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Identitätsbildung und Partizipation im 19. und 20. Jahrhundert

Luxemburg im europäischen Kontext

Series:

Edited By Norbert Franz, Thorsten Fuchshuber, Sonja Kmec, Jean-Paul Lehners and Renée Wagener

Gesellschaften mit starker Einwanderung kennzeichnen vielfältige Formen von Identitätsbildung und das Ringen um politische und zivilgesellschaftliche Partizipation. Dies gilt in besonderer Weise für Luxemburg im 19. und 20. Jahrhundert. Hier entstand in einem Kleinstaat eine der jüngeren Nationen Europas und zugleich eine besonders offene, plurikulturelle Einwanderungsgesellschaft. Ziel dieses Bandes ist es, die Entstehung dieser Mehr-Kulturen-Gesellschaft im europäischen Zusammenhang zu verstehen. Die einzelnen Beiträge analysieren mit Hilfe unterschiedlicher sozial- und kulturwissenschaftlicher Annäherungen exemplarische Konfliktlinien der Identitätsbildung und des Kampfes um Partizipation.

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Mal Blumenstrauß, mal Handschellen. Luxemburgische und ostbelgische Wehrmachtrückkehrer zwischen gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Ausgrenzung (Peter M. Quadflieg)

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Peter M. Quadflieg

Mal Blumenstrauß, mal Handschellen. Luxemburgische und ostbelgische Wehrmachtrückkehrer zwischen gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Ausgrenzung

1.  Einleitung

Der Diskurs um die ehemaligen Angehörigen der Deutschen Wehrmacht darf als Musterbeispiel für diejenigen Konflikte gelten, die nach dem Zweiten Weltkrieg die gesellschaftliche Kohäsion, sowohl in Luxemburg als auch im deutschsprachigen Belgien, auf eine harte Probe stellten. In beiden Gebieten musste die Öffentlichkeit mit dem Paradox umzugehen lernen, dass ihre männliche Jugend Teil von Hitlers Militärapparat gewesen war, und damit auf der „falschen“ Seite der Front gestanden hatte.1 ← 293 | 294 →

Schnell bürgerte sich der Begriff „Zwangssoldaten“ (Ostbelgien) oder „Zwangsrekrutierte“ (Luxemburg) für diese jungen Männer ein, der auf die völkerrechtswidrige Einführung der Wehrpflicht während der Besatzungszeit abhob. Bereits in dieser Begriffskonstruktion schlugen sich problematische Vereinfachungstendenzen im Diskurs nieder, die ihrerseits mitverantwortlich waren für geschichtspolitische Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe der ehemaligen Soldaten. Gleichzeitig kam es zu erinnerungspolitischen Konflikten mit anderen Gruppen, wie den Angehörigen des Widerstandes.2

Der vorliegende Aufsatz legt den Fokus auf die unmittelbare Nachkriegszeit und untersucht die Heimkehrerfahrung der sogenannten Zwangssoldaten. Dabei sollen die Diskurse in Luxemburg und Ostbelgien um eine angemessene gesellschaftliche Teilhabe dieser Gruppe anhand des Umgangs der Heimat mit den aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Veteranen aufgezeigt werden, die trotz einer ähnlichen Ausgangslage regionale Spezifika aufwiesen. Dies wird durch die Schilderung exemplarischer Heimkehrerfahrungen nachgezeichnet. Damit kann gezeigt werden, wie in den jeweiligen nationalen und regionalen Kontexten Inklusions- und Exklusionsmuster abliefen und nach welchen Kriterien und ← 294 | 295 → auf welchen Grundlagen, die jeweilige Mehrheitsgesellschaft darüber entschied, ob ein ehemaliger deutscher Soldat in die Gesellschaft inkludiert wurde oder ausgeschlossen blieb. Dabei wird gleichsam deutlich, unter welchen Vorzeichen die Inklusionsprozesse abliefen und wie die Betroffenen auf diese reagierten bzw. reagieren konnten. Aus diesen Betrachtungen sollen abschließend drei Thesen in Bezug auf die Frage nach gesellschaftlicher Partizipation einerseits, oder Exklusion andererseits abgeleitet werden.

2.  Rückkehrerfahrung in Luxemburg

In Luxemburg fand die Rückkehr der „Zwangsrekrutierten“ ihren symbolischen Höhepunkt im Herbst 1945 mit der Heimkehr von rund 1.000 Kriegsgefangen aus dem sowjetischen Lager Tambow. Legt man die Gesamtzahl der in der Wehrmacht dienenden Luxemburger zu Grunde (11.000) und zieht die Zahl der Deserteure sowie derjenigen Männer ab, die gefallen oder vermisst waren (7.200), kehrten mit den sogenannten Tambower Jungen etwa ein Viertel aller überlebenden, kriegsgefangenen „Zwangsrekrutierten“ heim.3 Entsprechend war ihre Ankunft in zwei Teiltransporten am 19. Oktober und 4. November 1945 ein gesellschaftliches Großereignis, über dessen Verlauf die luxemburgischen Leitmedien ausführlich berichteten.4

In der Nacht auf den 5. November 1945 warteten vor dem Bahnhof der Stadt tausende Angehörige auf die Ankunft des zweiten Heimkehrerzuges. Zum offiziellen Begrüßungskomitee für die rund 500 erwarteten Veteranen zählten neben den Repräsentanten von Selbsthilfeorganisationen wie der „Ligue Ons Jongen“, auch Erbgroßherzog Jean und Prinz Charles, sowie der zuständige Sozialminister Pierre Frieden (Christlich soziale Volkspartei, CSV), der von seinem Amtsvorgänger Nicolas Margue (CSV) begleitet wurde. Als der Zug aus Brüssel weit nach Mitternacht den Bahnhof erreichte, gelang es den offiziellen Vertretern des Staates – trotz des Chaos, das durch die Wiedersehensfreude entstand –, der Veranstaltung die erhoffte feierliche Note zu geben. Der Präsident der „Ligue Ons Jongen“ und der Commissaire au rapatriement sprachen zur Menge, die, unterstützt von ← 295 | 296 → der angetretenen Militärkapelle des Großherzogtums, die letzte Strophe der Nationalhymne „Ons Heemecht“ sang.5

Der Rückkehr der 1.000 „Tambower“ kam so aus der Ex-post-Perspektive eine mehrschichtige Sinnstiftung zu. Zum einen schloss sich symbolisch ein Kreis: Die Ankunft am Bahnhof wurde zum erinnerungspolitischen Gegenstück der als nationale Katastrophe memorierten „Deportation der Jugend“, die mit der Abfahrt der Wehrpflichtigen vom Hollericher Bahnhof ihren Anfang genommen hatte. Die Anwesenheit der Regierungsrepräsentanten und der Mitglieder der großherzoglichen Familie erneuerte gleichzeitig symbolisch die bereits im Krieg demonstrierte Verbundenheit des Landes mit den Zwangsrekrutierten und setzte so ein starkes Zeichen der Solidarität.

