakate kann eine Nacherzählung verfasst werden, wobei wiederum eine Differenzierung möglich ist, z. B. MS-Gruppe: 1 Satz pro Bild (30 Sätze), NMS-Gruppe: 3 Sätze pro Plakat (15 Sätze).

Eine schülerorientierte Erweiterung ist auch eine Dramatisierung der einzelnen Abschnitte der Erzählung in Gruppenarbeit, die die Grundlage für ein anschließendes szenisches Spiel oder eine Verfilmung sein kann.

1.2  Konzept: Grammatikübung

Die Grundidee dieses Unterrichtskonzepts besteht darin, einen Text zu einem beliebigen Thema unterschiedlich zu bearbeiten, so dass die NMS den kompletten Text mit Worterklärungen und Grammatikaufgaben, die MS hingegen denselben Text als C-Test2 bekommen. Sie müssen also einen Lückentext bearbeiten, in dem ← 184 | 185 → nie ganze Wörter ausgelassen sind: mindestens ein, oft mehrere Buchstaben des Wortes sind vorgegeben.

Als Beispiel wurde hier ein landeskundlicher Text über die Transsibirische Eisenbahn mit dem Titel «Транссибирская магистраль» (Слова в контексте. 1994: 144–147) und einem Umfang von 280 Wörtern ausgewählt.

Wesentlich bei der Übungsform des C-Tests ist, dass nur eine Lösung möglich ist; zum Füllen der Lücken bedarf es aber umfangreicher sprachlicher Kompetenzen auf verschiedenen Ebenen: Lexik (Wortverbindungen), Morphologie (Flexionsformen, Suffixe), Syntax (Funktion der Satzglieder), Kontextualisierung, landeskundliches Wissen. Als Beispiel sei der erste Satz des Textes zitiert:

«Крупней_______ жел________ дорога ми___, Транссибирская магистраль, бе____ своё нач____ в южноуральском промы____________ гор______ Челябинске и закан____________ у бере____ Японского мо____, во Владивостоке.»

Durch landeskundliches und lexikalisches Vorwissen in Verbindung mit morphologischen Kenntnissen können spontan ergänzt werden:

«Крупней_______ железная дорога ми___, Транссибирская магистраль, бе____ своё нач____ в южноуральском промы____________ городе Челябинске и закан____________ у бере____ Японского мо____, во Владивостоке.»

Um die beiden Verben ergänzen zu können, muss der Leser die syntaktische Struktur und das Thema des Satzes aus dem vorhandenen Material rekonstruieren:

«Крупней_______ железная дорога ми___, Транссибирская магистраль, берёт своё начало в южноуральском промы____________ городе Челябинске и заканчивается у бере____ Японского мо____, во Владивостоке.»

Die verbleibenden Lücken sind durch Anwendung lexikalischer und morphologischer Kenntnisse zu schließen:

«Крупнейшая железная дорога мира, Транссибирская магистраль, берёт своё начало в южноуральском промышленном городе Челябинске и заканчивается у берега Японского моря, во Владивостоке.»

Sinnvolle Alternativen zu dieser Lösung sind nicht erkennbar.

Die Schüler sollten zu Beginn der Stunde kurz auf das Thema eingestimmt werden. Hierzu bieten sich verschiedene Materialien über die Transsibirische Eisenbahn an (Karten, Fotografien, Kurzfilme etc.). Danach werden die Schüler in eine MS- und eine NMS-Gruppe geteilt und räumlich voneinander getrennt. Die MS bekommen den C-Test und füllen die Lücken in ihm aus (Arbeitsblatt 1). Gleichzeitig bemühen die NMS sich um ein globales Textverständnis (Arbeitsblatt 2) ← 185 | 186 → und bekommen anschließend eine Grammatiktabelle (Arbeitsblatt 3), die sie ausfüllen sollen.

