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Identität und Wissen in ausgewählten Werken Elie Wiesels und William Styrons

(Wissens-)Grenzen des Selbst

Magdalena Fober

Wie soll die Erinnerung an den Holocaust zukünftig gestaltet werden? Vor dem Hintergrund dieser Frage untersucht die Autorin Wissen und Identität in den Werken Wiesels und Styrons. Sie entwirft ein Analysemodell, das verschiedene Formen des Wissens sowie Ebenen und Methoden der Wissenstransformation in literarischen Schriften mit den Identitätstheorien George Herbert Meads und Stuart Halls verbindet. Dadurch wird sichtbar, welche Wissensarten sich in den Texten identifizieren lassen und welchen interpretatorischen Mehrwert sie im Hinblick auf menschliche Identität aufweisen. Das Buch macht deutlich, dass in der Holocaustliteratur noch Forschungslücken bestehen und dass die Aufarbeitung dieser Problematiken ein Weg sein kann, dem «Verblassen der Vergangenheit» entgegenzuwirken.

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I. Einleitung

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I. Einleitung

Im Jahr 1966 publizierte der österreichische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Jean Améry unter dem Titel “At the Mind’s Limits”1 einen Aufsatz, der die Konfrontation des Intellektuellen mit dem nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz zum Inhalt hat. Als Intellektuellen bezeichnet der Autor jenen Menschen, dessen Identität maßgeblich durch humanistisches und geisteswissenschaftliches Wissen geprägt ist und der sein Menschen- und Weltbild aus diesen Wissensbeständen ableitet (vgl. 2). In seinem Text stellt Améry die Frage, ob der Bildungshorizont und die intellektuelle Grunddisposition dem Häftling in entscheidenden Momenten geholfen oder das Überleben erleichtert haben (vgl. 5). “If the intellect,” so lautet die Antwort des Verfassers, “was not centered around a religious or political belief it was of no help, or of little help. It abandoned us” (15). Améry geht in seinen Ausführungen sogar noch einen Schritt weiter. Demnach war der Geist nicht nur wenig hilfreich, sondern evozierte auch einen Prozess der Selbstzerstörung, der durch das Versagen des logischen Denkens angesichts der Lagerrealität hervorgerufen wurde (vgl. 10). “Stripped, robbed, emptied out, disoriented” – so verließen die Überlebenden schließlich das Lager und mussten sich gegenüber ihren Wissensbeständen neu positionieren und ihr Selbstbild grundlegend überdenken (Améry 20).

Wissen und Identität sind folglich in Amérys Aufsatz kohärent; das Versagen der Wissensbestände vor der Realität in Auschwitz evoziert eine identitäre Krise des Individuums. Der Zusammenhang zwischen Wissen und Identität steht auch im...

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