Dieses Grundmotiv der Solidarität wiederholte sich später auch bei der Rückkehr einzelner Kriegsgefangener. Als beispielsweise im Oktober 1949 der luxemburgische „Zwangsrekrutierte“ Jacques H. aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, erwarteten ihn nicht nur seine Familie, sondern auch zwei Mitarbeiter des Rapatriement-Dienstes, der Präsident der „Luxemburger Elternvereinigung“ Paul Simonis und Reporter des „Luxemburger Worts“ am Bahnsteig. Hinter der Gleissperre überreichte der Minister für Gesundheit und Kriegsschäden, Alphonse Osch (Groupement Démocratique), dem Heimkehrer einen Blumenstrauß und lud ihn auf ein „erstes Glas luxemburgischen Weines“ ein.6

Obwohl zur selben Zeit die Auseinandersetzungen zwischen den organisierten „Zwangsrekrutierten“, anderen Anspruchsgruppen, vornehmlich den „Resistenzlern“, und der staatlichen Verwaltung um eine angemessene materielle und immaterielle Entschädigung7 der Veteranen bereits einen ersten Höhepunkt erreichte8, hatte sich die durch die Medien verbreitete nationale Verbundenheit mit den Kriegsgefangenen seit der Heimkehr der 1.000 „Tambower Jungen“ also ← 296 | 297 → nicht verringert. Sie blieb ein zentrales Moment in der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, die Befreiung und den Neubeginn nach dem Ende der Besatzung.

3.  Grenzen der Solidarität

Die medial inszenierte Identifikation der Heimat mit den heimkehrenden Veteranen verlief jedoch keineswegs konfliktfrei. Die Solidarität schloss nämlich ausdrücklich die rund 1.900 freiwillig in der Wehrmacht oder der Waffen-SS dienenden Luxemburger aus. In der Berichterstattung der Medien über die heimkehrenden Kriegsgefangenen wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kriegsfreiwilligen unter den Rückkehrern selektiert und der Strafverfolgung übergeben wurden. Im November 1945 meldete beispielsweise das „Escher Tageblatt“ unter der Überschrift „In Erwartung der Tambower Jungen“: Um […] unnötigen Zeitverlust […] zu vermeiden, hat [man] […] bereits unterwegs alle politisch nicht Einwandfreien von den übrigen [ge]trenn[t] und in einen besonderen Wagen [untergebracht]. Den anderen wird das politische Certificat ausgehändigt.9

Diese Praxis, bereits in den Zügen die „Zwangsrekrutierten“ von den „Freiwilligen“ oder anderweitig politisch Belasteten zu separieren, wurde auch in den folgenden Jahren praktiziert. Zweieinhalb Jahre später hieß es beispielsweise im „Escher Tageblatt“ über einen anderen Eisenbahnzug mit Kriegsheimkehrern: Dieser Convoi […] ist in verschiedene Gruppen einzuteilen: [Namen von vier ‚Zwangsrekrutierten‘ und zwei Wehrmacht- oder SS-Freiwilligen] […] Letztere wurden am Bahnhof sogleich von den Gendarmen verhaftet und ins Grundgefängnis geführt.10

Dieser Umgang mit den „Freiwilligen“ und insbesondere ihre Haftbedingungen11 blieben nicht ohne Kritik. Dies wird aus einem Kommentar auf der Seite 1 des „Luxemburger Worts“ vom 9. November 1945 deutlich, der im Zusammenhang mit der Ankunft des zweiten „Tambow“-Zuges erschien. Der Kolumnist, spätere ← 297 | 298 → CSV-Minister und Präsident der Abgeordnetenkammer, Pierre Grégoire, wies unter dem Pseudonym „Erio“12 darauf hin, daß […] bei der Rückkehr der Tambower Jungen viele derselben, elend, krank und am Ende ihrer Kräfte, direkt ins Gefängnis geworfen wurden, weil sie in ihrem jugendlichen Leichtsinn und oft in reiner Begeisterung sich freiwillig in die Wehrmacht gemeldet hatten.13

Der Kolumnist betonte zwar einerseits die Notwendigkeit einer juristischen Verfolgung von Wehrmacht- und SS-Freiwilligen, forderte jedoch gleichzeitig deren humane Behandlung ein. Mit spitzer Feder brachte er dabei eine Argumentation auf den Punkt, die selbst Parallelen zwischen der NS-Herrschaft unter Gustav Simon und der Behandlung tatsächlicher oder vermeintlicher Kollaborateure nach der Befreiung nicht scheute. Grégoire schrieb: Ich frage: Wer ist schuldiger: der Verwirrte, der als Schwächling in getrübter Zeit gegen die patriotische Tugend verstieß, oder der Kühle, der erst die Güte erschlägt, um dann ungehemmt sein Attentat auf die Gerechtigkeit verüben zu können? […] Ich […] halte auf die Gerechtigkeit, die wohl eine Schuld mit Strafe belegt, aber doch kein Verbrechen erlaubt, um ein Vergehen sühnen zu müssen. […] Ich höre wohl, wie gewisse Heuchler, an denen wir heute so überreich sind, aufschreien und behaupten, in [den] Hütern der Gefangenen äußere sich das verletzte Ehrgefühl der Heimat. Eine schöne Heimat, […] wo das Herz der Ehre in geschlossenen Händen schlägt und die Wucht des Gefühls sich in Fußtritten offenbart! Die Preußen sind fort, aber vieles ist zurück geblieben. Man sehe manchen Wächtern auf die Finger und lasse sich nicht abhalten, sie auch gründlicher zu betrachten, bis auf den Grund der Seele […]. Ich habe sie […] schon erkannt. Hier toben sich die Nazis aus, die man sucht. Weg mit ihnen!14