Die vorgelegte Grammatiktabelle versteht sich nur als beispielhafte Anregung. Sie kann den Schülern im Ganzen vorgelegt werden oder nur ein Teil von ihr. Ähnliche Tabellen ließen sich auch zu vielen anderen grammatischen Themen erstellen. Im konkreten Beispiel geht es um Wortarten, und zwar Präpositionen, Verben, Substantive. Diese sind nach verschiedenen Kategorien geordnet in Tabellen einzutragen (die Präpositionen nach dem Kasus, den sie regieren; die Verben nach dem Konjugations-, die Substantive nach dem Deklinationstyp). Die Tabellen sind so gestaltet, dass die Größe der jeweiligen Zelle einen Hinweis auf die Anzahl der einzutragenden Wörter gibt; darüber hinaus ist die Zahl der im Text vorhandenen Wörter zu jeder Rubrik angegeben und ein illustrierendes Beispiel mit Zeilenangabe vorgegeben.

Wenn beide Gruppen fertig sind, sammelt der Lehrer die C-Tests der MS und die Grammatiktabellen der NMS ein. Die NMS erhalten nun den C-Test eines Mitschülers mit dem Auftrag, ihn mithilfe ihres ungekürzten Textes auf Fehler hin zu überprüfen. Die MS erhalten nun auch den ungekürzten Text und die Grammatiktabelle eines Mitschülers mit dem Auftrag, diese zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren, womit die Systematisierung grammatischer Kenntnisse auf Seiten der Muttersprachler gefördert wird.

Am Ende der Doppelstunde erhalten die MS ihre korrigierten C-Tests und die NMS ihre korrigierten bzw. ergänzten Grammatiktabellen zurück. ← 186 | 187 →

Arbeitsblatt 1

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Arbeitsblatt 2

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Arbeitsblatt 3

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1.3  Konzept: Einsatz eines Spielfilms

Die Grundidee dieses Unterrichtskonzepts besteht in der Behandlung eines nicht synchronisierten russischen Spielfilms mit Hilfestellungen für die NMS.

Als Beispiel wurde der Film «Питер FM» (Russland 2006, Regie: Oksana Byčkova) ausgewählt.

Möglicher Einstieg in die Unterrichtseinheit kann das Lehrbuch Вместе – Miteinander. Russisch für die gymnasiale Oberstufe (2010: 37–39) sein, in dem der Film behandelt wird. Ausgehend von der Abbildung der DVD-Box zum Film mit einem Standbild wird dort gefragt: «Как вы думаете, о чём будет идти речь в этом фильме?» Alternativ könnte der Einstieg auch über das Kinoplakat oder den Trailer erfolgen (siehe http://piterfm-movie.ru//).

Bevor ein Ausschnitt des Films vorgeführt wird, sollen die NMS durch eine vorentlastende Vokabelliste (Kopiervorlage des Lehrbuchs Вместе) und durch ein Beobachtungsschema vorbereitet werden. Das Beobachtungsschema fokussiert die Aufmerksamkeit der Schüler auf grundlegende Zusammenhänge des Films (Name, Ort der Handlung) und der Filmsequenz. Sie entnehmen ihm, dass es eine männliche und eine weibliche Hauptfigur gibt, zu der sie eine Reihe von Informationen suchen sollen: Name, Beruf, Charakter, Freunde, Partner, Wohnung, Pläne für die Zukunft. Darüber hinaus sollen sie achten auf 1) die erste Begegnung, 2) das erste Gespräch und 3) die erste Verabredung von beiden:

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Während die NMS die Vokabelliste durcharbeiten und das Beobachtungsschema lesen und dabei unbekannte Lexeme nachschlagen, können die MS wahlweise durch die Lektüre eines Interviews mit der Regisseurin über ihre Arbeit oder andere Texte (mögliche Themen: Sankt Petersburg im Film, junges russisches Kino) vorbereitet werden.

Danach soll eine längere Filmsequenz (00:00 – 28:30) vorgeführt werden.

