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Boccaccios «De mulieribus claris»

Einführung und Handbuch

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Heinz Willi Wittschier

Dieses Handbuch untersucht Boccaccios «De mulieribus claris» umfassend und kann so zeigen, dass sich das Werk über 106 besondere Frauen als «präfeministisch» erweist. Die unterstellte Misogynie Boccaccios ist einer Unkenntnis des lateinischen Originals oder eklektizistischem Umgang mit bloßen Fragmenten geschuldet. Umfassende Analysen von Übersetzungen und Forschungen erhellen jenen Irrtum: Boccaccio hatte, anders als Petrarca, ein bipolares Verständnis vom Menschen und setzte das Weltbild Plutarchs als gemeinsames Agieren von Männern und Frauen humanistisch fort. Vergleichende Blicke auf Christine de Pizans «Cité des Dames» zeigen, dass ein nur von und für Frauen vertretener Feminismus kein ausgewogenes Begreifen der Welt ermöglicht.

Das Handbuch schließt mit einer kommentierten Bibliographie zu Werk, Autor und angrenzenden Themenkreisen.

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3. Dritte Annäherung an De mulieribus claris: Vier ‘Frauenentwürfe’ auf dem textanalytischen Prüfstand. Vergleiche mit Boccaccios anderen Werken. Exkurse zu entsprechenden Darstellungen in den europäischen Literaturen

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Um mit Boccaccios innovativem ‘Frauenhandbuch’ selbst vertraut zu werden, blicken wir nun auf einige wenige abgeschlossene Werkteile. Wir fokussieren vier markante Darstellungen (= Kapitel) weiblicher Gestalten aus unterschiedlichen Epochen oder Kulturbereichen. Dabei soll gerade auch die Art der jeweiligen literarischen Präsentation sichtbar gemacht werden. Denn Schriftsteller artikulieren Inhalte von Texten und damit auch die eigene Persönlichkeit immer wieder durch eine besondere künstlerische Schreibtechnik und ihren Stil. Für Literatur gilt also: Die wahre bzw. vollständige Aussage eines Textes ergibt sich (auch) aus seiner intentionalen ästhetischen Formung.

Im Anschluss an die Analyse der ausgewählten Viten von DMC schauen wir uns Passagen aus anderen Werken Boccaccios an, in denen er dieselben Frauen erwähnt. Dabei werden wir überprüfen, ob sich seine weiblichen Projektionen konzeptionell bestätigen oder gar ergänzen lassen.

Abrunden wollen wir die vier Porträtuntersuchungen dann mit kurzen zwar, aber doch aufschlussreichen Beispielen aus der späteren (z. T. auch modernen) Rezeptionsgeschichte jener Stoffe, in welche man die vorgestellten weiblichen Gestalten eingebunden hat. So wird an der Beitragsleistung Boccaccios zur Gattung Frauenbiographie Grundlegendes und Kennzeichnendes deutlich werden. Denn unser Autor verfasste ja als erster romanischer Literat ein Buch nur über Frauen, und genau das regte nach ihm andere Schreibende zu weiteren Verarbeitungen von femininen Schicksalen oder Erfolgsgeschichten an.←125 | 126→

3.1 Die ‘außergewöhnlich schöne’ Eva: „hanc arbitrari possumus corporea formositate mirabilem“. Boccaccios relativ unbelastetes Verständnis von einer standardisierten ‘Figur’ der Weltkultur. Bibel,...

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