„Erios“ flammender Appel rief seinerseits Kritik hervor. Drei Tage später meldete sich im „Escher Tageblatt“ der ehemalige „Resistenzler“ Jean-Pierre Hoffmann unter dem Pseudonym „Jim von Sachsenhausen“15 zu Wort und ging scharf mit „Erios“ Forderungen ins Gericht. Das Leid der eigenen KZ-Haft beschwörend, mahnte das Vorstandsmitglied der Lokalsektion Düdelingen der „Ligue vun de Letzeburger Politische Prisone’er an Déporte’erten“ (LPPD) eine ganz andere „Gerechtigkeit“ an: Was wir […] nicht wollen, ist, daß sofort von ‚geprügelten, verschlagenen, getretenen und bestialisch verfolgten Menschen‘ geredet wird, wenn ein feiger ← 298 | 299 → Verräter, der sich gleich zur ersten Stunde in reiner Begeisterung zum Gesetz der Grausamkeit bekannt hat, wegen einer unsanften Behandlung hündisch um Mitleid winselt. […] Es gilt nicht, wegen eines mehr oder weniger verdienten Fußtritts Tod und Teufel heraufbeschwören und Mitleid zu erbetteln für jene, die sich größtenteils nach dem Auferstehen eines neuen Führers sehnen, um ihren inneren Schweinehund erneut los zu lassen und mit Knobelstiefeln die Gerechtigkeit niederzutrampeln.16 Auch im Organ der Resistenzlerorganisation „Unio᾽n vun de Fräiheetsorganisatiounen“ wurde Grégoire scharf für seine Äußerungen angegriffen.17

Es lässt sich also festhalten, dass schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein während der Krieges angelegter gesellschaftlicher Konsens innerhalb der luxemburgischen Gesellschaft herrschte, die ehemaligen „Zwangsrekrutierten“ zu integrieren und ihnen einen Opferstatus zuzubilligen.18 Dieser Konsens fand jedoch seine Grenze bei der Behandlung der ehemaligen Kriegsfreiwilligen. Während insbesondere aus Reihen des ehemaligen Widerstandes eine harte Bestrafung und gesellschaftliche Exklusion der „Freiwilligen“ gefordert wurde, waren Teile der Öffentlichkeit bereit, auch in diesen Fällen mildernde Umstände gelten zu lassen und auf eine Rückkehr der Gruppe in den Schoß der luxemburgischen Nation hinzuarbeiten.

In jedem Fall war die Separierung der „Freiwilligen“, ihr Inhaftierung und ihre politisch-juristische Verfolgung öffentlich bekannt und wurde diskutiert. Leider sind die quantitativen Dimensionen der Verfolgung der „Freiwilligen“ im Rahmen der luxemburgischen „Épuration“ bis heute unklar.19 Eine statistische Erfassung ← 299 | 300 → und qualitative Auswertung auf Grundlage aller verfügbaren Quellen wäre eine lohnende Forschungsaufgabe. Eine Stichprobe aus Prozessberichten der Jahre 1945 bis 1948 im „Luxemburger Wort“ und im „Escher Tageblatt“ über Verhandlungen gegen Wehrmachts- oder Waffen-SS-Freiwillige zeigt in jedem Fall, dass die Urteilungspraxis – ähnlich wie in Ostbelgien – sehr uneinheitlich war.

So wurde der Arbeiter Marcel M. im November 1946 in Esch-Alzette freigesprochen, obwohl er im betrunkenen Zustand eine Erklärung als […] Freiwilliger unterschrieben hatte, da er stets ein guter Patriot gewesen sei. Freigesprochen wurde im Juli 1948 auch der Arzt Fritz K. da er keine militärische Funktion ausgeübt habe, sondern sich lediglich fein human in Militärspitälern betätig habe. Andere „Freiwillige“ wurden wegen ihres jugendlichen Alters oder wegen ihres Geisteszustandes freigesprochen. Mildernde Umstände erhielt der Knecht Joseph T. aus Schifflingen, da er trotz Freiwillig-Meldung nicht eingezogen worden sei. T. erhielt im Januar 1946 eine Strafe von 18 Monaten Gefängnis. Andere Angeklagte wurden hingegen drastisch bestraft. So wurde der Angestellte Georg G. aus der Stadt Luxemburg im Dezember 1945 zu 25 Jahren Zwangsarbeit, 50.000 Franken Buße und Verlust der Staatsbürgerschaft verurteilt. Der Schlosser Johann-Peter S. aus Esch-Alzette musste auf Grund eines Urteils vom Februar 1946 15 Jahre Zwangsarbeit leisten und verlor seine Staatsbürgerschaft. Zwischen diesen Extremen finden sich auch Urteile von 3 Jahren Gefängnis oder 8 Jahren Gefängnis.20

Diese extreme Heterogenität der Urteile könnte dafür sprechen, dass auch in Luxemburg politische Momente in der Urteilspraxis weitaus wichtiger waren, als die juristische Beurteilung des eigentlichen Deliktes der freiwilligen Meldung, insbesondere auch bei der Anwendung von mildernden Umständen.

In diesem Zusammenhang sei kurz auf die Besonderheit hingewiesen, dass der einzige, während der „Épuration“ hingerichtete luxemburgische Wehrmachtssoldat, kein Freiwilliger, sondern ein „Zwangsrekrutierter“ war, der die Fluchtpläne von luxemburgischen Kameraden verraten hatte. Diese sogenannte Affäre Reuter21 zeigt, wie ungenügend die in Art. 113 des 1944 revidierten „Code Pénal“ beschriebene Deliktdefinitionen – aura porté les armes contre le Grand-Duché de Luxembourg oder ← 300 | 301 → aura volontairement servi dans les forces armées de l’envahisseur – bei der juristischen und moralischen Bewertung der ehemaligen Soldaten waren.22

Für die vergleichende Perspektive muss nochmals betont werden, dass in Luxemburg ab 1945 ein öffentlicher, gesellschaftlicher Aushandlungsprozess über die Teilhabe oder Exklusion der ehemaligen Wehrmachtssoldaten geführt wurde. Eben dies stellt den diametralen Unterschied zur Situation in Ostbelgien dar, wie das folgende zweite Schlaglicht zeigt.