Die anschließende Stunde ist der Rekapitulation der inhaltlichen Zusammenhänge der vorgeführten Filmsequenz mithilfe von aus dem Film ausgeschnittener Standbildern3, wie in der folgenden Beispielsequenz ersichtlich, gewidmet:

Abbildung 3: Standbilder als Vorlage zum Nacherzählen.

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Die Standbilder (Format A4, nach Möglichkeit laminiert) werden auf dem Boden verteilt. Die Schüler schauen sich zwei Minuten die Standbilder an und suchen sich auf ein Signal hin eines aus4. Die Schüler nehmen ihr Standbild mit auf ihren Platz und halten schriftlich in einigen Sätzen fest, was auf ihm zu sehen ist.

Gemeinsam ordnen die Schüler ihre Standbilder nun chronologisch, indem sie sich absprechen, in welcher Reihenfolge sie die Standbilder an die Tafel heften. Jeder Schüler, der ein Standbild an die Tafel heftet, erzählt in einigen Sätzen, was darauf zu sehen ist. Wenn alle Standbilder an der Tafel hängen, kann die Nacherzählung mit einer veränderten Reihenfolge vorstellender Schüler wiederholt werden.

In der nächsten Stunde wird die Erarbeitung der inhaltlichen Zusammenhänge der Anfangssequenz durch ein szenisches Spiel wiederholt. Die Schüler werden in sieben Gruppen (zwei bzw. vier Schüler) eingeteilt und bekommen ein Standbild (verwendet werden nun nur einige ausgewählte Standbilder und die Aufgaben: ← 191 | 192 →

«Напишите и разыграйте сценку на основе данного кадра из фильма “Питер FM”.»

Die Gruppen erarbeiten schriftlich einen Dialog und üben diesen ein. Anschließend zeigen die Gruppen die szenischen Interpretationen in chronologischer Reihenfolge.

Nach der Vorführung des gesamten Films kann die Unterrichtsreihe ausgebaut werden durch den Einsatz von Hör- und Sehverstehensübungen, wie sie z. B. das Lehrbuch Вместе anbietet (Verständnisfragen zu den Zusammenhängen des Films, Lückentext als Kopiervorlage etc.).

Da der Film ein offenes Ende hat, bietet sich eine Weiterführung (schriftlich, szenisches Spiel, Verfilmung) an. In Anlehnung an die Thematik des Films kann den Schülern die Konzeption und Aufzeichnung einer Radiosendung aufgegeben werden (Anregungen zur Ausgestaltung finden sich in den Handreichungen zum Lehrbuch Вместе).

1.4  Konzept: Landeskunde

Die Grundidee dieses Unterrichtskonzepts besteht in der Simulation einer Situation, in der ausländische Besucher (NMS) mit Einheimischen in Russland (MS) in einen Austausch treten müssen. Hierzu wird ein fiktiver Rahmen geschaffen, demzufolge NMS-Schüler sich „überraschenderweise“ an einem ihnen unbekannten Ort in Russland wiederfinden, während jeweils eine Gruppe von MS sich zuvor mit Materialien zu diesem Ort auseinandergesetzt hat und sie nun als „Einheimische“ kompetent auf die Fragen der NMS antworten können.

Die NMS erhalten als Einstieg den Text «Неожиданное путешествие в Россию»5 (Arbeitsblatt 1) im Umfang von 584 Wörtern mit Vokabelhilfen. Die NMS erarbeiten selbstständig diesen Text, der sie durch Science-fiction-Elemente (Reise mit einem Raumschiff) an einen unbekannten Ort in Russland versetzt, an dem sie mit einem Fragebogen (Arbeitsblatt 2) zurückgelassen werden und der Aussicht, wieder abgeholt zu werden, wenn sie den Fragebogen vollständig ausgefüllt haben. Während die NMS den Einstiegstext erarbeiten, werden die MS in Gruppen (je nach Klassenstärke) eingeteilt. Jede Gruppe bekommt verschiedenartige Materialien (Texte, Bilder, Landkarten, Filmdateien etc.) zu einem touristisch interessanten Ort und ein Aufgabenblatt (Arbeitsblatt 3). ← 192 | 193 →

Sie sollen wesentliche Informationen auf Karteikärtchen notieren und ein Informationsplakat zu ihrem „Heimatort“ erstellen. Die MS geben nach der Erarbeitung alle Materialien zurück, behalten nur ihre Karteikärtchen und das Plakat.

