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Identitätsbildung und Partizipation im 19. und 20. Jahrhundert

Luxemburg im europäischen Kontext

Series:

Edited By Norbert Franz, Thorsten Fuchshuber, Sonja Kmec, Jean-Paul Lehners and Renée Wagener

Gesellschaften mit starker Einwanderung kennzeichnen vielfältige Formen von Identitätsbildung und das Ringen um politische und zivilgesellschaftliche Partizipation. Dies gilt in besonderer Weise für Luxemburg im 19. und 20. Jahrhundert. Hier entstand in einem Kleinstaat eine der jüngeren Nationen Europas und zugleich eine besonders offene, plurikulturelle Einwanderungsgesellschaft. Ziel dieses Bandes ist es, die Entstehung dieser Mehr-Kulturen-Gesellschaft im europäischen Zusammenhang zu verstehen. Die einzelnen Beiträge analysieren mit Hilfe unterschiedlicher sozial- und kulturwissenschaftlicher Annäherungen exemplarische Konfliktlinien der Identitätsbildung und des Kampfes um Partizipation.

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Die kulturelle Partizipation von Frauen der Oberschicht in Luxemburg (1850–1900) (Josiane Weber)

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Josiane Weber

Die kulturelle Partizipation von Frauen der Oberschicht in Luxemburg (1850–1900)

1.  Einleitung

In den europäischen Staaten zeichnete sich die Oberschicht im 19. Jahrhundert dadurch aus, dass sie über das ökonomische, soziale und kulturelle Kapital verfügte. Ansehen und Macht, Besitz und Bildung erwiesen sich als die ausschlaggebenden Faktoren für die Zugehörigkeit zur Oberschicht. Die Elitenbildung erfolgte durch eine ausgesuchte Erziehung und Ausbildung, durch Führungspositionen in Politik und Wirtschaft, durch strategische Heiraten und familiäre Allianzen sowie durch kulturelle Dominanz und einen gehobenen Lebensstil.1 Für das 19. Jahrhundert gilt es als unbestreitbar, dass die Familie „als Hort des sozialen und ökonomischen Kapitals ihre zentrale Bedeutung“ hatte und „über Sozialisation und Kompetenzerwerb, Ausbildung und Karriere, Startkapital und Marktkenntnis, Heirat und soziales Netzwerk, mithin über alle jene zahlreichen strategisch wichtigen Vorbedingungen“2 entschied. Diese Kriterien begründeten und stabilisierten die Abgrenzung zu den mittleren und unteren Gesellschaftsschichten und schlossen diese weitgehend von jeglicher Form der Herrschaft aus.

Wenn die Familie als Ort der Reproduktion von Eliten angesehen werden kann, muss ebenfalls über die Rolle der Frauen nachgedacht werden. In der Geschichtswissenschaft wird darüber diskutiert, ob und seit wann Frauen zu einer Elite gezählt werden können. Die meisten Elitebegriffe sind mit Blick auf von Männern gebildete soziale Gruppen entworfen worden, so dass die Kategorie „Geschlecht“ vollkommen vernachlässigt wurde und Geschlechterforschung in den Elitekonzepten ein Desiderat darstellt. Doch konnten Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft überhaupt zur Elite gehören? Waren sie akzeptierte Mitglieder des sozialen Systems, und wurden sie als zur Gesellschaft gehörig wahrgenommen? Durch den Umstand, dass sie im 19. Jahrhundert nicht in der Öffentlichkeit auftraten und ihnen der private Raum zugewiesen wurde, haben sie keine Beachtung in ← 359 | 360 → der Elitenforschung gefunden. Wegen ihrer fehlenden rechtlichen Gleichstellung blieben sie von allen Institutionen ausgeschlossen, die der Rekrutierung von Eliten dienten, so auch von den weiterführenden Schulen, vom Staatsdienst, von der Wirtschaft, von der Politik. Der persönliche Einfluss der Frau auf den Mann sowie ihr Wirken im Haus bleiben schwer erfassbar.3 Historische Studien zu den Eliten beschäftigten sich zwar auch mit den Familienverhältnissen, indem sie Abstammung, Heiraten und Nachkommen ihrer Zielgruppen analysieren.4 Doch wurden die Frauen von der älteren Forschung nicht als eigenständige Gruppe wahrgenommen: „Generell ist die Frau den führenden Schichten und Gruppen eingebunden durch den Mann. Sie ist aber […] wohl eine bedeutende politische und gesellschaftliche Kraft, bildet aber keine geschlechtsspezifische Elite.“5

Die Familienforschung könnte jedoch neue Erkenntnisse für den Zusammenhang von Frauen und Eliten bieten.6 Karriere und Ansehen des Mannes beruhten nicht ausschließlich auf einer individuellen Anstrengung, sondern können durchaus als Familienleistung verstanden werden,7 denn Mann und Frau trugen jeweils auf ihre Weise zum Erwerb des sozialen, materiellen und kulturellen Kapitals bei. Studien zu den Aufgaben von Frauen in den Familien zeigen ihre hervorragende ← 360 | 361 → Bedeutung für den Lebensstil, die Gestaltung des Konnubiums sowie für die Vermittlung von Habitus, Werten und Prinzipien in der Oberschicht. Die Frauen waren diejenigen, die verbindliche Welt- und Gesellschaftsbilder sowie das Normensystem der Gesellschaft nachhaltig prägten, ausbildeten und weitergaben.8 Die „feinen Unterschiede“, der klassenspezifische Habitus, beruhten zum größten Teil auf der in Kindheit und Jugend im Rahmen der familiären Sozialisation vollzogenen Vermittlung von Verhaltensweisen und Einstellungen.9

Doch vor allem wiesen sich die Frauen im 19. Jahrhundert eine besondere Kulturaufgabe zu, in der auch der Gedanke einer weiblichen Elite enthalten ist. In diesem Zusammenhang stellte die Historikerin Ute Frevert die These auf, dass die Trennung der Geschlechter in einen öffentlichen Raum für Männer und in einen Privatraum für Frauen im Lauf des 19. Jahrhunderts zu unterschiedlichen sozialen Identitäten von „Geschäftsmännern“ und „Kulturfrauen“ in der Oberschicht führte.10 Während die männliche bürgerliche Identität sich ausschließlich über Beruf und Arbeit definierte, erhielten Frauen wegen ihrer Freistellung von Erwerbsarbeit alle Möglichkeiten zur Entfaltung einer ästhetischen Kultur.11 Sowohl Männer aus der ← 361 | 362 → Geschäfts- und Industriewelt als auch Männer aus bildungsbürgerlichen Kreisen richteten ihre Ausbildung und ihr weiteres Leben an der Arbeit aus, während das Familien- und Privatleben nur als Ergänzung ihres öffentlichen Wirkens galt. Dank ihrer Arbeitsleistung konnten sie die übrigen Familienmitglieder von der Erwerbsarbeit befreien und auf diese Weise Spielräume zur Pflege einer ästhetischen Kultur ermöglichen, deren Ausgestaltung hauptsächlich den Frauen oblag. Die Muße, über die Frauen verfügten, gab ihnen die Möglichkeit, die Spielregeln dieser Kultur zu erlernen und zu praktizieren.

Da die kulturelle Partizipation von Frauen der Oberschicht in Luxemburg auf der Erziehung der jungen Mädchen basierte, soll hier zunächst die spezifische Mädchenausbildung analysiert und dabei der Frage nachgegangen werden, inwiefern diese sich auf die Vermittlung kultureller Kompetenzen ausrichtete. Anschließend wird die sich im Lauf des 19. Jahrhunderts verändernde Funktion des bürgerlichen Hauses untersucht, das sich immer weniger auf das Privatleben der Kleinfamilie beschränkte, sondern vielmehr als teilweise öffentlicher Raum fungierte, in dem sich eigene kulturelle Ausdrucksmöglichkeiten entwickeln konnten. Welche Auswirkungen diese Umstände auf die Rolle der Frauen in der Oberschicht und auf ihre kulturelle Partizipation hatten, soll im dritten Kapitel geklärt werden. Die Freizeitaktivitäten der Mitglieder der Oberschicht standen im Zusammenhang mit dem Bedürfnis nach Bildung, der Aneignung von Wissen und der Beschäftigung mit Kunst. Frauen übernahmen eine wesentliche Funktion in diesen Bereichen, zumal die beiden bürgerlichen Formen, sich mit Kunst und Kultur abzugeben, nämlich das Dilettantentum (ohne pejorative Konnotation) und das Mäzenatentum, ihnen dabei entgegenkamen. Anhand von einigen Beispielen aus der Luxemburger Oberschicht soll verdeutlicht werden, dass Frauen sich im 19. Jahrhundert eine besondere Kulturaufgabe zuwiesen, die vom Gedanken einer weiblichen Elite geprägt war. ← 362 | 363 →

2.  Die ästhetische Erziehung der jungen Mädchen

Bei der Erziehung der Töchter aus der luxemburgischen Oberschicht, die sich zwar wesentlich von derjenigen der Söhne unterschied, aber im Übrigen genauso elitär war wie die der Jungen, ging es darum, ihnen das beizubringen, was sie für ihr zukünftiges Leben, für ihre vielfältigen Funktionen in Familie und Gesellschaft brauchten. Dafür wurden sie, nach einer Grundausbildung in Luxemburg entweder durch Hauslehrer und Hauslehrerinnen oder in Privatschulen, im Alter von 14 bis 15 Jahren meist nach Frankreich oder Belgien in konfessionelle Pensionate geschickt. Dort wurden sie auf ihre künftige Rolle als Hausherrinnen vorbereitet, indem sie eine breit angelegte Allgemeinbildung erhielten und all jene Kompetenzen und Fertigkeiten erwarben, die sie für ihr zukünftiges Leben benötigten.