4.  Rückkehrerfahrung in Ostbelgien

Im Gegensatz zu Luxemburg kehrten die ostbelgischen Kriegsgefangenen bis Ende 1946 zumeist in kleineren Gruppen in die Heimat zurück.23 Bei ihrer Rückkehr sahen sich jedoch nicht nur die „Kriegsfreiwilligen“, sondern alle, also auch die wehrpflichtigen ostbelgische Kriegsgefangenen dem Generalverdacht der Kollaboration durch die belgische Militärjustiz ausgesetzt. Der belgische Staat wandte seine entsprechenden Gesetze nicht nur gegen ehemalige flämische und wallonische SS-Freiwillige, sondern eben auch gegen die ostbelgischen Wehrpflichtigen an. Konkret bedeutete dies, dass eine Mehrzahl der Heimkehrer unmittelbar nach ihrer Rückkehr erneut interniert wurde. Die Haftbedingen, unter denen die Kriegsheimkehrer die folgenden Wochen und Monate verbrachten, waren oft grenzwertig und nicht selten kam es zu Misshandlungen durch das Aufsichts- und Verhörpersonal.24

Während der größere Teil der Internierten schließlich in die Freiheit entlassen wurde, sprach die belgische Militärjustiz gegen rund 700 Männer aus Ostbelgien Urteile wegen „militärischer Kollaboration“ oder „Waffentragen gegen Belgien“ aus, zumeist in Tateinheit mit „politischen“ Delikten25. Dies bedeutete, dass nicht eine eventuelle Freiwillig-Meldung oder das Verhalten an der Front das entscheidende Beurteilungskriterium für die Auditoriate bildete, sondern vielmehr die ← 301 | 302 → politische Einstellung während der Besatzungszeit oder in der Zeit vor 1940 also beispielsweise die Betätigung in einer der zahlreichen revisionistischen, „prodeutschen“ Organisationen, die eine Rückgliederung Eupen-Malmedys an Deutschland gefordert hatten.26

Bedenkt man, dass etwa 5.400 ostbelgische Wehrmachtsangehörige den Krieg überlebten, wurden rund 13 Prozent von ihnen gerichtlich verurteilt. Hinzu trat die gesamte Bandbreite weiterer offizieller und inoffizieller politischer „Säuberungs“-Maßnahmen, wie die zeitweise oder dauerhafte Aberkennung der bürgerlichen Rechte, Benachteiligungen im Berufsleben, Vereinsausschlüsse usw., von der bis in die 1990er-Jahre andauernden Diskussion um eine angemessene materielle Entschädigung und immaterielle Rehabilitation der „Zwangssoldaten“ ganz zu schweigen.27

Es kann also festgehalten werden, dass die Heimkehr der meisten ostbelgischen „Zwangssoldaten“ auf nationaler Ebene durch eine Ausgrenzungs- und nicht wie in Luxemburg durch eine Solidaritätserfahrung bestimmt war. Hinzu kam ein gespaltenes Verhältnis der regionalen öffentlichen Meinung in Ostbelgien. Zwar wurde vor Ort, in den Dörfern und Städten des ehemals annektierten ostbelgischen Gebietes durch die Politik und die Medien Verbundenheit mit den noch in der russischen Kriegsgefangenschaft befindlichen Soldaten bekundet.28 Ihre Grenze fand diese Solidarität in den Nachkriegsjahren aber immer dann, wenn sie in Kritik am Umgang des belgischen Staates mit den „Zwangssoldaten“ hätte münden müssen. Ohne jeden Zweifel wirkte die Furcht, von der belgischen Mehrheitsgesellschaft und den belgischen Autoritäten ob einer solchen Kritik dem Verdacht eines „prodeutschen“ Revisionismus ausgesetzt zu sein, als wirksame Selbstzensur. Stattdessen wurde die Strafverfolgung durch die belgische Justiz und die teilweise willkürlichen Inhaftierungen in der einzigen deutschsprachigen belgischen Zeitung jener Jahre, dem Eupener „Grenz-Echo“, als „Überprüfungsmaßnahmen“ etc. verharmlost. ← 302 | 303 →

Zudem setzte die Rückkehr der einzelnen Kriegsgefangenen in gewissem Sinne der solidarischen Verbundenheit der Heimat ein Ende. Aus der Anonymität der Gefangenengruppe herausgetreten, übernahmen die Kriterien der politischen „Säuberungs“-Wellen die Bewertungsgrundlage für jeden einzelnen ehemaligen Soldaten. Oft entschied das Glück darüber, ob ein Veteran schnell wieder Anschluss an das Zivilleben fand oder gesellschaftlich ausgegrenzt wurde und es im Zweifelsfall für eine lange Zeit blieb.

Insbesondere fand kein Diskurs über den Umgang der belgischen Militärjustiz mit der „Zwangssoldatenfrage“ statt. Zu groß blieb die Angst, dass ein entsprechender Einsatz für die Wehrmachtveteranen in Lüttich oder Brüssel als Akt prodeutscher oder gar neonazistischer Gesinnung interpretiert werden könnte.29 Eine öffentliche Auseinandersetzung wie die zuvor geschilderte zwischen „Erio“ und „Jim von Sachsenhausen“ in Luxemburg war in Ostbelgien nach 1945 völlig undenkbar.

5.  Der Fall Rampelbergh30 – eine ostbelgische Affäre

Zum Paradebeispiel für die langanhaltende Wirkung dieser ostbelgischen Mischung aus Schweigekartell und Selbstzensur wurde der Fall Karl Rampelbergh, der sich zehn Jahre nach dem Krieg um einen der letzten ostbelgischen Russlandheimkehrer entwickelte. Am 13. August 1955 meldete das Eupener „Grenz-Echo“, dass unter zehn belgischen Gefangenen, die die UdSSR nun entlassen wolle, auch der 1921 geborene Eupener Karl-Leo Rampelbergh sei.31 Elf Tage später traf Rampelbergh in Berlin ein und wurde dort gemeinsam mit einem flämischen Gefangenen belgischen Stellen übergeben. Rampelbergh gab zu diesem Zeitpunkt an, als Zwangssoldat in die Wehrmacht eingegliedert worden zu sein. Belgischerseits habe man in Berlin versichert, dass gegen Rampelberg (sic!) nichts Belastendes vorliege32, wie das „Grenz-Echo“ berichtete.

