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Boccaccios «De mulieribus claris»

Einführung und Handbuch

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Heinz Willi Wittschier

Dieses Handbuch untersucht Boccaccios «De mulieribus claris» umfassend und kann so zeigen, dass sich das Werk über 106 besondere Frauen als «präfeministisch» erweist. Die unterstellte Misogynie Boccaccios ist einer Unkenntnis des lateinischen Originals oder eklektizistischem Umgang mit bloßen Fragmenten geschuldet. Umfassende Analysen von Übersetzungen und Forschungen erhellen jenen Irrtum: Boccaccio hatte, anders als Petrarca, ein bipolares Verständnis vom Menschen und setzte das Weltbild Plutarchs als gemeinsames Agieren von Männern und Frauen humanistisch fort. Vergleichende Blicke auf Christine de Pizans «Cité des Dames» zeigen, dass ein nur von und für Frauen vertretener Feminismus kein ausgewogenes Begreifen der Welt ermöglicht.

Das Handbuch schließt mit einer kommentierten Bibliographie zu Werk, Autor und angrenzenden Themenkreisen.

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6.2.3 Die erste vollständige Übersetzung in englischer Sprache von Guido A. Guarino: ‘Concerning Famous Women’ (Rutgers University NJ 11963, NY 22011). „The eternal question of what a translation should be“. Die beispiellos charakterstarke …

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6.2.3 Die erste vollständige Übersetzung in englischer Sprache von Guido A. Guarino: ‘Concerning Famous Women’ (Rutgers University NJ 11963, NY 22011). „The eternal question of what a translation should be“. Die beispiellos charakterstarke Prostituierte Leena („Etsi minus fuerit pudica, bona tamen“): Eine ‘femina’ wird zur ‘mulier clara’. Dido: konsequent bis in den Tod („In finem usque servandus est amor“). Boccaccio gesteht, über die für sein Unternehmen gesteckten Grenzen ‘hinausgeschossen’ zu sein und bittet um Nachsicht.

Im europäischen Bereich der Anglophonie wurden Übersetzungsanstrengungen zu DMC schon sehr früh unternommen, wie wir sahen: Dass es sich dabei nicht um vollständig zu Ende geführte Projekte handelte, ist nicht negativ zu sehen; denn zunächst ging es den ‘Urhebern’ um die in einem anderen Land und Sprachgebiet grundsätzlich zu weckende Aufmerksamkeit für dieses Werk des ‘Italieners’ Giovanni Boccaccio! Und außerdem verfolgten beide – zuerst ein Dichter und dann der Prosaübersetzer – ganz spezielle, jeweils verschiedene Zielsetzungen.

Das erste englische ‘Echo’, die frühe poetische Teilübertragung (vgl. Kap. 6.2.1), darf man auf jeden Fall als eine Wertschätzung des gelehrten Autors und seines Buches über berühmte Frauen ansehen, während die ein begrenztes fachliches Können manifestierende Iniziative von Henry Parker heute in keinem guten Licht←272 | 273→ erscheint, obwohl oder weil sein Übersetzungsertrag einem ‘besonderen’ König vorgelegt wurde (vgl. Kap. 6.2.2).

Erst 1963 (und 2001) – also nach über 400 Jahren – entstanden zwei ganzheitliche, von einander unabhängige...

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