Der Lernkanon der höheren Töchterschulen war weit gefächert und stand in engem Zusammenhang mit den von den Frauen geforderten späteren Leistungen, die sich sowohl auf das intellektuelle und kulturelle als auch auf das handwerklich-organisatorische und soziale Gebiet erstreckten. Ihre Ausbildung beruhte auf der Förderung von sprachlichen Kompetenzen, von musisch-künstlerischen Interessen, von ästhetischem Geschmack, von sicheren Umgangsformen und von einer religiösen Innerlichkeit. Die Fächer, auf die der allergrößte Wert gelegt wurde, waren, neben der Religion, die französische Sprache und Literatur mit Grammatik, Logik, Stil und Aufsatz. Geschichte, Chronologie, Geographie, Biologie, Arithmetik, Hauswirtschaft, Handarbeit, Schönschrift und Vorlesen. Zusätzlich konnten in den Internaten Kurse in Deutsch und Englisch sowie Musik und Kunst (Klavier, Gesang, Zeichnen, Ölmalerei und Tanz) belegt werden.12

Was die Inhalte der Ausbildung anging, so hingen diese natürlich von den jeweiligen Fächern ab.13 Bis zum Ende ihrer Schulzeit wurde eine meisterliche Handhabung der Kalligraphie von den Mädchen gefordert, so dass eine Form von Schönschrift, die fast an Malerei grenzte, als wichtiges Fach galt. Weiter waren literarische Kenntnisse unerlässlich; hier wurden insbesondere Autoren des 17. Jahrhunderts wie Bossuet, Fénelon, Madame de Maintenon oder Madame de Sévigné behandelt, während ← 363 | 364 → die Schriften zeitgenössischer Schriftsteller kaum berührt wurden und das Lesen von Romanen verboten war, wie übrigens bei den Jungen auch. Zur Literatur gehörte ebenfalls die Stilkunde, die als wichtiger Mosaikstein in der Erziehung junger Mädchen angesehen wurde. Das Schreiben in einem natürlichen, graziösen und lebendigen Stil wurde anhand der Rhetorik eingeübt. Bei den Fremdsprachen dominierte das Englische, das als unerlässlich für die Bildung der Frauen galt. Der Unterricht in Geschichte bestand hauptsächlich aus dem Auswendiglernen von Daten, Namen und Chronologien, doch entwickelten viele Schülerinnen einen wirklichen Hang zu diesem Fach, indem sie romantisierte Biographien von bedeutenden Männern und Frauen lasen. Auch die Mythologie, in der Mythen aus der griechisch-römischen Geschichte sowie Heiligenlegenden behandelt wurden, und die Geographie wurden als Bestandteile der Geschichte behandelt. Die Botanik beschränkte sich auf Klassifikationen, Listen von Pflanzennamen und praktische Kenntnisse im Gartenbau. Mineralogie und Zoologie sollten auf die Harmonie in der Natur hinweisen, während die Chemie hauptsächlich unter praktischen Aspekten gelehrt wurde, wie beispielsweise die Wirkung von Waschmitteln oder die Herstellung von Konserven und Marmeladen. Darüber hinaus wurde großer Wert auf die Arithmetik gelegt, da Frauen, die einen Haushalt leiteten, ihre Konten und Rechnungsbücher zu führen hatten. Kenntnisse in den vier Rechnungsarten, Geometrie, Zinsrechnungen, Dreisatz, Maßen und Gewichten oder Buchführung standen auf dem Programm. Daneben wurden alle Bereiche als wichtig erachtet, die mit der Rolle der jungen Mädchen als künftigen Hausherrinnen in Zusammenhang standen. Dass von einer guten Führung und der perfekten Organisation des Haushaltes das Glück ihrer zukünftigen Familien abhinge, war in dieser Zeit die weit verbreitete Auffassung. Besonders Hauswirtschaft und Handarbeit spielten eine wichtige Rolle und sollten die jungen Mädchen auf die Arbeit in ihren Familien vorbereiten.

Neben den genannten Fächern förderten die höheren Töchterschulen die Entwicklung musisch-künstlerischer Fähigkeiten und eines ästhetischen Geschmacks sowie der sicheren Umgangsformen ihrer Zöglinge. Die sogenannten „arts d’agrément“, wie Malerei, Musik und Tanz, nahmen einen bedeutenden Platz in der Mädchenerziehung ein. Zeichnen, Aquarell- und Pastellmalerei gehörten dazu, Klavierspiel und Singen galten sogar als unerlässlich. Von den jungen Mädchen wurde gefordert, dass sie täglich mindestens zwei Stunden Klavier täglich spielten, so dass die meisten von ihnen dieses Instrument recht gut beherrschten. Die Grundelemente des Tanzes und Kurse in Haltung und Umgangsformen, in denen Körperbeherrschung, formvollendete Manieren und Konversationsführung eingeübt wurden, rundeten die Erziehung der jungen Mädchen ab. Durch den Erwerb dieser Kompetenzen unterschieden sich die Mädchen der Oberschicht von jenen der Mittelschicht. ← 364 | 365 →

Insgesamt erwiesen sich die Erziehung und Ausbildung der jungen Mädchen im 19. Jahrhundert als ihrer Stellung und ihrer Rolle in der Gesellschaft durchaus angepasst, denn zwischen der Mädchenerziehung und dem Rollenbild der Frau bestand eine enge Verknüpfung. Solange dies so blieb, veränderte sich auch ihre Ausbildung nicht. Dass die traditionelle Mädchenerziehung in der Oberschicht bis ins 20. Jahrhundert hinein ihre Eigenständigkeit bewahrte, deutet auf ihre positiven Folgen für die bürgerliche Ordnung und Weltanschauung hin. Es ist unzweifelhaft, dass diese Art der Ausbildung mit ihrer Betonung auf dem Kultur- und Familienleben als das Fundament der bürgerlichen Kultur angesehen werden kann, ebenso wie der Umstand, dass der Niedergang dieser Welt auch in engem Zusammenhang stand mit der Angleichung der Mädchen an die Jungen­ausbildung sowie mit der Emanzipation der Frauen, die ihrerseits wieder eine veränderte familiäre Struktur hervorbringen sollte.

3.  Das bürgerliche Haus als öffentlicher Ort der Kulturentfaltung

Die Exklusivität des Lebensstils vermittelte sich im 19. Jahrhundert vor allem über die Ebene der kulturellen Praxis und ihrer symbolischen Sprache. Kulturelle Gemeinsamkeiten, die über das Ökonomische hinausgingen, bestimmten die besondere Art der Lebensführung sowie die Umgangs- und Verkehrskreise der Adligen und Bürger. Wer zur Oberschicht gehören wollte, musste die kulturellen Regeln beherrschen. Ein bestimmter Stil und Geschmack waren Zeichen für die Inklusion in diese Gesellschaftsschicht.14

Die kulturellen Aktivitäten der Oberschicht vollzogen sich im 19. Jahrhundert auf drei Handlungsebenen: in der Familie, in den Kulturinstitutionen und in den geselligen Vereinen. Während in der Familie die private Geselligkeit gepflegt wurde, fand in den Kulturinstitutionen und Vereinen die öffentliche Geselligkeit statt. Gemeinhin wird angenommen, dass erstere vom weiblichen Geschlecht dominiert wurde, während letztere im 19. Jahrhundert die ausschließliche Domäne der Männer darstellte. Die Unterscheidung von Öffentlichkeit und Privatheit wird neuerdings vor allem von der historischen Frauenforschung verstärkt kritisiert, und zwar mit dem Hinweis, dass dieses Gegensatzpaar eine Denkschablone sei, eine „Sichtblende gegen eine differenzierte Wahrnehmung von Geschlechterverhältnissen in der Geschichte“.15 Insbesondere die Historikerin Rebekka Habermas ← 365 | 366 → hat gezeigt, dass die häusliche Geselligkeit eine neue Öffentlichkeit erzeugte, die das System der sozialen Ungleichheit in Frage stellte und den Frauen die Möglichkeit eröffnete, einen Bildungsraum zu schaffen, in dem sie als gleichwertige Partnerinnen der Männer auftraten.16

Das Gewicht der Geselligkeit verlagerte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts immer stärker in den häuslichen Rahmen, was zu einer Aufwertung des Familienraums und der Rolle der Frauen sowie zu einem graduellen Rückzug der Männer aus den Vereinigungen führte. Im Erziehungsraum Familie mit seiner Intimisierung, Sentimentalisierung und Emotionalisierung wurden mit der ästhetischen Bildung der Persönlichkeit die Grundlagen für die Vermittlung von Kultur geschaffen.17 Neben den Vereinen und sonstigen kulturellen Einrichtungen sorgte die familiäre Geselligkeit für eine intellektuelle Plattform, in der Kultur diskutiert, weiterentwickelt und verbreitet werden konnte. Das Fundament für die Teilhabe kulturellen Leben wurde in den Familien gelegt; aber auch die Praxis des kulturellen Engagements war nur mit und dank der Unterstützung der Familien möglich.

