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«Futura contingentia, necessitas per accidens» und Prädestination in Byzanz und in der Scholastik

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Stamatios Gerogiorgakis

Die Studie stellt einen direkten Vergleich zwischen der Scholastik und der byzantinischen Philosophie und Theologie dar. Sie stellt Lehren der Philosophie und Theologie des Hoch- und Spätmittelalters einander gegenüber und bespricht diese in kritischer, jedenfalls nicht in doxographischer Hinsicht.

Die Zeitlogik hat ihren Ursprung in der Antike. In der Spätantike und insbesondere im Mittelalter erlangten ihre Resultate auch eine theologische und politische Brisanz. Das Studium der Semantik von Sätzen über Zukunftsereignisse, die eintreten oder auch ausbleiben können, sowie das Studium der Semantik von Sätzen über Vergangenheitsereignisse lehren uns Einiges über Zukunftserwartungen. Zusätzlich ist der Vergleich lateinischer und griechischer mittelalterlicher Quellen zur Zeitlogik bezeichnend für die Reichweite der philosophischen Reflektion in der mittelalterlichen Weltanschauung.

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10. Schlussfolgerungen aus den Lehren über die Zukunft

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Beide theologischen Traditionen, die byzantinische wie die scholastische, sind selbst in Fällen kompatibel, in denen sich ihre Terminologien unterscheiden. Wenn im Osten von der Unbestimmtheit der Todesstunde die Rede ist, dann ist das im westlichen Sinne dem gleichzusetzen, dass die reprobatio (die Todesstunde ist als Strafe ein Teil davon) von Gott nicht gewollt ist.

Nicht nur sind die Traditionen vergleichbar, sondern sie haben zum Teil äquivalente Positionen hervorgebracht. Wie in Byzanz so wurde auch vom Thomismus die These propagiert, dass die Todesstunde (eigentlich das Böse insgesamt, wie die Thomisten meinten) nicht vorherbestimmt ist. Die „Äquivalenz“ zweier Thesen ist natürlich eine starke Behauptung und es gibt im Umgang mit Originaltexten immer wieder hermeneutische Schwierigkeiten. Es ist nicht einmal klar, ob der Thomismus konsequenterweise zugunsten obiger These argumentierte. Aber es gibt auch weitere Indizien für Positionen im Westen und im Osten, die wenigstens in derselben Absicht lanciert wurden. Hier wie da wurden z.B. von Teilen der Gelehrtenschaft radikale antideterministische Positionen in bezug auf die logische Frage nach der Unbestimmtheit der futura contingentia vertreten, auch eine auf den Antideterminismus abgestimmte Prädestinationsauffassung.

In Byzanz bildeten antideterministische Positionen den Mainstream. Man erkennt das an der Art, in der die byzantinischen Theologen in einem Atemzug gegen die heimarmenē (= fatum) und die Prädestination polemisierten. Gegen die heimarmenē wurde in Byzanz unter Hinweis auf den Fatalismus und die Astrologie polemisiert. Damit wurde aber nicht ausschließlich gegen die Astrologie, sondern auch gegen die Prädestination polemisiert....

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