Als die beiden Heimkehrer am 24. September 1955 jedoch am Grenzübergang Bildchen bei Aachen nach Belgien einreisen wollten, kam es zum Eklat. Vier belgische Gendarmen erwarteten Rampelbergh und seinen flämischen Begleiter hinter der Passkontrolle mit Handschellen, um sie festzunehmen und nach Lüttich zu ← 303 | 304 → bringen.33 Tatsächlich war Rampelbergh, der sich entgegen seinen Angaben bereits 1940 freiwillig zur Wehrmacht gemeldet hatte und es in der Wehrmacht bis zum Leutnant und Kompanieführer bei der 12. Panzer-Division gebracht hatte34, in Abwesenheit von einem belgischen Kriegsgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden.35 Als die beiden Männer die Situation erkannten, nahmen sie Reißaus und baten bei den deutschen Grenzschutzstellen um politisches Asyl. Damit wurde der Fall Rampelbergh zum Politikum. Unter der Überschrift „Empfang mit Handschellen“ meldeten die Aachener Nachrichten am 26. September, dass in Eupen „große Erregung“ über den Vorfall herrsche.36 Rampelbergh gab in den Folgetagen Interviews, und die Aachener Blätter berichteten weiter ausführlich über den Fall37, nicht ohne scharfe Kritik am belgischen Vorgehen gegen die beiden Spätheimkehrer zu formulieren, wenn sie etwa schrieben, Rampelbergh hoffe daß das von der Bundesrepublik gewährte vorläufige Asyl in ein endgültiges umgewandelt wird [und] daß [ihm] Deutschland Brot und Unterkunft biete an Stelle der Ketten, mit denen Belgien zehn Jahre Sibirien zu quittieren gedachte.38

Während die deutsche Presse also die Flucht des Mannes vor der belgischen Justiz rechtfertigte und über die große Solidarität der Aachener Bevölkerung berichtete39, verurteilte das Eupener „Grenz-Echo“ in Person seines Chefredakteurs Henri Michel Rampelberghs Verhalten scharf. Michel betonte ausdrücklich, Rampelbergh habe unklug ja dumm gehandelt und keinen Grund gehabt, an der Grenze ← 304 | 305 → kehrt zu machen, denn selbst die Gewissheit nach seiner Rückkehr nach Belgien vorrübergehend mit den belgischen Gefängnissen Bekanntschaft machen zu müssen, kann für seine Handlungsweise nicht als ausreichender Grund angesehen werden.40

Mit öffentlich bekundetem Verständnis für seine berechtigte Angst vor einer Strafverfolgung und einer erneuten Internierung in Belgien konnte der Spätheimkehrer also in Eupen-Malmedy, zehn Jahre nach Kriegsende, nicht rechnen. Öffentlicher Widerspruch gegen die einseitige Verbreitung des offiziellen belgischen Standpunktes regte sich in den Ostkantonen nicht. Zumindest wurde ihm kein Raum im Grenz-Echo eingeräumt, was freilich nicht heißt, dass Rampelberghs Verhalten nicht sehr wohl in Teilen der Bevölkerung auf Verständnis traf, wie ja auch die Aachener Zeitungen andeuteten. Einzig eine offene Diskussion des Falls in der Öffentlichkeit fand nicht statt. Dies wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil die innerbelgische Presse den Fall ebenfalls aufgriff und die deutsche Position scharf attackierte. Erneut hätte eine Positionierung zu Gunsten des Geflüchteten aus den „Ostkantonen“ vor diesem Hintergrund wie ein Bekenntnis zu Deutschland gewirkt und war daher auch zehn Jahre nach dem Krieg nicht denkbar.

Das Ende der Affäre ist schnell berichtet. Karl Rampelbergh erhielt in der Bundesrepublik Deutschland zunächst politisches Asyl, kehrte dann jedoch im Dezember 1955 nach Belgien zurück41, nachdem ihm signalisiert worden war, dass sein Kriegsgerichtsverfahren neu aufgenommen würde. Am 28. Februar 1956 wurde das Urteil in Lüttich verkündet. Rampelbergh wurde des freiwilligen Eintritts in eine feindliche Wehrmacht für schuldig befunden, erhielt allerdings mildernde Umstände wegen seiner Jugendlichkeit zum Zeitpunkt des Vergehens. Er wurde zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung und der Aberkennung seiner bürgerlichen Rechte für fünf Jahre verurteilt.42 Er verließ daraufhin Belgien und ging zurück nach Deutschland. Im März 1957 trat Rampelbergh in die neu geschaffene Bundeswehr ein, in der er es bis zum Oberstleutnant im Generalstab brachte. Er verstarb 1971.43

6.  Fazit

Die vorstehenden Ausführungen und Überlegungen lassen sich in drei Thesen zusammenfassen. ← 305 | 306 →

Erstens mussten sowohl in Luxemburg als auch in Ostbelgien im Zusammenhang mit der Befreiung und der Normalisierung der jeweiligen staatsrechtlichen Stellung der Gebiete, gesellschaftlich tragbare Lösungen für den kollektiven Umgang mit der Gruppe der sogenannten. Zwangssoldaten gefunden werden. Ziel dieser Lösungen war ein gesellschaftlicher Konsens, der die Partizipation von Luxemburgern und Ostbelgiern an der Kriegsmaschinerie des nationalsozialistischen Deutschlands, wenn auch auf Grund der völkerrechtlich nicht legitimierbaren De-facto-Annexionen seit1940 historisch „aushaltbar“ machte. Den zentralen Unterschied bei diesen geschichtspolitischen Aushandlungsprozessen bildete die Tatsache, dass es sich in Luxemburg um einen Diskurs innerhalb der Landesgrenzen, in Ostbelgien jedoch um eine Auseinandersetzung einerseits innerhalb des deutschsprachigen Gebiets, andererseits aber auch zwischen der erst seit 1920 zur belgischen Nation gehörenden Bevölkerung von Eupen-Malmedy und der flämisch-wallonischen Mehrheitsgesellschaft handelte.

Zweitens war dieser Prozess in Luxemburg bereits im Krieg angestoßen und bei der Heimkehr der meisten Kriegsgefangen im Sinne einer nationalen Solidarität mit den ehemaligen „Zwangsrekrutierten“ beantwortet worden. Ziel war die Inklusion dieser Gruppe in die luxemburgische Nachkriegsgesellschaft. Die Rückendeckung für die eingezogenen luxemburgischen Staatsbürger durch die exilierte Großherzogin Charlotte und ihre Regierung bereits während der Besatzungszeit hatte die gesellschaftliche Konsensposition, die ehemaligen Wehrmachtsoldaten als „Opfer“ der NS-Herrschaft zu begreifen, vorweggenommen. Zentrales Moment der gesellschaftlichen Auseinandersetzung nach der Rückkehr von „Ons Jongen“ bildeten daher vor allem Kategorisierungskonflikte innerhalb der Gruppe und der Zerfall in gesellschaftlich exkludierte „Freiwillige“, denen man den Opferstatus nicht zubilligen wollte, „Refraktäre“, denen nicht nur Opfer- sondern auch Heldenattribute zugeschrieben wurden, und in tatsächlich eingezogene „Zwangsrekrutierte“, die primär als Opfer charakterisiert wurden.