Dass die Geselligkeit sich vermehrt in den Privathäusern abspielte, rührte aus der Tatsache her, dass sich Wohnorte, Architektur und Funktionen der Häuser veränderten. Seit der Schleifung der Festung verlagerten immer mehr Mitglieder der Oberschicht, insbesondere die des Wirtschaftsbürgertums und der freien Berufe, ihren Wohnsitz in Villen, die an den neugeschaffenen „Avenues“ und „Boulevards“ entstanden. Die Villa Vauban, die der Handschuhfabrikanten Gabriel Mayer errichten ließ und wenig später von der Familie de Gargan-Pescatore bewohnt wurde, oder die Villen der Textilfabrikantenfamilie Godchaux in Schleifmühl, oder auch die Villa der Familie d’Harnoncelles-de Gargan am Boulevard Joseph II, sind hierfür beredte Beispiele. Auf dem Lande und in den Kleinstädten, wo die meisten Wirtschaftsbürger lebten, fand eine ähnliche Entwicklung statt: Die Industriellen errichteten sich häufig Schlösser, die oft in der Nähe ihrer Betriebe ← 366 | 367 → lagen. Die Familien der Eisenhüttenbesitzer Metz mit dem Beggener Schloss sowie die Familie Collart mit dem Dommeldinger Schloss und der Steinforter Villa können hier als Beispiele genannt werden.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde es also immer üblicher, dass wohlhabende Bürger über große Villen verfügten, die sich für Gesellschaften in Festsälen oder gar Ballräumen eigneten, so dass sich die Bankette, Bälle und Soirées aus den Vereinslokalen in die Villen der Bürger verlagerten.18 Zu den Höhepunkten des gesellschaftlichen Lebens in Luxemburg-Stadt gehörten die Empfänge, die Staatsminister Baron Félix de Blochausen und seine Frau Estelle de Labbeville gaben. Caroline Jacquinot-Collart berichtete über die Eindrücke ihres Neffen Charles de la Fontaine, genannt Decken, der 1873 an einem Ball teilnahm: Decken s’est beaucoup amusé au bal Blockhausen jusque 4 heures du matin. Huîtres et homards étaient à profusion.19 Die Bankierfamilie Turk gehörte Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls zu denjenigen, die mit ihren Festen Aufsehen erregte. Marie de Roebé, Tochter des verstorbenen Direktors der „Brasseur-Eisenhütte“ in Esch-sur-Alzette, Théodore de Roebé, schrieb im Januar 1899 über einen Ball im Hause Turk am Boulevard Royal mit 90 eingeladenen Gästen, der mit seiner Prachtentfaltung an Dekoration, Garderobe, Essen und Getränke ihre Sinne einnebelte: Nous sommes rentrées à 3 ¾ h. La soirée a été on ne peut mieux réussie. Le luminaire, l’arrangement des salons, la musique, les toilettes […] le buffet bien garni, le souper extrêmement fin (bouillon, filet aux petits pois, galantine, roulade, poulardes, glaces, mandarines, bonbons, vins blanc et rouge, champagne); tout était réussi pour faire jouir les sens.20

Die Organisation von Abendessen oder Banketten gehörte zu den Pflichten der Frauen und Mädchen. Dies konnten informelle Essen für Familienangehörige und Bekannte sein oder offizielle Bankette, an denen wichtige Berufskollegen und deren Ehefrauen teilnahmen. Die Rolle der Frauen bei der Vergabe von Posten ist sicherlich nur schwer nachzuweisen; Frauen traten nicht offen auf und besaßen keine direkte Macht. Man kann sie also nur indirekt ermessen, und anhand von Zeugnissen lässt sie sich eher erahnen, denn belegen. So war es sicherlich von Bedeutung, gesellschaftliche Kontakte zu pflegen, eine Aufgabe, die vorrangig Frauen übernahmen. Um die Karriere des Ehemannes zu fördern, erwies es sich ← 367 | 368 → als unerlässlich, Verbindungen unter den Entscheidungsträgern aufzubauen, was Frauen ganz gewollt oder eher unbewusst in Angriff nahmen. Ihnen kam die Rolle zu, den geselligen Verkehr durch regelmäßige Zusammenkünfte zu pflegen, wobei sie gewissermaßen auch eine „öffentliche“ Rolle spielten: Sie stellten die Gästelisten zusammen, versandten Einladungen, bestimmten die Tischordnung, komponierten das Menü, arrangierten die Tische und sorgten für den reibungslosen Ablauf der Bankette.21 Die Teilnahme an Essen in den Kreisen der „besseren“ Gesellschaft erwies sich bei der Karriereplanung der Männer von Bedeutung. So häuften sich bei der Familie de Roebé die Einladungen, bevor und nachdem Victor de Roebé die Stelle eines Regierungsrates in Luxemburg-Stadt antrat. Seine Tochter Marie berichtete ihrer Freundin von den Diners und Soupers, an denen sie teilnahm: Nous avons dîné le jour du bal chez Monsieur André, c’était un grand dîner de 19 personnes. Parmi les invités se trouvaient la famille Lamort, Mr et Mme Richard que tu connais; j’avais pour voisins de table Mme Ernest Simons, et Mr Eugène Gillars, et Théodore, Thérèse Lamort et Melle Gillars.22

Es war selbstverständlich, dass auch die Familie de Roebé selbst Essen organisierte, zu denen Politiker und hohe Beamte eingeladen waren, wie Marie schrieb: Nous avons eu avant-hier un grand souper, voici les invités: Mr. Servais, min.[istre] d’Etat, Mr. Thilges dir.[ecteur] g.[énéral], Mr Dutreux, Mr et Mme Lamort, Mr et Mme André et Mr Huberty.23 Natürlich lässt es sich nur schwer ermessen, ← 368 | 369 → inwieweit der gesellschaftliche Verkehr mit Staatsminister Emmanuel Servais und anderen wichtigen Entscheidungsträgern einen Einfluss auf die Nominierung Victor de Roebés vier Jahre später zum Minister der Regierung Servais hatte. Doch sollte die Wirkung solcher Einladungen sicherlich nicht zu gering veranschlagt werden. Für das Gelingen des sozialen Aufstiegs waren eben nicht allein die erfolgreiche Berufskarriere des Mannes ausschlaggebend, sondern auch der komplexe Repräsentations- und Wirkungszusammenhang eines Bürgerpaares, in dem jeder auf seine Weise und mit seinen spezifischen Kompetenzen zum gesellschaftlichen Erfolg beitrug.24

Die häusliche Organisation von Abendessen und Diners für politische Führungskräfte gehörte zu den Pflichten der Ehefrauen im 19. Jahrhundert. Dies ging sogar so weit, dass die Regierungsmitglieder sich gegenseitig in ihre Sommerresidenzen einluden. Elise de Roebé, zweitälteste Tochter des Ministers Victor de Roebé, notierte am 29. Juli 1880 in ihr Tagebuch, dass ihre Eltern „die Regierung“ zu einem Essen in ihrem Larochetter Landsitz empfingen: Nous avions hier le gouvernement à dîner, en plus l’ambassadeur suédois et le jeune comte d’Ansembourg. La journée a été fort agréable, le dîner gai et animé par la musique. Nous avons accompagné ces Messieurs, maman et moi, en voiture aux ruines. A notre retour Mr. de Blochausen et ses deux hôtes ont repris le chemin de Birtrange tandis que Mrs Eyschen et Kirpach ont encore soupé avec nous et ne sont partis qu’à 9 h ½.25

Nicht nur die Ehefrauen der politischen Führungsschichten waren für die offiziellen Bankette in ihren eigenen Häusern zuständig, sondern auch diejenigen der Betriebsleiter. Als im März 1884 ein neuer Hochofen der „Société des Hauts-Fourneaux luxembourgeois S.A.“ in Esch-sur-Alzette eingeweiht wurde, war es selbstverständlich, dass die Frau des Direktors, Marie de Roebé-Richard, ein Bankett für die Mitglieder des Aufsichtsrats der Gesellschaft in ihrem Haus gab. Um die insgesamt 14 Personen zu bewirten, hatte sie extra eine Köchin aus Luxemburg eingestellt, und ihr Mann berichtete nachher mit Stolz, dass das Essen ein voller Erfolg war. Hierbei spielten eine Speisenfolge von zehn Gängen und erlesene Getränke eine wichtige Rolle.26 ← 369 | 370 →

Folglich beschränkte sich das bürgerliche Haus im 19. Jahrhundert nicht auf das Privatleben der Kleinfamilie. Es war kein ausschließlicher Rückzugsort für den Mann, sondern fungierte als semi-öffentlicher Raum, in dem sich neue Lebens- und Umgangsformen sowie eigene kulturelle Ausdrucksmöglichkeiten entwickeln konnten. Die häusliche Geselligkeit, in der die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit fließend wurden, war daher ein wichtiger Bestandteil des Prozesses bürgerlicher Selbstdefinition. Die Frauen standen als Gastgeberinnen und Organisatorinnen der Zusammenkünfte im Mittelpunkt der Gesellschaft, wodurch sich ihnen besondere Aktionsmöglichkeiten erschlossen. Hier konnte sich denn auch eine bestimmte Art von Freizeitgestaltung entfalten, die untrennbar zum Lebensstil der Oberschicht gehörte.

