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Bühne und Bürgertum

Das Hamburger Stadttheater (1770–1850)

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Bernhard Jahn and Claudia Maurer Zenck

Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinär ausgerichteten Tagung, die im März 2015 in Hamburg stattfand und das Hamburger Stadttheater (1770–1850) zum Thema hatte. Im Mittelpunkt der ersten Sektion steht die Frage nach dem spezifischen Profil des Hamburger Stadttheaters, die durch Vergleiche mit anderen Stadt- und Hoftheatern der Zeit perspektiviert wird. Aspekte der Spielplangestaltung, der Repertoirebildung und der dabei verwendeten Gattungen des Sprech- und Musiktheaters bilden das Thema der zweiten Sektion. Die Beiträge des dritten Teils widmen sich den Akteuren des Hamburger Theaters sowie den Austauschprozessen zwischen Bühne, Theaterpublikum und Presse. Die vierte Sektion beschäftigt sich mit der Kanonbildung am Beispiel von Shakespeare-, Lessing- und Beaumarchais-Aufführungen.

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Musiktheater für das Bürgertum? Zum Profil des Leipziger Theaters zwischen 1770 und 1800

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Die bürgerlich geprägte Messestadt Leipzig, die Stadt des Buchhandels und Buchdrucks, eines der großen und bedeutenden Wirtschaftszentren in der Frühen Neuzeit, ist auch diejenige Stadt, die mit der frühen deutschen Dialogoper aufs Engste verbunden ist. In Leipzig wurden die meisten Singspiele Johann Adam Hillers uraufgeführt und im Klavierauszug beim Breitkopf-Verlag gedruckt, genannt seien exemplarisch Lottchen am Hofe (1767) und Die Liebe auf dem Lande (1768). Leipzig ist darüber hinaus diejenige Stadt, in der in den 1780er und 1790er Jahren viele italienische Opere buffe präsentiert wurden und das deutsche Schauspiel eine Blüte erlebte – Lessings Emilia Galotti, Miß Sara Sampson und Minna von Barnhelm, Goethes Clavigo, Shakespeares Hamlet, Romeo und Julia und Macbeth, Schillers Kabale und Liebe und Die Verschwörung des Fiesko von Genua fanden hier auf die Bühne.1

Zentrum all dessen war das 1766 errichtete, auf Betreiben bürgerlicher Geldgeber gebaute Theater auf der Ranstädter Bastei, das der Kaufmann Gottlieb Benedict Zehmisch zusammen mit anderen vermögenden Bürgern vom Architekten Georg Rudolf Fäsch erbauen ließ (Abb. 1). Das Leipziger Theater gilt daher in der Forschung als ein Theater vom und für das Leipziger Bürgertum, als eine rein bürgerlich-kommerzielle Institution, in dem allein die Bürger, Studenten und Messegäste über die Aufnahme der Stücke und das Repertoire bestimmten.2 Meine These ist indessen, dass beinahe das Gegenteil der Fall war: Es kristallisiert sich heraus, dass das Leipziger Haus stark vom...

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