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Medizin im Konzentrationslager Flossenbürg 1938 bis 1945

Biografische Annäherungen an Täter, Opfer und Tatbestände

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Jessica Tannenbaum

Die Quellenstudie liefert einen Beitrag zur Medizingeschichte des KZ Flossenbürg. Durch die über 1945 hinausgehende Perspektive kann die Autorin in Übereinstimmung mit der aktuellen Täterforschung deutlich machen, wie Justiz und Standesvertretungen in der Nachkriegszeit mit den ärztlichen Tätern umgingen. Da das KZ Flossenbürg im Nürnberger Ärzteprozess keine Rolle spielte, hat dies die Einschätzung der medizinischen NS-Verbrechen an diesem Ort grundsätzlich verzerrt. Die Autorin zeigt, wie die Lagerärzte durch ein Netzwerk miteinander verknüpft waren und sich gegenseitig hilfreiche Dokumente sowohl während des 2. Weltkrieges als auch danach ausstellten. Am Sonderfall des Chirurgen H. Schmitz stellt sie dar, wie viele SS-Ärzte sich den juristischen Konsequenzen in Bezug auf das Lager Flossenbürg entziehen konnten.

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1. Einleitung

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1. Einleitung

Abriss der Geschichte des Lagers Flossenbürg

Der Bau des Konzentrationslagers Flossenbürg wurde im Frühling 1938 beschlossen und am 3. Mai 1938 trafen die ersten Gefangenen ein. Diese wurden aus Dachau in die Oberpfalz deportiert, um das neue Lager aufzubauen. Grund für die Wahl des Standortes war der nahe gelegene Steinbruch, in dem grauer Granit für die großen Bauvorhaben des Reichs gebrochen werden sollte. Flossenbürg gehörte damit zu den Lagern der Zweiten Generation wie Mauthausen oder Sachsenhausen, die weniger der Inhaftierung von Regimegegnern dienten, sondern wo die Arbeitskraft der Gefangenen ausgenutzt werden sollte. Neben Flossenbürg wurden auch die Lager Mauthausen, Natzweiler-Struthof und Groß-Rosen errichtet, um die Gefangenen bei der Schwerstarbeit in einem Steinbruch auszubeuten.

Die ersten Gefangenen gehörten zu den nationalsozialistischen Häftlingskategorien der „Berufsverbrecher“ und der „Asozialen“. Die „Berufsverbrecher“ oder „BVer“ wurden im Lagerjargon auch „Grünwinkel“ oder „die Grünen“ genannt. Es handelte sich hierbei um verurteilte Männer, die nach Beendigung ihrer Gefängnisstrafe nicht freikamen, sondern zur „Polizeilichen Vorbeugungshaft“ in ein Konzentrationslager eingewiesen wurden.1 Aus dieser Gruppe rekrutierte sich für die gesamte Zeit des Bestehens des Lagers Flossenbürg der Teil der Gefangenen, der bestimmte Aufgaben in der inneren Organisation des Lagers übernahm, wie etwa die Aufsicht in einer Baracke oder Vorarbeiter im Steinbruch und damit die „Häftlingsselbstverwaltung“ stellte. Sie wurden „Kapos“ genannt, der neutralere und heute von Historikern gebrauchte Terminus ist „Funktionshäftling“. Die „Berufsverbrecher...

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