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Mehrdeutigkeit übersetzen

Englische und französische Kinderliteraturklassiker der Nachkriegszeit in deutscher Übertragung

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Agnes Blümer

Viele englisch- und französischsprachige Kinderliteraturklassiker waren an Erwachsene und Kinder zugleich gerichtet, was in den Ausgangskulturen für selbstverständlich gehalten wurde. Galt dies auch noch für ihre Übertragung ins Deutsche? Agnes Blümer unterzieht sechs Klassiker der kinderliterarischen Phantastik der Nachkriegszeit sowie ihre Übersetzungen einer eingehenden literatur- und übersetzungswissenschaftlichen Analyse: «The Borrowers», «Tom’s Midnight Garden», «Tistou les pouces verts», «A Wrinkle in Time», «Where the Wild Things Are» und «Conte numéro 1». Im vorangestellten Theorieteil legt sie den Stand der Mehrdeutigkeits- und Übersetzungsforschung dar. Einen weiteren Bezugspunkt bilden Theoriediskurse der 1950er- und 1960er-Jahre und deren Einfluss auf die damalige Übersetzungspraxis.

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5. Kapitel: Madeleine L’Engle: A Wrinkle in Time (1962). Reflexionen des Kalten Kriegs zwischen Biblizismus und Science Fiction

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a. Phantastik, Science Fiction oder Fantasy?

Wenn man Madeleine L’Engles Jugendroman A Wrinkle in Time (1962) in die Reihe der bisher behandelten phantastischen Texte stellt, fallen Gemeinsamkeiten ins Auge: Mit Tom’s Midnight Garden teilt der Text das Motiv der Überwindung der Zeit, mit Tistou den religiösen Grundton, mit The Borrowers die lebhafte, teils trotzige weibliche Hauptfigur an der Schwelle zur Pubertät. Dennoch ist die Gattungszuordnung diffizil. Das Werk, das hier als ein Beispiel für die US-amerikanische Phantastik dienen soll, wird teils als Science Fiction (vgl. z. B. Levy 2006), teils als phantastischer Text (vgl. z. B. Barrow 1976) bezeichnet. Marek Oziewicz (vgl. 2008, 179) spricht hier sogar von einem ‚Problem‘ der Gattungszuordnung und Maria Nikolajeva (1988, 44) von einem „borderline case between fantasy and science fiction“. Die Zuordnung zur Science Fiction – wie sie auch die erste deutsche Übersetzung vornimmt – ist wohl vor allem durch die vordergründigen Ähnlichkeiten mit dieser Gattung zu begründen, die im Motiv der Reise zu anderen Planeten und den im weitesten Sinne außerirdischen Figuren bestehen.

Die zwölfjährige Meg Murry hat Probleme, sich in der Schule anzupassen; sie fällt immer wieder dadurch auf, dass sie ihren scheinbar geistig zurückgebliebenen, in Wirklichkeit aber hochbegabten kleinen Bruder Charles Wallace tatkräftig verteidigt. Zu ihrer Verunsicherung trägt auch bei, dass ihr Vater, ein Astrophysiker, bei einem geheimen Experiment im Auftrag der US-Regierung verschwunden ist. Die Familie Murry lebt seitdem im Ungewissen über seinen Verbleib...

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