Drittens konnte in Ostbelgien ein solcher früher gesellschaftlicher Konsens nicht entstehen, da die Brüsseler Regierung auf das ostbelgische Gebiet jene restriktiven Kollaborationskriterien anwandte, die für Sympathisanten der deutschen Okkupation in den beiden großen Landesteilen definiert worden waren. Der Sondersituation der sogenannten Ostkantone zwischen 1940 und 1944, als nicht „nur“ besetztes sondern de facto annektiertes Gebiet, wurde zunächst keine Rechnung getragen und die ostbelgischen „Zwangssoldaten“ wurden wie wallonische oder flämische SS-Freiwillige behandelt. Zwar erkannte die belgische Militärjustiz, dass dieses Vorgehen nicht praktikabel war und dass eine rigiden Anwendung bei anderen politischen ← 306 | 307 → Vergehen, wie der Wirtschaftskollaboration44, zu einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung in Ostbelgien geführt hätte, jedoch erst zu einem Zeitpunkt, als bereits tausende ehemalige Wehrmachtsangehörige durch teilweise chaotisch und willkürlich angewandte Rechtsgrundsätze traumatisierende Erfahrungen mit der Staatsmacht ihres neuen, alten Heimatlandes gemacht hatten.

Einschneidender für die gesellschaftspolitische Dimension der Zwangsrekrutierung erscheint uns jedoch die Tendenz, die im Fall Rampelbergh 1955 offensichtlich wird: Unabhängig von der Frage, wie der individuelle Fall zu beurteilen ist, zeigt die mediale Reaktion im „Grenz-Echo“ eine tief sitzende Verunsicherung und eine verständliche, jedoch in ihrer Wirkung auf die Kohäsion der regionalen Gesellschaft gefährliche Hörigkeit gegenüber den Brüsseler Behörden, die zu jener Abkapslung der ostbelgischen Öffentlichkeit führte, welche jüngst auch für andere Gesellschaftsbereiche, etwa das politische Leben in den 1950er-Jahren, beschrieben worden ist.45 Im Zweifelsfall entschied man sich in Ostbelgien daher für die gesellschaftliche Exklusion der ehemaligen „Zwangssoldaten“. ← 307 | 308 →


1 Vgl. einführend für Ostbelgien und Luxemburg im Vergleich: Quadflieg, Peter, „Zwangssoldaten“ und „Ons Jongen“. Eupen-Malmedy als Rekrutierungsgebiet der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, Aachen 2008; für Ostbelgien vgl. ders., Die Rehabilitierung der ostbelgischen „Zwangssoldaten“ nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Velle, Karel u. a. (Hg.), Liber Amicorum Alfred Minke (Belgisches Generalstaatsarchiv und Staatsarchive in der Provinz Studia, 127), Brüssel 2011, S. 215–230; Brüll, Christoph, Les „enrôlés de force“ dans la Wehrmacht – un symbole du passé mouvementé des Belges germanophones au XXe siècle, in: Guerres Mondiales et Conflicts Contemporains 241 (2011), S. 63–74; Quadflieg, Peter M., Kampf um Anerkennung und Statut: Keine Lösungen für die Zwangssoldaten?, in: Lejeune, Carlo / Brüll, Christoph (Hg.), Grenzerfahrungen. Eine Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Bd. 5: Säuberung, Wiederaufbau, Autonomiediskussionen (1945–1973), Eupen 2013, S. 34–45. Eine frühe unkritische Übersicht über Einzelschicksale bietet Toussaint, Heinrich, Verlorene Jahre. Schicksale einer Kriegsgeneration im Grenzland, 2 Bde., Eupen 1987–1988. Für Luxemburg vgl. Quadflieg, Peter M., Die Zwangsrekrutierung von Luxemburgern zur deutschen Wehrmacht im Spiegel von Wehrmachtspersonalunterlagen, in: Hémecht 59/4 (2007), S. 401–428; ders., Luxemburg – Zwangsrekrutiert ins „Großdeutsche Reich“. Luxemburgs nationale Identität und ihre Ausprägung durch den Zweiten Weltkrieg, in: Lingen, Kerstin von (Hg.), Kriegserfahrung und nationale Identität in Europa nach 1945. Erinnerung, Säuberungsprozesse und nationales Gedächtnis (Krieg in der Geschichte, 49), Paderborn 2009, S. 170–188. Auf eine Aufzählung der unübersehbaren Erinnerungsliteratur ehemaliger „Zwangsrekrutierter“ und ihrer Organisationen wird an dieser Stelle verzichtet.

2 Zur Erinnerungspolitik in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg und insbesondere in Bezug auf die „Zwangsrekrutierung“ in Luxemburg vgl. einführend Trausch, Gilbert, Die Bedeutung des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung für die Geschichte des Großherzogtums Luxemburg, in: Hémecht 39/3 (1987), S. 360–374; Krier, Émile, Luxemburg am Ende der Besatzungszeit und der Neuanfang, in: Düwell, Kurt / Matheus, Michael, Kriegsende und Neubeginn. Westdeutschland und Luxemburg zwischen 1944 und 1947 (Geschichtliche Landeskunde, 46), Stuttgart, 1997, S. 69–95; Schoentgen, Marc, Denkmäler zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, in: Forum 211 (2001), S. 44–48, Dostert, Paul, Luxemburg unter deutscher Besatzung 1940–1945. Die Bevölkerung eines kleinen Landes zwischen Kollaboration und Widerstand, in: Gedenkstättenrundbrief 116 (2003), S. 33–43, Pflock, Andreas, Auf vergessenen Spuren. Ein Wegweiser zu Gedenkstätten in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006; Van ’t Hof, Sonja, Collective Suffering. Consequences of World War II in Luxembourg, in: Withuis, Jolande / Mooij, Annet (Hg.), The Politics of War Trauma: The Aftermath of World War II in Eleven European Countries, Chicago 2010, S. 167–192; Gilzmer, Mechthild / Kmec, Sonja (Hg.), Histoire partagée – Mémoire divisée. Erinnerungskultur in grenzüberschreitender Perspektive. Saarbrücken 2016, und Majerus, Benoît, Besetzte Vergangenheiten. Erinnerungskulturen an den Zweiten Weltkrieg in Luxemburg – eine historische Baustelle, in: Hémecht 64/3 (2012), S. 23–43.

