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Identitätsbildung und Partizipation im 19. und 20. Jahrhundert

Luxemburg im europäischen Kontext

Series:

Norbert Franz, Thorsten Fuchshuber, Sonja Kmec, Jean-Paul Lehners and Renée Wagener

Gesellschaften mit starker Einwanderung kennzeichnen vielfältige Formen von Identitätsbildung und das Ringen um politische und zivilgesellschaftliche Partizipation. Dies gilt in besonderer Weise für Luxemburg im 19. und 20. Jahrhundert. Hier entstand in einem Kleinstaat eine der jüngeren Nationen Europas und zugleich eine besonders offene, plurikulturelle Einwanderungsgesellschaft. Ziel dieses Bandes ist es, die Entstehung dieser Mehr-Kulturen-Gesellschaft im europäischen Zusammenhang zu verstehen. Die einzelnen Beiträge analysieren mit Hilfe unterschiedlicher sozial- und kulturwissenschaftlicher Annäherungen exemplarische Konfliktlinien der Identitätsbildung und des Kampfes um Partizipation.

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Der Umgang mit der Shoah im Nachkriegs-Luxemburg (Renée Wagener)

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Renée Wagener

Der Umgang mit der Shoah im Nachkriegs-Luxemburg1

1.  Haltung der Luxemburger Exilregierung

Am 7. November 1944, also zwei Monate nach der Befreiung Luxemburgs, richtete der Belgier Aryeh Leon Kubowitzki, Mitbegründer und späterer Präsident des kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entstandenen „World’s Jewish Congress“ (WJC), einen Brief an den luxemburgischen Botschafter in Washington. Darin schlug er vor, dass die Luxemburger Regierung in Verhandlungen mit Deutschland treten solle, um deutsche Zivilpersonen, die sich in den Händen der Luxemburger Regierung befanden, gegen 775 jüdische Deportierte aus Luxemburg in Litzmannstadt (Lodz) und Theresienstadt auszutauschen. Eine solche Aktion müsse with great speed and determination ausgeführt werden, as it appears from reliable sources that the German reign of terror against the so-called civilian detainees has greatly increased in violence since July 20th, and that there is every reason to fear for the worst.2 Am 10. November fragte Botschafter Hugues Le Gallais bei Außenminister Bech nach, wie er auf diese Aufforderung reagieren solle. Am 7. Dezember, also fast einen Monat später, antwortete Bech: Je vous prie de répondre au ‚Jewish Congress‘ que cette suggestion sera examinée avec toute la promptitude et bienveillance possible. Vous voudrez noter pourtant qu’en dehors des quelques centaines de déportés de religion israélite nous avons en Allemagne et dans les territoires occupés par elle un nombre estimé à environ 30.000 compatriotes internés ou déport...

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