4.  Die Rolle der Frauen bei der Freizeitgestaltung der Oberschicht

Die Freizeitgestaltung stellt den Bereich dar, in dem sich Lebensstil und Habitus am besten ausdrücken können. Bereits im 18. Jahrhundert begannen sich mit der Ausbildung der Privatsphäre Vorstellungen über die Lebensgestaltung zu entwickeln, in denen die begrenzte Zeit der Muße auf sinnvolle Weise für die persönliche Bildung und für kulturelle Aktivitäten genutzt werden sollte.27 Die wichtigsten Freizeitaktivitäten der Oberschicht standen im Zusammenhang mit dem Bedürfnis nach Bildung, der Aneignung von Wissen und der Beschäftigung mit Kultur. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich, wie bereits angedeutet, bürgerliche Formen, sich mit Kunst und Wissenschaft abzugeben, ohne die Gegenwelt des Alltäglichen und die Regelhaftigkeit der bürgerlichen Welt durchbrechen zu müssen: das Dilettantentum und das Mäzenatentum. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts erhielt der Begriff des „Dilettanten“ eine pejorative Bedeutung, während er vorher einen Liebhaber von Kunst und Wissenschaft bezeichnete, der Vergnügen aus der Beschäftigung mit diesen Gegenständen bezog und Genuss an der Teilhabe am Kulturleben empfand.28 ← 370 | 371 → Die kulturelle Partizipation von Frauen zeigt sich vor allem an ihren Freizeitbeschäftigungen, die sich u. a. in der Lektüre, dem Schreiben und der Musik äußerten.

Die Lektüre war in besonderem Maße dazu geeignet, die eigene Bildung zu vertiefen. Im 19. Jahrhundert übernahm das Lesen die zentrale Funktion als Ausweis von Bildung, die durch den Besitz repräsentativer Bibliotheken veranschaulicht wurde.29 Neben dem lauten Vorlesen, das zu einem festen Bestandteil der Geselligkeit gehörte, entstand das Bedürfnis nach der stillen Lektüre von neu erschienenen Büchern, vor allem von Romanen. Die Literatur diente der Lebenshilfe, der Wirklichkeitsorientierung und der Sinnstiftung sowie als Quell von Denkanstößen. Im Allgemeinen galt allerdings die Lektüre von Romanen in der Luxemburger Oberschicht, und hier insbesondere unter den angepassten katholischen Mädchen und Frauen, als verpönt.30 Sie hatte den Ruf, die Sitten der Frauen zu verderben, ihre Phantasie zu romantischen Vorstellungen anzuregen und ihr alltägliches Leben als monoton und fade erscheinen zu lassen, was zur Unzufriedenheit mit der eigenen Existenz führen könnte. Frauen, die Romane lasen, galten als haltlos, faul und lasziv.31

Dass dennoch auch im katholischen Milieu Romane gelesen wurden und Literatur Diskussionsanstöße geben konnte, zeigt sich an vielen Beispielen, so u. a. an dem Roman „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë, an dessen Lektüre sich eine längere Korrespondenz zwischen Elise de Roebé und ihrer Freundin Thérèse Boppe-Lamort entzündete. Thérèse hatte Elise das Buch geschickt mit der Bitte, einen Kommentar zur Lektüre abzugeben: tu me donneras des nouvelles de Jane Eyre, le livre ci-joint que je me permets de t’envoyer, et que tu garderas s’il te plait comme il m’a plu.32 Die Reaktion von Elise de Roebé auf „Jane Eyre“ und auf Romane im Allgemeinen war allerdings alles andere als positiv. Sie kritisierte vor allem das Auflodern der Leidenschaften, das den Leser vollkommen vereinnahmen, seine Gedanken beschäftigen und ihn somit von der Religion ablenken würde: Cette lecture ne me laisse aucune impression agréable non ce n’est pas le genre qui me plaît, ou peut-être n’y a-t-il plus aucun genre de roman qui me plaise. Je suis contente d’avoir fini cette histoire et je vois une fois de plus combien j’ai eu raison de prendre la résolution de ne plus lire de ces romans quelqu’éloignés qu’ils puissent ← 371 | 372 → être du mal. Ainsi certes „Jane Eyre“ n’est pas un mauvais livre, mais c’est un roman et les passions sont mises en scène, cela vous agite préoccupe votre esprit en vous ôtant toute autre bonne pensée; la prière et la méditation vous deviennent beaucoup plus difficiles en un mot vous vous éloignez de Dieu; ces mille pensées étrangères mettent obstacle à l’union de votre cœur avec Dieu. Je renouvelle donc aujourd’hui fermement ma résolution de ne jamais lire ces livres sans y être en quelque sorte obligée comme c’était le cas cette fois.33

Rechnungen der Buchhandlung Victor Buck aus der Familie de Roebé zeigen allerdings, dass diese ihre Lektüre bei weitem nicht auf religiöse Literatur beschränkte, sondern auch Romane u. a. von Jules Verne, Charles Dickens und Charles de Montalembert bestellte sowie den „Almanach de la mode illustrée“ und die Zeitschrift „Mode illustrée“ abonniert hatte.34 Desgleichen berichtete Elise de Roebé, dass sie zusammen mit ihrem Bruder Théodore einen Roman von Jules Verne geradezu verschlungen habe,35 was auf eine recht widersprüchliche Haltung der jungen Frau in dieser Frage hindeutet.

Vor allem Mädchen aus dem liberalen Milieu gelang es, sich von der Bevormundung der Katholischen Kirche zu lösen und ihren eigenen Weg in der Welt der Lektüre zu finden. Zu diesen gehörten die Schwestern Ernestine und Adeline Vannerus, Töchter des Abgeordneten und Unternehmers Ernest Vannerus und Nichten des Ministers Henri Vannerus aus Diekirch. Seit den 1880er Jahren lebte die Familie Vannerus-Le Jeune in Brüssel; die beiden Schwestern verkehrten dort in avantgardistischen Künstlerkreisen.36 Im 1886 begonnenen Tagebuch von Ernestine Vannerus finden sich zahlreiche Zitate von hauptsächlich französischen Schriftstellern, die zeigen, dass sie sich sowohl in der klassischen als auch in der modernen avantgardistischen Literatur auskannte und philosophische Werke las. Ein reicher Zitatenschatz gehörte zum Bildungsinventar und sollte das kulturelle Interesse der Oberschicht demonstrieren.37 Auch eine junge Frau wie Marie ← 372 | 373 → Munchen, Tochter des Majors Alphonse Munchen, ließ sich trotz ihrer Erziehung in der Klosterschule von Montigny-lès-Metz nicht davon abhalten, die neueste französische Literatur zu studieren. Anlässlich eines Besuchs bei Mathieu Lambert Schrobilgen in Echternach im Jahre 1882 schwärmte sie diesem so sehr von dem neuen Roman Alphonse Daudets vor, dass er seinen Neffen Mathieu Mullendorff bat, ihm das Buch sofort zu schicken. Hier diente Literatur ebenfalls als Verbindungsmedium, das Gleichgesinnte zu finden half.38

In manchen Häusern wurde systematisch gemeinsame Lektüre unter Frauen betrieben, so wie im Haus der Familie Servais-Simons, die im Schloss von Kürenz in der Nähe von Trier lebte. Zusammen mit der für den Unterricht der Kinder zuständigen Lehrerin, Frieda Simmes, las und besprach die Hausherrin Pauline Servais-Simons Bücher, wobei das Vorlesen auch dazu diente, die Kenntnisse von Fremdsprachen, insbesondere des Französischen, zu pflegen, wie die Lehrerin erläuterte: Sehr bald nach meinem Amtsantritt schlug Frau Servais mir vor, gemeinsam Lektüre zu betreiben. Wir wollten beginnen mit dem Vorlesen französischer Novellen und Abhandlungen, um mich im Französischen zu vervollkommnen. Ich tat das mit Freude. Sie sprach auch oft französisch mit mir, wie sie es mit ihren Kindern tat. […] Der Trieb und die Lust, durch gemeinsame Lektüre sich und andere geistig zu fördern war sehr stark in Frau Servais.39

Auch andere Mitglieder der Familie Servais verfügten über ein reiches literarisches Wissen. Caroline Servais-Wellenstein, Ehefrau von Philippe und Schwägerin von Emmanuel Servais, war sehr belesen und obendrein vielseitig interessiert. Während jener Zeit, in der sie im abgelegenen Weilerbach relativ isoliert von der gehobenen Gesellschaft lebte, hatte sie sich viel mit Literatur beschäftigt. Die Gespräche und Debatten, die sie auf leidenschaftliche Art und Weise am liebsten mit Männern führte, schilderten ihre Zuhörer als äußerst geistreich und anregend. Dreißig Jahre lang bezog sie ein Abonnement der französischen Kulturzeitschrift „Revue des Deux Mondes“, die als Wegbereiterin der neuesten französischen Literatur galt. Nachdem sie fast vollständig erblindet war, las ihre Schwiegertochter ← 373 | 374 → Pauline ihr die neuesten französischen Theaterstücke vor, so beispielsweise das 1897 uraufgeführte Schauspiel „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand.40

Neben der Lektüre schrieben Frauen der Oberschicht viel und häufig. Sie verfassten vor allem Tagebücher und Briefe, was im Tagesverlauf eine gewisse Zeit in Anspruch nahm. Von Kindheit an übten sie die Kulturtechnik des Schreibens, wie die vielen Kinderbriefe in den Nachlässen zeigen.41 Dabei wurde viel Wert auf Formvollendung und elaborierte Sprachkenntnisse, auf die Beherrschung von Rechtschreibung, Stil und Grammatik sowie einen ungekünstelten Gedankenaustausch gelegt. Briefe zu schreiben war nicht nur das einzige damals zur Verfügung stehende Kommunikationsmittel bei längerer Abwesenheit von Verwandten und Bekannten, sondern erwies sich auch als wesentliches Medium bürgerlicher Selbstdarstellung. An der ästhetischen Qualität der Briefe zeigten sich Bildung, Sprachbeherrschung, charakterliche Eigenschaften und Gefühlswelt der Briefpartnerinnen und -partner.