3 Vgl. einführend für die Rückkehr der luxemburgischen Kriegsgefangenen: Feider, Judith, Les prisonniers de guerre luxembourgeois en URSS, in: „…et wor alles net esou einfach“. Questions sur le Luxembourg et la Deuxième Guerre mondiale (Publications scientifiques du Musée d’histoire de la Ville de Luxembourg, 10), Luxemburg 2002, S. 263–270.

4 Vgl. exemplarisch: Der liebvollen Pflege der Ihrigen zurückgegeben, in: Luxemburger Wort, 6.11.1945, S. 3, und Empfang der „Tambower Jungen“ in der Hauptstadt, in: Escher Tageblatt, 6.11.1945, S. 1.

5 Vgl. Unsere Jungen aus Tambow zurück, in: Luxemburger Wort, 5.11.1945, S. 3.

6 Vgl. Aus Russland zurück, in: Luxemburger Wort, 21.10.1949, S. 4.

7 In diesem Zusammenhang war der luxemburgisch-deutsche Ausgleichsvertrag von 1959 von entscheidender Bedeutung. Vgl. hierzu Franz, Norbert, Der deutsch-luxemburgische Vertrag vom 11. Juli 1959 und die westliche Reparationspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, in: „..et wor alles net esou einfach.“ (Anm. 3), S. 304–314. Für den Vergleich zu den entsprechenden Verhandlungen zwischen der BRD und Belgien vgl. Quadflieg, Rehabilitation (Anm. 1), und ders., Kampf um Anerkennung (Anm. 1).

8 Vgl. zu dieser Auseinandersetzung Trausch, Gilbert, Mémoire de la Deuxième Guerre mondiale. Le long combat des enrôlés de force luxembourgeois, in: Ders. (Hg.), Vom Sonderbewusstsein zur Nation. Beiträge zur Geschichte Luxemburgs vom Ende des „Ancien Régime“ bis zum Zweiten Weltkrieg, Luxemburg 1989, S. 407–428, hier S. 410 f.; Bonifas Lena, Le dédommagement des enrôlés de force luxembourgeois aprés la deuxième guerre mondiale, Lizenzarbeit, Brüssel 2007; Quadflieg, Rehabilitation (Anm. 1), Majerus, Vergangenheiten (Anm. 2), S. 38 ff.

9 In Erwartung der Tambower „Jungen“, in: Escher Tageblatt, 5.11.1945, S. 2.

10 Heimkehrer aus Rußland Samstag früh eingetroffenen, in: Escher Tageblatt, 1.3.1948, S. 3.

11 Einen eindrücklichen Einblick gibt die seitenfüllende Reportage von Jungblut, Tony, Münstergasse 26. Eindrücke aus den Strafanstalten, in: Escher Tageblatt, 1.6.1946. Hier hieß es beispielsweise über einen Gefangenen: […] Gehilfe und Lehrling ist ein junger Student, der mit 17 Jahren aus der HJ freiwillig in die Wehrmacht trat. Er war Funker, kam jedoch nie zum Einsatz, da er sich im letzten Kriegswinter bei Saarbrücken die Füße erkältete, sodaß die Zehen amputiert werden mussten. Der junge Invalide saß im Januar 1946 im Grund mit so prominenten Häftlingen wie dem ehemaligen Landesleiter Damian Katzenberg und dem ehemaligen Stellvertreter des Gauleiters Simon, Heinrich Siekeimer, ein.

12 Conter, Claude D., Pierre Grégoire, in: Luxemburger Autorenlexikon, URL: http://www.autorenlexikon.lu/page/author/149/1499/FRE/index.html [Stand am 10.7.2016].

13 Grégoire, Pierre, Menschen werden gesucht, in: Luxemburger Wort, 9.11.1945, S. 1.

14 Ebenda.

15 Goetzinger, Germaine, Jean-Pierre Hoffmann, in: Luxemburger Autorenlexikon, URL: http://www.autorenlexikon.lu/page/author/155/1559/FRE/index.html [Stand am 10.7.2016].

16 Hoffmann, Jim, Menschen werden gesucht, in: Escher Tageblatt, 1.3.1948, S. 1 f.

17 Eine systematische Auswertung der Mitgliederzeitschrift „Union“ in Hinblick auf die hier angerissene Thematik wäre sicherlich ebenfalls eine lohnende wissenschaftliche Aufgabe.

18 Zur Erinnerungslandschaft in Luxemburg in den 1950er-Jahren vgl. Majerus, Vergangenheiten (Anm. 2); Schoentgen, Marc, Zwischen Erinnern und Vergessen. Das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg in den 50er Jahren, in: Wey, Claude (Hg.), Luxemburg in den 50er Jahren. Eine kleine Gesellschaft im Spannungsfeld von Tradition und Modernität (Publications scientifiques du Musée d’Histoire de la Ville de Luxembourg, 3), Luxemburg 1999, S. 265–294, und Klos, Eva Maria / Schulz, Benno, Das Erinnern an den Zweiten Weltkrieg in Luxemburg und den Grenzregionen seiner drei Nachbarstaaten, in: Wille, Christian u. a. (Hg.), Räume und Identitäten in Grenzregionen. Politiken – Medien – Subjekte, Bielefeld 2014, S. 322–333.

19 Zu den politischen „Säuberungen“ in Luxemburg nach dem Zweiten Weltkrieg vgl. Cerf, Paul, De l’épuration au Grand-Duché de Luxembourg après la seconde guerre mondiale, Luxemburg 1980; zur Kollaborationsforschung vgl. als Zusammenfassung des Forschungsstandes: Archives nationales du Luxembourg / CEGES-SOMA (Hg.), Collaboration: Nazification? Le cas du Luxembourg à la lumière des situations française, belge et néerlandaise, Luxemburg 2008, und Artuso, Vincent, La collaboration au Luxembourg durant la Seconde Guerre mondiale (1940–1945). Accommodation, adaptation, assimilation (Luxemburg-Studien / Études luxembourgeoises, 4), Frankfurt/Main etc. 2013.

20 Die Urteile finden sich im „Luxemburger Wort“ oder im „Escher Tageblatt“ meist in Form kurzer Sammelmeldungen mit Titeln wie „Vor dem Spezialgericht“.

21 Vgl. Marcel Reuter vor dem Spezialgericht, in: Escher Tageblatt, 21.5.1948, S. 6, und Marcel Reuter hingerichtet, in: Escher Tageblatt, 13.10.1948, S. 4.

