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«Futura contingentia, necessitas per accidens» und Prädestination in Byzanz und in der Scholastik

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Stamatios Gerogiorgakis

Die Studie stellt einen direkten Vergleich zwischen der Scholastik und der byzantinischen Philosophie und Theologie dar. Sie stellt Lehren der Philosophie und Theologie des Hoch- und Spätmittelalters einander gegenüber und bespricht diese in kritischer, jedenfalls nicht in doxographischer Hinsicht.

Die Zeitlogik hat ihren Ursprung in der Antike. In der Spätantike und insbesondere im Mittelalter erlangten ihre Resultate auch eine theologische und politische Brisanz. Das Studium der Semantik von Sätzen über Zukunftsereignisse, die eintreten oder auch ausbleiben können, sowie das Studium der Semantik von Sätzen über Vergangenheitsereignisse lehren uns Einiges über Zukunftserwartungen. Zusätzlich ist der Vergleich lateinischer und griechischer mittelalterlicher Quellen zur Zeitlogik bezeichnend für die Reichweite der philosophischen Reflektion in der mittelalterlichen Weltanschauung.

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12. Schlussfolgerungen aus der Fegefeuerlehre

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Ideengeschichtlich betrachtet geht die Fegefeuerlehre mit der Entwicklung der deterministischen Modalitätenlehre in der Scholastik einher. Der Glaube an das Fegefeuer wurde laut Le Goff Ende des 12. Jh. konkretisiert,946 einige Jahrzehnte später, als Peter Abaelard Argumente dafür gegeben hatte, dass Gott nur das bewirken kann, was stattfinden muss. Metaphysisch betrachtet setzt die Fegefeuerlehre Abaelards Lehre voraus. Denn hätte Gott den Sünder willkürlich reinwaschen können, dann gäbe es natürlich keinen Bedarf, den Sünder in einem festgelegten Verfahren mit Hilfe des Fegefeuers von seiner Sünde zu reinigen.

Außer den philosophiehistorischen Zusammenhängen gibt es auch soziale: Jacques Le Goff meinte, dass die Soll-und-Gut-Haben-Rechnung des Fegefeuers dem verstärkten Interesse des ausgehenden 12. Jh. für die Arithmetisierung des Nutzens entspricht.947 Damit steht der Glaube an das Fegefeuer am Anfang einer Entwicklung, die zur Ausarbeitung der Kunst der Buchführung im Italien des 14. und 15. Jh. führte. Wie bereits Jacques Le Goff und Odd Langholm948 andeuteten, hat diese Entwicklung mit den Mendikantenorden zu tun.

Wenn das stimmt, dann stellte die Fegefeuerlehre in der Scholastik ein Verweltlichungs-Moment, eine Beeinflussung der Theologie durch außerkirchliche Vorstellungen dar, die im Nachhinein theologisch untermauert wurden. Diese Vermutung wird durch den Umstand bekräftigt, dass die ← 357 | 358 → Fegefeuerlehre erst im 13. Jh. Einzug in die Sentenzenvorlesung fand – und zwar an den dominikanischen und franziskanischen Lehrstühlen.949

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