Das Schreiben von Briefen und Tagebüchern ging manchmal gleichsam als Fingerübung einer schriftstellerischen Tätigkeit voraus: Elise de Roebé z. B. weitete ihr Schreiben bald aus, indem sie Erzählungen und Theaterstücke sowie die Lebensgeschichten ihrer Schwester und ihres Bruders niederschrieb und diese teilweise in Zeitschriften veröffentlichte.42 Das Briefeschreiben wurde in der Luxemburger Oberschicht zum Ausdruck ihrer Selbstdarstellung. Dabei spielte auch die Wahl der Korrespondenzsprache, in der Regel das Französische, eine wichtige Rolle. Damit wurde eine Sprachbarriere aufgerichtet und der Kreis der Inkludierten gefiltert. Das Französische war die Bildungssprache der Oberschicht „par excellence“, und diente der Ausgrenzung anderer Gesellschaftsschichten. Ohne perfekte Beherrschung der französischen Sprache konnte in Luxemburg niemand zur führenden Gesellschaftsschicht gehören.

Neben der Lektüre und dem Schreiben genoss die Musik als weitere Freizeitbeschäftigung mit Bildungsanspruch ein besonderes Prestige in der Oberschicht. Die Anschaffung eines Musikinstruments, der Instrumentalunterricht sowie die Muße, sich dem Üben widmen zu können, setzten bestimmte materielle Lebensumstände ← 374 | 375 → voraus.43 Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde das Spielen eines In­strumentes zu einer Liebhaberei, die über die bloße Freizeitgestaltung hinausging und die viel Zeit erforderte; vor dem übermäßigen Musizieren wurde bald ebenso gewarnt wie vor der Lesewut. Die tägliche Hausmusik symbolisierte die Intimität und Harmonie des Familienlebens, während die Hauskonzerte die gesellschaftlichen Kontakte förderten. Zur bürgerlichen Selbstinszenierung gehörte das Spielen eines Musikinstrumentes ebenso wie das Klavier zur Standardeinrichtung des bürgerlichen Hauses; es zeigte die Beziehung der Familie zur Bildungswelt und war gleichzeitig Statussymbol.

Vor allem Mädchen lernten in teuren Musikstunden Klavier; sie waren dazu ausersehen, die geistigen Werte und den Geschmack der Familie in der Öffentlichkeit darzustellen. Um ihren Fähigkeiten entgegenzukommen, musste das Musikprogramm vereinfacht werden, so dass die bürgerliche Hausmusik Potpourris, Variationen über Opernthemen oder auch Tanz- und Unterhaltungsstücken umfasste.44 Eine Ausbildung ohne die Beherrschung eines Musikinstrumentes war undenkbar und das Scheitern daran galt als Schande, wie zahlreiche Beispiele aus Briefen und Tagebüchern zeigen. In der Familie des Bankdirektors Ernest Simons-Gillard, Sohn des Ministerpräsidenten Mathias Simons, stand die künstlerische Erziehung der Töchter an erster Stelle. Auch nach dem frühen Tod des Vaters scheute die Mutter Emilie Simons-Gillard trotz finanzieller Probleme keine Mühen, um ihren Kindern eine sorgfältige Erziehung zukommen zu lassen. Dazu gehörten Klavierstunden für die beiden Töchter Pauline und Nelly, wobei aber nur die jüngere Nelly erfolgreich war, was eine Schmach für die ältere bedeutete: Die Mutter tat alles für eine gute Erziehung der Kinder. […] Beide erhielten schon früh Klavierunterricht. Nelly hatte wohl die grössere, geeignetere Hand für das Technische des Klavierspiels, das besondere Gedächtnis für die Auffassung der Reihenfolge der Töne und Noten. Kurz um, sie überflügelte bald die ältere Schwester in der Darbietung des Spiels; diese mußte das „Unzulängliche ihres Könnens“ immer wieder hören. Sie verlor die Lust am Klavierspielen und mußte bald damit aufhören. Sie sei unmusikalisch hieß es. Diese Schlußfolgerung und Maßnahme hat Pauline nie verwinden können.45 ← 375 | 376 →

Im 19. Jahrhundert gewann die Hausmusik im Kreis der bürgerlichen Familie eine neue Qualität, und zwar im Sinne einer zunehmenden Professionalisierung. Die Musik war einer der wenigen Bereiche, in denen Mädchen in der Öffentlichkeit auftreten und sogar berufliche Perspektiven entwickeln konnten. Das Klavierspiel und der Gesang gaben ihnen die Gelegenheit, sich außerhalb des Privatraums zu produzieren und an Konzerten und Wohltätigkeitsveranstaltungen teilzunehmen. Als Beispiel kann hier Ernestine Vannerus genannt werden, die eine Gesangsausbildung erhalten hatte und häufig öffentlich auftrat. Bei einem Besuch bei ihrer Tante Léonie Le Gallais-Metz auf der Insel Jersey sang sie im Privathaus einer gewissen Lady Otway, in einem Wohltätigkeitskonzert und in den sonntäglichen Gottesdiensten in der Kathedrale, wie sie ihrer Schwester mitteilte: Tante Léonie m’a aussi emmenée à une réception du soir chez une certaine Lady Otway qui est un des personnages de l’île et une bonne musicienne par dessus le marché; et comme elle m’avait demandé de chanter chez elle je me suis exécutée! Tante ayant aussi parlé de moi, paraît-il, à l’évêque de Jersey, on m’a prié de chanter à l’église tous les Dimanches, et comme une faveur spéciale de chanter aussi à un concert de charité organisé par l’Evêque pour Mardi prochain!46

In der Villa Vauban, dem Wohnsitz der Familie de Gargan-Pescatore, war es üblich, dass die jungen Mädchen der Familie nach den Abendessen, bei denen fast immer Gäste anwesend waren, musizierten. Elise de Roebé notierte am 8. November 1880 in ihr Tagebuch: Jeudi dernier nous avons dîné le soir à la Villa pour fêter la St Charles avec Mrs d’Ormancey et Haal; les jeunes filles ont fait de la musique et la soirée s’est prolongée jusque 10 ½.47

Musikalische und literarische Aufführungen in den Häusern der Oberschicht fanden nicht nur spontan statt, wie das oben angeführte Beispiel zeigt, sondern auch in der Folge sorgfältiger Vorbereitung, so beispielsweise im Schloss der Familie Collart in Dommeldingen, wo ebenfalls Elise de Roebé, Tochter des Ministers ← 376 | 377 → Victor de Roebé, am 31. Dezember 1880 eingeladen war: Après dîné musical à Dommeldange; les artistes israëlites ont fait l’ouverture, puis Mme Collart et Melle Blanche Darode ont joué un motif de la Norma, piano et harmonium, ce qui était fort joli. Marguerite et Jeanne de Gargan ont exécuté un morceau à quatre mains et Melle Ruth a chanté fort simplement. Melle Edmine Servais a déclamé, le plus naturellement du monde, une jolie pièce de vers de sa composition. Puis enfin la jeunesse a vu combler ses désirs en entendant la mesure d’une valse!48

Neben dem Dilettantentum gab es eine weitere bürgerliche Form, sich mit Kunst zu beschäftigen, nämlich das Mäzenatentum. Voraussetzung für das Mäzenatentum in der Kunst war sehr oft eine Sammeltätigkeit, die auf Wohlstand und Bildung fußte. Das 19. Jahrhundert war die Zeit der großen Sammler, die sich Zeit ihres Lebens an ihren Sammlungen erfreuten und mit ihnen zugleich einen gehobenen Lebensstil demonstrierten. An ihrem Lebensende fassten einige von ihnen den Entschluss, ihre Sammlungen als Schenkungen an Museen oder wissenschaftliche Institute weiterzugeben.49

Auch die Wohltätigkeit war im Luxemburger Bürgertum weit verbreitet, sei es durch großzügige Spenden an das Armenbüro, sei es durch die zahlreichen Benefizveranstaltungen, die Gründung, Finanzierung und Verwaltung von Kinderkrippen, Waisenhäusern, Handwerks-, Mädchen- und Sonntagsschulen, den Bau von Sozialwohnungen oder durch Stipendien für Schüler und Studenten. Das Mäzenatentum in der Kunstszene kam allerdings seltener vor. Dies hatte wohl weniger seine Ursache im Mangel an Geld als in einem Mangel an Interesse und Kunstgeschmack. Während Musik und klassische Literatur hoch in der Gunst der Oberschicht standen, schienen Malerei und Bildhauerei dem Luxemburger Großbürger relativ fremd geblieben zu sein. Ähnlich wie in anderen Ländern gehörte beispielsweise der Besuch von Museen und Galerien nicht unbedingt zu den Gewohnheiten der Bürgerfamilien. Insgesamt spielte die bildende Kunst keine allzu große Rolle in ihrem Leben. Eine Ursache dafür lag in ihrer Geschmacksunsicherheit in Bezug auf die bildende Kunst, was dazu führte, dass vorrangig Reproduktionen „großer Meister“ an den Wänden ihrer Häuser hingen.50 Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass hauptsächlich diejenigen Luxemburger, ← 377 | 378 → die im Ausland lebten und dort Kontakte zu ausländischen Kunstmilieus pflegten, zu Sammlern und Mäzenen wurden. Im Großherzogtum selbst fanden sich verhältnismäßig wenige Kunstmäzene, wie der Schriftsteller Joseph Tockert den ungarischen, mit einer Luxemburgerin verheirateten Maler Mihály Munkacsy in einem fiktiven Gespräch mit dem Musiker Franz Liszt erzählen lässt: Es gibt Hunderte von Reichen in dieser über Nacht aufgeschossenen Oberschicht. Niemand kauft. […] Kunstmäzene gibt’s nicht. Für Weinkeller, für große Häuser mit reichlicher Dienerschaft, für prunkvolle Diners hat man’s, nicht für Gemälde! Und der Staat! Für Dungstätten, Ackerbauprämien, Fütterung einflußreicher Wähler läßt er das Geld reichlich, fürstlich strömen. Nicht für die Kunst: da sparen sie wie die Harpagons!51