22 Der Artikel findet sich so nach wie vor im Gesetz. Vgl. Ministère de la Justice (Hg.), Code Pénal (Législation jusqu’au 1er septembre 2014), Luxemburg 2014, hier Art. 113.

23 Vgl. zur Rückkehr der ostbelgischen Wehrmachtsoldaten aus der Kriegsgefangenschaft: Jenniges, Hubert, Die Bemühungen zur Rückführung ostbelgischer Kriegsgefangener aus der Sowjetunion (1945–1947), in: ZVS 41/11 Jg. (2005), S. 263–266, Dewald, Nicolas, L’indemnisation des enrôlés de force dans l’armée allemande, Lizenzarbeit ULG, Liège 2005, und Quadflieg, Rehabilitation (Anm. 1).

24 Vgl. Quadflieg, Rehabilitation (Anm. 1); ders., Kampf um Anerkennung (Anm. 1), und aus Sicht eines Zeitzeugen: Schenk, Erwin, Zwangssoldaten, belgische Bürger ohne Klasse?, Endarbeit VHS der Ostkantone, maschinenschriftliches Manuskript 1979.

25 Vgl. Quadflieg, Kampf um Anerkennung (Anm. 1), S. 36 ff.

26 Als exemplarische Meldungen vgl. Vor dem Malmedyer Kriegsgericht, in: Grenz-Echo, 8.5.1947, S. 3. Auch die belgische Berichterstattung harrt noch einer empirischen Auswertung.

27 Vgl. Quadflieg, Rehabilitation (Anm. 1); ders., Kampf um Anerkennung (Anm. 1).

28 Vgl. exemplarisch Weihnachtsheimkehr Eupen-Malmedyer Rußlandgefangenen [sic!], in: Grenz-Echo, 24.12.1945, S. 5; Unsere Kriegsgefangenen, in: Grenz-Echo, 1.6.1946, S.3; Das Problem der belgischen Russlandgefangenen. Abg. Kofferschläger bei Aussenminister Spaak, in: Grenz-Echo, 22.11.1955, S. 3. Weitere Beispiele bei Quadflieg, Rehabilitation (Anm. 1); ders., Kampf um Anerkennung, (Anm. 1).

29 Vgl. Quadflieg, Rehabilitation (Anm. 1), und ders., Kampf um Anerkennung (Anm. 1).

30 Karl Rampelbergh erscheint in den Medienberichten zum Teil auch als „Charles Rampelbergh“ oder „Rampelperg“.

31 Vgl. Ein Eupener bei den Russlandheimkehrern, in: Grenz-Echo, 13.8.1955, S. 3.

32 Ein Eupener Russlandheimkehrer traf in Berlin ein, in: Grenz-Echo, 24.9.1955, S. 3.

33 Karl Rampelberg machte an der deutsch-belgischen Grenze kehrt und ersuchte um Asyl in Deutschland, in: Grenz-Echo, 26.9.1955, S. 3.

34 Vgl. Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht Berlin, Personenrecherche Rampelbergh, Karl, geboren am 28.1.1921, vom 14.10.2013.

35 Vgl. Rampelberghs Personaldossier beim Kriegsopferdienst in Brüssel: Service Public Fédéral (SPF), Sécurité sociale Direction générale Victimes de la Guerre / Federale Overheidsdienst (FOD), Sociale Zekerheid Dienst voor de Oorlogsslachtoffers, Dossier Nr. 46592 Rampelberg, Karl Léo [sic!].

36 Vgl. Empfang mit Handschellen, in: Aachener Nachrichten, 26.9.1955, S. 1.

37 Die Presseberichterstattung blieb allerdings keineswegs auf die Aachener Presse beschränkt. Vgl. exemplarisch: Empfang ohne Mitleid. Belgische Spätheimkehrer aus Rußland wurden mit Handschellen empfangen, in: Der Stern 41 (1955), abgedruckt in: Cremer, Freddy / Mießen, Werner (Hg.), Spuren 1944–1956. Materialien zur Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Eupen 1997, Spur 39.

38 Vgl. Sie hoffen auf Deutschland, in: Aachener Nachrichten, 27.9.1955, S. 3. Vgl. auch Belgische Heimkehrer in Haus Luttiz, in: Aachener Volkszeitung, 26.9.1955, S. 3.

39 Vgl. exemplarisch: Spontane Hilfe für belgische Russland-Heimkehrer, in: Aachener Volkszeitung, 27.9.1955, S. 3.

40 Michel, Henri, Zur Frage der Russlandheimkehrer, in: Grenz-Echo, 22.10.1955, S. 1.

41 Vgl. Charles Rampelberg kam nach Eupen, in: Grenz-Echo, 15.12.1955, S. 3.

42 Vgl. Zwei Jahre Gefängnis mit Bewährungsfrist für Karl Rampelberg, in: Grenz-Echo, 29.02.1956, S. 3.

43 Vgl. Rampelberghs Bundeswehrpersonalakte, Bundesarchiv Militärarchiv Freiburg/Breisgau, Pers 1/9181.

44 Vgl. Quadflieg, Peter M., Übergang. Anpassung. Boom. Regionale Wirtschaftsentwicklung im europäischen Rahmen, in: Lejeune, Carlo / Brüll, Christoph (Hg.), Grenzerfahrungen (Anm. 1), S. 118–187, hier S. 131 ff., und ders., Ostbelgische Elitenkontinuität in der Industrie? Wirtschaftliche Anpassungsprozesse vor und nach der Befreiung 1944 – Eine Bestandsaufnahme, in: Brüll, Christoph u. a. (Hg.), Eine ostbelgische „Stunde Null“? Eliten aus Eupen-Malmedy vor und nach 1944. Annalen des Symposiums im Staatsarchiv in Eupen am 15. September 2012 (Belgisches Staatsarchiv, Quellen und Forschungen zur Geschichte der deutschsprachigen Belgier, 6), Brüssel 2013, S. 115–133.

45 Vgl. Brüll, Christoph u. a., „Hilf Dir selbst, so hilf Dir Gott!“ Verzerrende Geschichtsbilder und fehlendes Selbstbewusstsein, in: Lejeune, Carlo / Brüll, Christoph (Hg.), Grenzerfahrungen (Anm. 1), S. 46–103. Der Verfasser dankt Miriam Klein vom Lehr- und Forschungsgebiet Wirtschafts-, Sozial- und Technologiegeschichte der RWTH Aachen für die Unterstützung bei der Druckreifmachung des Vortragsmanuskripts.