Die touristischen Orte, die für diese konkrete Realisierung gewählt wurden, sollen hier nicht weiter thematisiert werden. Die Auswahl der Orte kann jeweils in Abhängigkeit vom Vorhandensein geeigneter Materialien bzw. persönlicher Vorlieben individuell erfolgen.

Nach der Erarbeitungsphase (1. Doppelstunde) erhalten die NMS in der 2. Doppelstunde ihren Fragebogen (Arbeitsblatt 2) und werden bestimmten Tischen mit Plakaten und den dazugehörigen „Ureinwohnern“ zugewiesen. Zuvor erhalten sie den Hinweis, dass die Fragebögen von ihnen selbst ausgefüllt werden müssen, dass sie nicht die MS für sich schreiben lassen dürfen. Nachdem die NMS durch vollständiges Ausfüllen des Fragebogens die Rückreise verdient haben, treffen sie sich in Kleingruppen (je ein Schüler, der einen bestimmten Ort besucht hat) und tauschen sich über ihre Reiseberichte aus. Dabei sollen sie die wichtigsten Informationen von ihren Mitschülern erfragen und notieren. Hierzu kann in Anlehnung an Arbeitsblatt 2 ein weiteres Arbeitsblatt zum Sammeln der Gruppeninformationen angewendet werden.

Die MS tauschen sich ebenso über ihre touristischen Zentren aus, indem entweder in einer Gruppenarbeit abwechselnd die Vertreter eines bestimmten Ortes vortragen oder je ein Schüler an seinem Gruppentisch und bei seinem Plakat bleibt, um seinen „Heimatort“ vorzustellen, die anderen Schüler aber zum nächsten Tisch weiterrotieren und die Ausführungen des dortigen Schülers anhören, was so lange fortgesetzt wird, bis alle Gruppentische besucht wurden. ← 193 | 194 →

Arbeitsblatt 5

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Arbeitsblatt 6

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Arbeitsblatt 7

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Literatur

Dialog 2 (alte Ausgabe, Neubearb. 2002) = Atze, Ch. / Hoffmann, N. / Wapenhans, H. Dialog 2. Lehrbuch für Fortgeschrittene. Berlin: Volk und Wissen. Cornelsen.

Вместе – Miteinander. Russisch für die gymnasiale Oberstufe (2010). Berlin: Klett.

Слова в контексте. Thematischer Oberstufenwortschatz. (1994) Berlin: Klett. ← 199 | 200 →


1 Im Folgenden stehen die Abkürzungen NMS und MS für Nichtmuttersprachler und Muttersprachler. Dass der Begriff des „Muttersprachlers“ angesichts der spezifischen Situation seit längerer Zeit in Deutschland lebender Kinder mit russischer Herkunftssprache problematisch ist, ist dem Autor bewusst. Dennoch hat die Unterteilung der Schüler in diese beiden Gruppen bis heute einen praktischen Nutzwert und soll daher im Folgenden weiter gebraucht werden.

2 Lückentext, in dem nie ganze Wörter ausgelassen sind. Mindestens ein, oft mehrere Buchstaben des Wortes sind vorgegeben. Dadurch wird erreicht, dass nur eine zutreffende Lösung möglich ist.

3 Media-Player wie der im Internet frei verfügbare VLC-Player bieten die Möglichkeit, unkompliziert Standbilder aus einem Film zu entnehmen.

4 Da die Zahl der Standbilder nicht beliebig erweiterbar oder reduzierbar ist, müssen je nach Gruppengröße mehrere Schüler ein Standbild bzw. Schüler mehrere Standbilder nehmen.

5 In Ermangelung einer geeigneten Vorlage habe ich diesen Text selbst verfasst.