Auch wenn Tockert mit seiner Einschätzung wohl nicht falsch lag, so lassen sich doch Luxemburger finden, unter ihnen auch einige Frauen, die sich als Mäzene und Stifter auszeichneten und die zeigten, dass die Begeisterung für Kunst und Kultur „ein mobilisierendes Element in der sozialkulturellen Formierung des Bürgertums“52 darstellte. Es fällt auf, dass manche Frauen während ihres Lebens oder in ihren Testamenten ihre privaten Kunstsammlungen gemeinnützigen Organisationen schenkten. Einige Beispiele können dies verdeutlichen: 1849 vermachte Frau Scheffer-Seyler, die Witwe des früheren Bürgermeisters der Stadt Luxemburg, der „Société archéologique“ eine große Sammlung Münzen und 52 Öl- und Pastellbildern. 1858 schenkte die Witwe Antoine Pescatores der gleichen Gesellschaft eine Bibliothek von 1.800 Bänden.53 Es waren also nicht nur Männer, die das Spenden privater Kunstwerke als eine patriotische Pflicht ansahen, sondern auch Frauen, die auf diese Weise zur Nationsbildung beitrugen.

Der Aufschwung des Mäzenatentums lässt sich in Luxemburg mit der außergewöhnlichen Vermehrung des Reichtums mancher Familien im 19. Jahrhundert erklären,54 so etwa die Familien Pescatore, Dutreux und Boch. Als Beispiel für die mäzenatische Tätigkeit einer Frau soll insbesondere das Wirken von Eugénie Pescatore-Dutreux (1810–1902) genannt werden, der Ehefrau von ← 378 | 379 → Joseph-Antoine Pescatore (1800–1860), einem Cousin Jean-Pierre Pescatores, dem großen Wohltäter seiner Heimatstadt. Eugénie Pescatore-Dutreux schenkte der Stadt Luxemburg ihre Sammlung und gründete eine Stiftung zur Errichtung eines Konservatoriums.55 In ihrem Testament vermachte sie der Hauptstadt ihr Haus in der rue du St. Esprit und eine Summe von 200.000 Franken, unter der Bedingung, diese für die Belange der Musik auszugeben. 1903 beschloss der Gemeinderat, dass ein Musikkonservatorium mit dem Namen „Conservatoire de Musique Eugénie Dutreux“ errichtet werden sollte. 1906 begann das Musikkonservatorium mit seinem Wirken und wurde zu einer Erfolgsgeschichte. Die Räumlichkeiten blieben bis 1984 in der rue du St. Esprit, bis die Errichtung des Neubaus in Merl abgeschlossen war und eine neue Etappe in der Musikgeschichte begann. An die große Mäzenin des Konservatoriums, Eugénie Pescatore-Dutreux, wurde nun jedoch nicht mehr erinnert.

Darüber hinaus vermachte Eugénie Pescatore-Dutreux der Stadt Luxemburg in ihrem Testament eine Sammlung, die unter anderem aus Gemälden, Skulpturen, Bücher, Münzen, Muscheln bestand. Dazu gehörten Bilder der Historienmalerei, Porträts, Skulpturen und Drucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie viele wertvolle und kuriose Gegenstände.56 Eugénie Pescatore-Dutreux hatte diese Kunstwerke in ihren Häusern in Luxemburg und in Bofferdingen ausgestellt; sie verlangte in ihrem Testament, dass diese Werke in einem nach ihr benannten Saal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten.

Auch die Erinnerung an den Familiennamen war ein wichtiges Ziel der Schenkungen. So verfügten Jean-Pierre Pescatore und Eugénie Dutreux-Pescatore in ihren Testamenten ausdrücklich, dass Kunstsammlungen, Altenheim und Musikkonservatorium mit ihren Namen verknüpft werden sollten. Mäzenatentum und wohltätige Stiftungen zeigten auch die Bereitschaft der Oberschicht, ← 379 | 380 → Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen. Diese Haltung, gehörte zu ihrem Selbstverständnis.

5.  Fazit: Frauen der Oberschicht als eine kulturelle Elite?

Die aufgeführten Beispiele sollten die Bedeutung aufzeigen, die Frauen in der kulturellen Welt der Oberschicht zukam. Mit einer Erziehung, die viel Wert auf die Vermittlung kultureller, kommunikativer und sozialer Kompetenzen sowie innerer Werte legte, schufen sich die Frauen der Oberschicht einen eigenen soziokulturellen Habitus und eine eigene Identität,57 die sich von derjenigen ihrer Männer abhob und die sich auf die Welt der Kultur bezog, insbesondere der Ästhetik und der Innerlichkeit. Sie folgten damit einem anderen Lebensprinzip als ihre Männer, die in der Regel auf Beruf und Arbeit fixiert waren. Dank ihrer Erziehung und Stellung in den Familien erreichten sie eine Schlüsselposition in Formierung und Tradierung der besonderen Kultur, die die Oberschicht des 19. Jahrhunderts auszeichnete und sie von anderen Gesellschaftsschichten abgrenzte. Außerdem erlaubte ihnen ihre Ausbildung, sich öffentliche Aktionsräume und Betätigungsfelder im Rahmen eines künstlerischen Engagements zu erschließen – in Musik, Schriftstellerei und Malerei, oder als Mitglied von karitativen Vereinen sowie Bildungs- und Fürsorgeinstitutionen.

Die Frauen repräsentierten die gesellschaftliche Stellung der Familie nach außen, so dass sie in diesem Sinne eine offiziöse Rolle spielten.58 Sie waren für die Einhaltung bürgerlicher Geselligkeitsregeln zuständig und inszenierten den sozialen und kulturellen Status der Familie. Somit entwickelten sie ihre eigenen Formen der Geselligkeit, die als „familiarisierte Öffentlichkeit“ bezeichnet werden können. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass die häusliche Geselligkeit, eben weil sie Männern und Frauen gleichermaßen offenstand, einen bürgerlichen Gegenentwurf zum Verein darstellte.59

Da die Freizeitgestaltung den Bereich darstellt, in dem sich Lebensstil und Habitus am besten ausdrücken konnten, war vor allem den Freizeitaktivitäten die Funktion der Repräsentation des gehobenen gesellschaftlichen Status und damit die Funktion der ‚Distinktion’ zugedacht. Das Lesen und Zitieren aus literarischen Werken, ein formvollendeter Schreibstil und die perfekte Kenntnis der französischen Sprache, die Ausbildung der Stimme sowie das Beherrschen eines Musikinstrumentes, bevorzugt des Klaviers, erwiesen sich als Ausweis von ← 380 | 381 → Bildung und als Medium der bürgerlichen Selbstdarstellung. Es waren die Frauen, die dazu ausersehen waren, die geistigen und kulturellen Werte sowie den Geschmack der Familie in der Öffentlichkeit zu repräsentieren. Wurde der soziale Rang einer Familie durch die berufliche Position des Mannes bestimmt, so war der kulturelle Rang hauptsächlich das Ergebnis der Leistung der Frau. Sammlertätigkeit und Mäzenatentum erhielten die Funktion, einen gehobenen Lebensstil zu verkörpern. Auch hier traten Frauen der Luxemburger Oberschicht auf, die mit ihren Schenkungen das Ziel verfolgten, Gemeinsinn zu zeigen und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.

Das Privatleben war demnach kein abgeschirmter Bereich, in dem die Familie zurückgezogen lebte, sondern die Oberschicht benutzte den familiären Raum, um sich und ihre Lebensführung symbolisch zur Schau zu stellen. Die kulturelle Betätigung und die ästhetische Bildung der Persönlichkeit gehörten zum lebensweltlichen Ensemble der Oberschicht; ihnen kam auf diese Weise eine Vorbildfunktion für andere Schichten zu. Die Frau dabei als „reizende, ungebildete, schwachsinnige Sklavin“60 zu sehen und ihre Position als „untergeordnet und unselbständig“61 sowie vollkommen abhängig von ihrem Ehemann zu definieren, trifft mitnichten ihre herausragende Stellung als Hausherrin und Kulturträgerin, in der sie sehr wohl den Gedanken einer weiblichen Elite verwirklicht sah. ← 381 | 382 →


1 Dieser Beitrag basiert auf Auszügen meiner 2011 an der Universität Trier eingereichten Dissertation, vgl. Weber, Josiane, „Familien der Oberschicht in Luxemburg (1850–1900): Elitenbildung und Lebenswelten 1850–1900, Luxemburg 2013.

2 Wehler, Hans-Ulrich, Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges: 1849–1914, München 1995, S. 716.

3 Vgl. Hofmann, Hans Hubert / Franz, Günther, Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit: eine Zwischenbilanz (Büdinger Vorträge 1978; Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit, 12), Boppard am Rhein 1980, S. 168.

