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Kieler Meeresforschung im Kaiserreich

Die Planktonexpedition von 1889 zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit

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Lisa Kragh

Die Freiheit der Forschung stieß schon immer an gewisse Grenzen, wenn Wissenschaftler auf die Finanzierung ihrer Untersuchungen durch Dritte angewiesen waren. Neben persönlichen Netzwerken entschied in einer solchen Konstellation oft die subjektiv empfundene Nützlichkeit des Projekts über den Ausgang von Finanzierungsverhandlungen. Folglich gewann die Überzeugungskraft der ins Feld geführten Rechtfertigungsnarrative großen Einfluss auf die Realisierbarkeit kostspieliger Forschungsvorhaben. Am Beispiel der von Victor Hensen konzipierten Planktonexpedition von 1889 zeichnet diese Studie anschaulich die Genese einer erfolgreichen Legitimationsstrategie nach und konturiert die vorgebrachten wissenschaftsimmanenten, machtpolitischen und ökonomischen Motive sowie die Nachwirkungen der Expedition vor dem Hintergrund des Kaiserreichs.

Die Studie wurde mit dem Nachwuchspreis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte ausgezeichnet.

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III. Schlussbetrachtung und Ausblick

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III.   Schlussbetrachtung und Ausblick

Die vorliegende Studie, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kieler Planktonexpedition von 1889 in ihren größeren wissenschaftsgeschichtlichen wie allgemeinhistorischen Kontext einzuordnen, veranschaulicht, wie erkenntnisreich die Symbiose von Wissenschafts- und allgemeiner Geschichte sein kann. Indem beide Perspektiven hier zusammengeführt und – vom Beispiel des Kieler Forschungsprojektes ausgehend – aufeinander bezogen wurden, offenbarten sich die wechselseitigen Abhängigkeiten und Interdependenzen von innerwissenschaftlichen wie extrawissenschaftlichen Entwicklungen. Dabei wurde vor allem deutlich, dass sich zur damaligen Zeit das Verhältnis zwischen der Sphäre der Wissenschaft und den verschiedenen anderen Gesellschaftsbereichen zu verändern begonnen hatte, was sowohl neue Interdependenzen und Austauschprozesse schuf, als auch in Abhängigkeit davon die jeweilige gegenseitige Wahrnehmung in neue Bahnen lenkte. Die betrachteten Kollektive waren zur Zeit der Planktonexpedition in ihrer Gesamtheit in einem Wandel begriffen, in dessen Zuge neue Aufgaben, neue Rollen vergeben wurden: Die Wissenschaft wurde, wie die Verhandlungen um die Finanzierung der Expedition sowie deren Nachwirkungen gezeigt haben, in noch stärkerem Maße ein Aushandlungsprozess, der zunehmend neue Ebenen und neue Öffentlichkeitsschichten miteinbeziehen musste. Was als nützliche, fortschrittsfördernde oder förderungswürdige Wissenschaft galt, wurde in noch stärkerem Maße als zuvor nicht mehr nur innerhalb der wissenschaftlichen Welt definiert; vielmehr führten die gleichzeitige wachsende Abhängigkeit der Wissenschaftstreibenden von Geldgebern aus Staat, Wirtschaft und Gesellschaft auf der einen Seite und die wachsende Abhängigkeit verschiedener Gesellschaftsbereiche von der Wissenschaft als Problemlöser, als Werkzeug und allgemeines Fortschrittsvehikel...

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