Show Less
Restricted access

Medizin im Konzentrationslager Flossenbürg 1938 bis 1945

Biografische Annäherungen an Täter, Opfer und Tatbestände

Series:

Jessica Tannenbaum

Die Quellenstudie liefert einen Beitrag zur Medizingeschichte des KZ Flossenbürg. Durch die über 1945 hinausgehende Perspektive kann die Autorin in Übereinstimmung mit der aktuellen Täterforschung deutlich machen, wie Justiz und Standesvertretungen in der Nachkriegszeit mit den ärztlichen Tätern umgingen. Da das KZ Flossenbürg im Nürnberger Ärzteprozess keine Rolle spielte, hat dies die Einschätzung der medizinischen NS-Verbrechen an diesem Ort grundsätzlich verzerrt. Die Autorin zeigt, wie die Lagerärzte durch ein Netzwerk miteinander verknüpft waren und sich gegenseitig hilfreiche Dokumente sowohl während des 2. Weltkrieges als auch danach ausstellten. Am Sonderfall des Chirurgen H. Schmitz stellt sie dar, wie viele SS-Ärzte sich den juristischen Konsequenzen in Bezug auf das Lager Flossenbürg entziehen konnten.

Show Summary Details
Restricted access

6. Schlussbetrachtung und Ausblick

Extract

6. Schlussbetrachtung und Ausblick

Für die vorliegende Arbeit wurden die Viten von 29 Männern rekonstruiert, die, mit einer Ausnahme, alle Mitglieder der Waffen-SS im Konzentrationslager Flossenbürg gewesen waren. In diesem Lager und den dazu gehörigen fast 90 Außenlagern sind nachweislich mindestens 30.000 Menschen umgekommen. Die Gefangenen, die das Kriegsende er- und überlebten, waren oft für ihr Leben gezeichnet – durch körperliche Narben, bleibende Erkrankungen, aber auch durch seelische Verletzungen.

Durch eine Quellenstudie wurden die biographischen Eckdaten, wenn möglich, für das gesamte Leben jedes Arztes rekonstruiert. Das Augenmerk richtete sich hierbei auf drei Fragen: Erstens, wann war der Betroffene als Arzt, Zahnarzt oder Dentist im KZ Flossenbürg stationiert? Zweitens, hat er sich dort an Medizinverbrechen beteiligt und wenn ja, an welchen und in welchem Ausmaß? Drittens, wurde der Betroffene nach 1945 juristisch zur Rechenschaft gezogen?

Es konnte festgestellt werden, dass von den 29 Männern zwei den ehemaligen Gefangenen relativ positiv in Erinnerung geblieben sind (Baader und Adam). Gegen diese wurden zwar Ermittlungs- bzw. Strafverfahren geführt, aber ohne Strafe eingestellt. Drei der hier vorgestellten Ärzte wurden von alliierten Militärgerichten für schuldig befunden und hingerichtet (Schmitz, Schiedlausky für seine Taten in Ravensbrück, Wolter für seine Taten in Mauthausen). Vier andere Ärzte wurden von alliierten Militärgerichten bzw. westdeutschen Gerichten zu Freiheitsstrafen verurteilt (Fischer, Geiger, Hellinger und Weck). Zu weiteren Strafverfahren kam es nicht.

Sechs der hier behandelten Ärzte haben...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.