4 So wird beispielsweise das familiäre Umfeld der englischen Unternehmer bei Berghoff, der französischen Unternehmer des Nordens bei Barbier, der deutschen Bankiers bei Reitmayer, der französischen Geschäftsleute, hohen Staatsbeamten und Intellektuellen bei Charle analysiert. Vgl. Berghoff, Hartmut, Englische Unternehmer 1870–1914: eine Kollektivbiographie führender Wirtschaftbürger in Birmingham, Bristol und Manchester, Göttingen 1991, S. 129–145; Barbier, Frédéric, Le patronat du Nord sous le Second empire. Une approche prosopographique (Publications de l’Ecole Pratique des Hautes Etudes), Genf 1989; Reitmayer, Morten, Bankiers im Kaiserreich. Sozialprofil und Habitus der deutschen Hochfinanz, Göttingen 1999, S. 225–272; Charle, Christophe, Les élites de la république (1880–1900), 2. durchges., berichtigte und erweit. Aufl., Paris 2006 (19821), S. 265–366.

5 Hofmann / Franz, Führungsschichten (Anm. 3), S. 168.

6 Vgl. Vogel, Barbara, Eliten – ein Thema der Frauenforschung?, in: Schulz, Günther (Hg.), Frauen auf dem Weg zur Elite (Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte; Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit, 23), München 2000, S. 15–40, bes. S. 37.

7 Vgl. Döcker, Ulrike, Die Ordnung der bürgerlichen Welt. Verhaltensideale und soziale Praktiken im 19. Jahrhundert (Historische Studien, 13), Frankfurt 1994, S. 16–18; Mettele, Gisela, Der private Raum als öffentlicher Ort. Geselligkeit im bürgerlichen Haus, in: Hein, Dieter / Schulz, Andreas (Hg.), Bürgerkultur im 19. Jahrhundert. Bildung, Kunst und Lebenswelt, München 1996, S. 155–169, bes. S. 162.

8 Vgl. Vogel, Eliten (Anm. 6), S. 38.

9 Pierre Bourdieus Habitus- und Kapitaltheorie eignet sich vorzüglich zur Elitenerforschung. Laut Bourdieu sind das Handeln und die Position der Akteure in der sozialen Welt abhängig vom Habitus sowie von den ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitalressourcen, die sie zur Verfügung haben. Bourdieu definiert eine soziale Klasse durch ihre objektiven, also ihre ökonomischen, kulturellen und sozialen Lebensbedingungen, durch ihre Habitusform in ästhetischer, kognitiver und normativer Hinsicht und durch ihre symbolische Lebensführung, die sich in einem distinktiven Lebensstil verkörpert. Die „Distinktion“ entsteht aus der Differenz zu den Lebensstilen der übrigen Klassen. Die „feinen Unterschiede“ führen dazu, dass eine Klasse symbolische Macht ausübt, und zwar dadurch, dass sie in der Lage ist, sich Anerkennung zu verschaffen und ihre Herrschaft zu legitimieren. Vgl. Bourdieu, Pierre, Die feinen Unterschiede: Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Frankfurt 31989 (11982), S. 137 und 585.

10 Vgl. Frevert, Ute, Kulturfrauen und Geschäftsmänner. Soziale Identitäten im deutschen Bürgertum des 19. Jahrhunderts, in: Dies. (Hg.), „Mann und Weib, und Weib und Mann“: Geschlechter-Differenzen in der Moderne, München 1995, S. 133–165.

11 Dabei ist der Begriff der Kultur vielschichtig und vieldeutig. Er umfasst sowohl ideelle und institutionelle Traditionen als auch Werte, Praktiken und Einstellungen, mit denen die Welt in kognitiver und affektiver Hinsicht erklärbar wird und mit deren Hilfe Kommunikation stattfindet. Zum einen gehört der Umgang mit Kunst und Bildungsgütern dazu, zum zweiten schließt er bestimmte Werte und Regelsysteme ein, die der Lebensstrukturierung dienen, und zum dritten enthält er den Bereich, der sich auf die kulturelle Alltagspraxis bezieht, also auf den Lebensstil und die Verhaltensnormen. Vgl. dazu Tenbruck, Friedrich H., Bürgerliche Kultur, in: Neidhardt, Friedhelm / König, René (Hg.), Kultur und Gesellschaft, Opladen 1986, S. 263–285, hier S. 277–279; Bausinger, Hermann, Bürgerlichkeit und Kultur, in: Kocka, Jürgen (Hg.), Bürger und Bürgerlichkeit im 19. Jahrhundert, Göttingen 1987, S. 121–142, hier S. 121f.; Kaschuba, Wolfgang, Deutsche Bürgerlichkeit nach 1800. Kultur als symbolische Praxis, in: Kocka, Jürgen (Hg.), Bürgertum im 19. Jahrhundert. Bd. 1, München 1988, S. 12–19; Hettling, Manfred, Bürgerliche Kultur – Bürgerlichkeit als kulturelles System, in: Lundgreen, Peter (Hg.), Sozial- und Kulturgeschichte des Bürgertums. Eine Bilanz des Bielefelder Sonderforschungsbereichs (1986–1997), Göttingen 2000, S. 319–324.

12 Vgl. Weber, Josiane, L’éducation et l’instruction des jeunes filles de la bourgeoisie luxembourgeoise dans la 2e moitié du 19e siècle d’après les témoignages de Marie et Elise de Roebé et de Thérèse et Clara Buschmann, in: Goetzinger, Germaine / Lorang, Antoinette / Wagener, Renée (Hg.), „Wenn nun wir Frauen auch das Wort ergreifen …“: 1880–1950: Frauen in Luxemburg = femmes au Luxembourg (Publications nationales du Ministère de la culture), Luxemburg 1997, S. 9–25.

13 Zum Folgenden vgl. Bricard, Isabelle, Saintes ou pouliches. L’éducation des jeunes filles au XIXe siècle, Paris 1986, S. 92–127.

14 Vgl. Kaschuba, Bürgerlichkeit (Anm. 11), S. 17–19.

15 Hausen, Karin, Frauenräume, in: Dies. / Wunder, Heide (Hg.), Frauengeschichte – Geschlechtergeschichte. Frankfurt, New York 1992, S. 21–24, bes. S. 23. Vgl. auch Sobania, Michael, Vereinsleben. Regeln und Formen bürgerlicher Assoziationen im 19. Jahrhundert, in: Hein / Schulz (Hg.), Bürgerkultur (Anm. 7), S. 170–190; Opitz, Claudia, Um-Ordnungen der Geschlechter. Einführung in die Geschlechtergeschichte, Tübingen 2005, S. 156–180.

16 Vgl. Habermas, Rebekka, Frauen und Männer des Bürgertums: eine Familiengeschichte (1750–1850), Göttingen 2000, S. 199f. und 222–225.

17 Vgl. Schulz, Andreas, Der Künstler im Bürger. Dilettanten im 19. Jahrhundert, in: Hein / Schulz (Hg.), Bürgerkultur (Anm. 7), S. 34–52, bes. S. 43; Mohrmann, Ruth E., Individuelle Gestaltung im Privaten: Häusliches Leben, in: Dülmen, Richard van (Hg.), Entdeckung des Ich: die Geschichte der Individualisierung vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Köln etc. 2001, S. 393–406.

18 Vgl. Sobania, Vereinsleben (Anm. 15), S. 188.

19 Brief vom 3.2.1873 von Caroline Jacquinot-Collart an ihren Sohn Charles, abgedruckt in: Jacquinot, Auguste, Allo! Allo! Grand-père vous parle. Souvenirs d’un monde disparu, Paris 1950, S. 187.

20 Brief vom 14.1.1899 von Marie de Roebé an ihre Tante Elise, Nachlass de Roebé, CNL, L-0045.

21 Vgl. Budde, Gunilla-Friederike, Bürgerinnen in der Bürgergesellschaft, in: Lundgreen, Peter (Hg.), Sozial- und Kulturgeschichte des Bürgertums. Eine Bilanz des Bielefelder Sonderforschungsbereichs (1986–1997), Göttingen 2000, S. 249–271, bes. S. 262f.

22 Brief vom 29.12.[1868] von Marie de Roebé an Thérèse Buschmann, Nachlass Buschmann, Privatbesitz. Mit der Familie des Papierfabrikanten Jules Lamort waren die de Roebés eng befreundet, ebenso wie mit Caroline André-Servais, Schwester des Staatsministers Emmanuel Servais. Lucien Richard war Abgeordneter und Direktor der Steuerverwaltung; er war der Cousin von Emmanuel, Pauline und Caroline Servais. Die Familie des Gerbereibesitzers Gillard-Servais stammte aus Sierck. Pauline Gillard-Servais war eine Schwester von Emmanuel Servais.

23 Brief vom 9.1.1870 von Marie de Roebé an Thérèse Buschmann, Nachlass Buschmann, Privatbesitz. Die Gästeliste setzte sich zusammen aus dem Staatsminister Emmanuel Servais und dem Minister Edouard Thilges; mit Herrn Dutreux kann entweder der Generaleinnehmer Auguste Dutreux (1808–1890) oder sein Sohn, der Architekt Tony Dutreux (1838–1933), gemeint sein. Die Familie Dutreux gehörte zu den wohlhabendsten und angesehensten Luxemburgs. Die Mutter Auguste Dutreux’ war die Schwester des Porzellanfabrikanten Jean-François Boch; seine Frau war Elisabeth Pescatore, Tochter des Pariser Bankiers Constantin-Joseph-Antoine Pescatore. Sein Sohn Tony Dutreux heiratete 1868 die Kölner Bankierstochter Emma Deichmann. Vgl. Wehenkel, Antoine, Chronique de la famille Pescatore: une histoire généalogique et culturelle: ses liens avec les familles Beving, Boch, Dutreux, de Gargan, de Scherff (Association luxembourgeoise de généalogie et d’héraldique), Luxemburg 2002, S. 212–220.

