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Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur

Festschrift für Svetlana und Gerhard Ressel

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Edited By Alexander Bierich, Thomas Bruns and Henrieke Stahl

Die Festschrift ist Herrn Professor Gerhard Ressel und seiner Ehefrau Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zusammen gewidmet. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.

An der Festschrift hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

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Секретарь, секретарша, секретутка – (k)eine Frage der политкорректность?

Секретарь, секретарша, секретутка – (k)eine Frage der политкорректность?

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Thomas Bruns (Trier)

Vorbemerkung

Vor mittlerweile gut vier Jahrzehnten, am 31.12.1973, brachte der Spiegel (Heft 53/1973, S. 58) einen etwas rätselhaft mit „Ruch der Unmoral“ überschriebenen Artikel über einen volkswirtschaftlichen Missstand in der Sowjetunion. Dieser hatte per se nichts Unmoralischen an sich; das eigentlich Anrüchige verpackte der Verfasser beiläufig in einen kurzen Absatz, dessen Kernaussage sich allerdings in der Überschrift des Artikels wiederfand und so der Maxime „Sex sells“ einmal mehr Genüge tat. Worum ging es in besagtem Artikel, der sich letztlich auf einen Beitrag in der Pravda berief? Die große Moskauer Zeitung hatte berichtet, Sekretärin sei ein Defizitberuf, wodurch sich zahlreiche Führungskräfte des Landes gezwungen sähen, deren Arbeit mit zu erledigen, wenn sie nicht gleich liegen bleibe, was der Volkswirtschaft jährlich eine erheblichen Schaden zufüge. So weit die Pravda. Der Spiegel nun nutzte die Gelegenheit, die Stellung der Frau in der Sowjetunion im allgemeinen und die der Sekretärin im besonderen zu „analysieren“. Der Hinweis auf das niedrige Sozialprestige von Büroberufen in der „produktionsorientierten Sowjetgesellschaft“ gipfelte in der Einschätzung: „Weibliche Büroangestellte stehen auch im Ruch der Unmoral: Frauen, die sich um die Tugend ihrer Männer sorgten, änderten das Wort für Sekretärin ‚sekretar’ in ‚sekretutka’, weil es sich so besser auf ‚prostitutka’ reimt.“ Natürlich ging es hier nicht um zwei sich reimende Wörter im engeren Sinne – mithin um ihre äußere, lautliche Form –, sondern um ihre – unterstellte...

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