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Perspektivenvielfalt im Literaturunterricht

Theoretische und qualitativ-empirische Untersuchungen zu einem didaktischen Prinzip

Katja Siepmann

Die Vielfalt der Welt muss im zeitgemäßen Unterricht widergespiegelt und reflektiert werden. Derjenige, der sich auf die Komplexität postmoderner Gesellschaften einlässt, macht Erfahrungen, die produktiv auszuhalten sind. Hier setzt die qualitativ-empirische Studie zu dem allgemeindidaktischen Prinzip der Perspektivenvielfalt an und untersucht sowohl dessen theoretische als auch empirische Relevanz. Die Untersuchung der Bedeutung für die Lehrkräfte und die Umsetzung in der Unterrichtsgestaltung stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Der exemplarisch gewählte Literaturunterricht im Fach Deutsch bietet eine geeignete Gelegenheit für den Umgang mit Ambivalenz, Kontingenz und Vielfalt im Kontext eines Bildungsverständnisses, das Perspektivenwechsel, Diskursivität und Identitätsbildung betont.

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V. Diskussion

V. Diskussion

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In dem nun folgenden Kapitel werden die empirischen Ergebnisse diskutiert, interpretiert und in einen theoretischen Rahmen (siehe insbesondere Kapitel 1.4, 1.5 und 2.3) eingeordnet, d.h. die empirischen Fälle werden kontrastiv und bestätigend mit der wissenschaftlichen Literatur verknüpft, sowie Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen – theoretisch wie empirisch – gezogen.

Nach der Darstellung der Ergebnisse und der Interpretation ausgewählter Unterrichtssequenzen lässt sich folgende Hypothese formulieren: Perspektivenvielfalt im Literaturunterricht des Faches Deutsch zeigt sich in vielfältiger Form, wenngleich die Ergebnisse dokumentieren, dass nicht in allen beobachteten Unterrichtsstunden und nicht bei allen befragten Lehrkräften das didaktische Prinzip der Perspektivenvielfalt einen ähnlich hohen Stellenwert besitzt. In einigen Fällen zeigt es sich kaum. Im Folgenden ordne ich daher einige ausgewählte Ergebnisse pointiert in einen größeren theoretischen Zusammenhang ein.

Bezüglich der Kenntnis und Beachtung des Prinzips der Perspektivenvielfalt ist Folgendes festzuhalten. Didaktische Prinzipien besitzen eine handlungsorientierende Funktion; sie sind eine Leitlinie für das Handeln, müssen interpretationsfähig sein und flexibel eingesetzt werden. Sie konstituieren Unterrichtskonzepte160 und damit Haltungen161 der Lehrpersonen. In der inneren Logik didaktischer Prinzipien sind die individuellen Zielsetzungen des Unterrichts, die gesellschaftlichen Ansprüche und Vorgaben, die normativen Zielsetzungen didaktischen Handelns sowie theoretische Konstrukte und empirische Daten enthalten (vgl. Heursen 1997, S. 27f.).

Didaktische Prinzipien sind nach Standop/Jürgens (2015, S. 159ff.) allgemeine Grundsätze der inhaltlichen und methodischen Gestaltung von Unterricht mit einem hohen Verallgemeinerungsgrad. Sie gelten bei unterschiedlicher Schwerpunktsetzung für alle Fächer und zwar...

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