24 Vgl. Döcker, Ordnung (Anm. 7), S. 16.

25 Elise de Roebé, Tagebucheintrag vom 29.7.1880. Nachlass de Roebé, CNL, L-0045.

26 Vgl. Briefe vom 2.3.1884 und vom 6.3.1884 von Théodore de Roebé an seine Mutter. Nachlass de Roebé, CNL, L-0045. Das Menu bestand aus 10 Gängen: Potage tapiocca, Bouchées à la reine, Filet sauce madère avec chicorée pommes de terre roties, Pieds truffés aux petits pois, Bécasses en canapé, Champignons à la crème, Pintades – salades, Pâté de foie gras, Poudding de cabinet, Dessert.

27 Vgl. Becher, Ursula, Geschichte des modernen Lebensstils: Essen – Wohnen – Freizeit – Reisen, München 1990, S. 153–156; Döcker, Ulrike, Bürgerlichkeit und Kultur – Bürgerlichkeit als Kultur. Eine Einführung, in: Bruckmüller, Ernst (Hg.), Bürgertum in der Habsburgermonarchie, Wien/Köln 1990, S. 95–104, bes. S. 98.

28 Vgl. Hettling, Bürgerliche Kultur (Anm. 11), S. 329–332.

29 Vgl. Schulz, Andreas, Lebenswelt und Kultur des Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 75), München 2005, S. 19f.

30 Vgl. Weber, Éducation (Anm. 12), S. 31f.

31 Vgl. Anderson, Bonnie S. / Zinsser, Judith P., Eine eigene Geschichte. Frauen in Europa, Bd. 2: Aufbruch. Vom Absolutismus zur Gegenwart, Zürich 1993, S. 171.

32 Brief vom 8.8.1871 von Thérèse Boppe-Lamort an Elise de Roebé, Nachlass de Roebé, CNL, L-0045.

33 Elise de Roebé, Tagebuch. Eintragung vom 17.8.1871, Nachlass de Roebé, CNL, L-0045.

34 Die Rechnung vom 30. Juni 1885 belief sich auf 30,60 Franken für Bücher, Nachlass de Roebé, CNL, L-0045.

35 Vgl. Elise de Roebé, Mémoire de famille. Eintragung vom 20.2.1880, Nachlass de Roebé, CNL, L-0045.

36 Vgl. Weber, Josiane, La vie d’une jeune femme entre Bruxelles et Luxembourg à la fin du 19e siècle: le journal intime d’Ernestine Mayrisch-Vannerus (1865–1896), in: Hémecht 57/3 (2005), S. 349–381.

37 Vgl. Budde, Gunilla-Friederike, Auf dem Weg ins Bürgerleben. Kindheit und Erziehung in deutschen und englischen Bürgerfamilien 1840–1914, Göttingen 1994, S. 126. Ernestine las Werke von Alfred de Musset, Victor Hugo, Alphonse de Lamartine, François de La Rochefoucauld, Blaise Pascal, Pierre Loti, Victor Cherbuliez und Arsène Houssaye, aber auch von Schiller und Shakespeare. Vgl. Weber, La vie (Anm. 36).

38 Vgl. Engel, Marcel, Pour une petite histoire familière des luxembourgeois, in: Les Cahiers Luxembourgeois 1952, Weihnachtsausgabe, S. 157–161, bes. S. 158; Budde, Bürgerleben (Anm. 37), S. 127.

39 Simmes, Frieda, Pauline Servais-Simons: Ein Lebensbild, 1952, S. 8f., Familienarchiv Servais.

40 Vgl. Holzberger, Hiltrud, Die luxemburgische Unternehmerfamilie Servais in Ehrang und Kürenz I, in: Neues Trierisches Jahrbuch 42 (2002), S. 69–87, bes. S. 72 und 80f.; Dies., Die luxemburgische Unternehmerfamilie Servais in Ehrang und Kürenz II, in: Neues Trierisches Jahrbuch, Sonderdruck (2003), S. 107–140, bes. S. 121f.

41 So enthält der Nachlass der Familie de la Fontaine (CNL, L-0051) etliche Kinderbriefe, z. B. von Edmond de la Fontaine (Dicks). Auch in anderen Nachlässen, wie denen der Familie de Roebé und Buschmann, sind viele Kinderbriefe vorhanden.

42 Vgl. Nachlass de Roebé, CNL, L-0045.

43 Vgl. Schulz, Künstler (Anm. 17), S. 34–52, bes. S. 41f.

44 Vgl. Fellerer, Karl Gustav, Musik und Musikleben im 19. Jahrhundert (Studien zur Musik des 19. Jahrhunderts, 1), Regensburg 1984, S. 18f.; Becher, Lebensstil (Anm. 27), S. 164–167; Budde, Bürgerleben (Anm. 37), S. 136–141; Schulz, Lebenswelt (Anm. 29), S. 20f.

45 Simmes, Frieda: Pauline Servais-Simons. Ein Lebensbild, 1952, S. 2–4, Familienarchiv Servais.

46 Brief vom 31.8.[1891] von Ernestine Vannerus an ihren Onkel Henri Vannerus, ANLux, FD 100/72. Léonie Le Gallais-Metz (1836–1909) war die Tochter von Auguste Metz-Vannerus; sie hatte den Ingenieur Edmond Le Gallais (1814–1873) geheiratet, der von der Insel Jersey stammte und der 1856 mit dem Eisenbahnbau nach Luxemburg gekommen war. Die Familie Le Gallais-Metz lebte im Schloss von Eich-Septfontaines und besaß eine Zweitresidenz mit einem Weingut in Kanzem an der Saar sowie ein Gut auf der Insel Jersey. Sie hatte fünf Kinder: Norbert, Walter, Marc, Edmée (Missy) und Daisy, mit denen Ernestine Vannerus in engem Kontakt stand. Vgl. Weber, La vie (Anm. 36).

47 Elise de Roebé, Tagebuch. Eintragung vom 8.11.1880, Nachlass de Roebé, CNL, L-0045. Die Herren d’Ormancey und Haal waren beide Geistliche.

48 Elise de Roebé, Tagebuch. Eintragung vom 31.12.1880, Nachlass de Roebé, CNL, L-0045.

49 Vgl. Becher, Lebensstil (Anm. 27), S. 138; Klötzer, Wolfgang, Über das Stiften, in: Kirchgässner, Bernhard / Becht, Hans-Peter, Stadt und Mäzenatentum (33. Arbeitstagung des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung 1994), Sigmaringen 1997, S. 15–30, bes. S. 27.

50 Vgl. Budde, Bürgerleben (Anm. 37), S. 144f.

51 Tockert, Joseph, Am Völkerweg: kulturhistorische Erzählungen aus Luxemburgs Vergangenheit, Bd. 2, Luxemburg 1945, S. 161f.

52 Schulz, Künstler (Anm. 17), S. 43.

53 Vgl. Goedert, Joseph, De la Société archéologique à la Section historique de l’Institut grand-ducal: tendances, méthodes et résultats du travail historique de 1845 à 1985 (Publications de la Section historique de l’Institut grand-ducal de Luxembourg, 101), Luxemburg 1987, S. 79 und 97.

54 Vgl. Hein, Dieter, Kunst, Museen und Bürgertum. Ein Beziehungsgeflecht im Umbruch, in: Plumpe, Werner / Leszenski, Jörg (Hg.), Bürgertum und Bürgerlichkeit zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus, Mainz 2009, S. 157–161.

55 Vgl. Wehenkel, Pescatore (Anm. 23), S. 215 und 303; Jourdain, Guy, Histoire du conservatoire 1906–2006, in: 100e Anniversaire Conservatoire de musique de la Ville de Luxemburg, Luxembourg 2006, S. 32–39; Maringer, Eva, La provenance des collections [Zur Provenienz der Kunstsammlungen], in: Villa Vauban, Musée d’Art de la Ville de Luxembourg. Collection, histoire, Architecture, Luxembourg 2010, S. 18–21 [S. 102–104]. Zu Frauen als Stifterinnen vgl. Klein, Manuela, Frauen aus dem Hamburger Bürgertum gestalten das Leben der Stadt. Stiftungen und Mäzenatentum im 19. und frühen 20. Jahrhundert, in: Hein / Schulz (Hg.), Bürgerkultur (Anm. 7), S. 165–174.

56 Vgl. Maringer, Provenance (Anm. 55), S. 104. Ein Teil der Sammlung stammte wahrscheinlich aus dem früheren Besitz des Grafen Lambert-Joseph von Marchant und Ansemburg.

57 Vgl. Frevert, Kulturfrauen (Anm. 10), S. 133–165.

58 Vgl. Mettele, Der private Raum (Anm. 7), S. 155f. und 162.

59 Vgl. Habermas, Frauen und Männer (Anm. 16), S. 257.

60 Hobsbawm, Eric J., Die Blütezeit des Kapitals. Eine Kulturgeschichte der Jahre 1848–1875, Frankfurt 1980, S. 297.

61 Rosenbaum, Heidi, Formen der Familie. Untersuchungen zum Zusammenhang von Familienverhältnissen, Sozialstruktur und sozialem Wandel in der deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, Frankfurt 61993 (11982), S. 346.