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Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur

Festschrift für Svetlana und Gerhard Ressel

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Edited By Alexander Bierich, Thomas Bruns and Henrieke Stahl

Die Festschrift ist Herrn Professor Gerhard Ressel und seiner Ehefrau Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zusammen gewidmet. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.

An der Festschrift hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

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Vampirismus als Sprachspiel: das Erzählen von Serbiens Geschichte(n) in Mirjana Novaković’ Strah i njegov sluga

Vampirismus als Sprachspiel:

das Erzählen von Serbiens Geschichte(n)

in Mirjana Novaković’ Strah i njegov sluga

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Petra Hesse (Klagenfurt)

Als Figur des volkstümlichen Aberglaubens ist der Vampir dem mythologischfolkloristischen Typus des Untoten zuzurechnen. Aber auch das Phänomen des Vampirismus selbst scheint über die Unsterblichkeit eines (diskurs-)saugenden Wiedergängers zu verfügen, der im 20. Jahrhundert, nach dem Erfolg von Bram Stokers Dracula (1897) und Fritz Murnaus Nosferatu (1922), immer neue Diskurse in seine Bildlichkeit hineinzuziehen vermochte. Grundlage dieser anhaltenden Faszination ist nicht zuletzt die „Polyvalenz“1 des Vampirs: „Als Signifika(n)t mit vager Referenz hält er im kulturellen Gedächtnis eine Leerstelle des Anderen, des Ir(r)-Rationalen frei, das jenseits kulturell definierter Grenzen liegt – Leerstellen, die in verschiedenen Diskursen unterschiedlich besetzt werden können“.2

Literaturgeschichtlich ist Dracula bekanntlich in Transsylvanien (Siebenbürgen) beheimatet, doch deuten Stokers handschriftliche Notizen darauf hin, dass sein Vampir ursprünglich auf einem Schloss in der Steiermark residieren sollte.3 Erste historische Zeugnisse für das Auftreten von Vampirismus und seine wissenschaftliche Untersuchung stammen hingegen aus dem serbischen Raum: Gegen Ende des Jahres 1731 häuften sich in dem Dorf Medveđa an der im Frieden von Passarowitz 1718 festgelegten Südostgrenze des Habsburgerreiches unerklärliche Todesfälle,

[...] weshalb die Heiducken eine sofortige Handlungslegitimation forderten, oder mit einem Abwandern und der Preisgabe der Grenze drohten. Dies führte primär zu einer Untersuchung der Ereignisse durch den Seuchenarzt Dr. Glaser [...] und in weiterer Folge zur Entsendung einer Kommission dreier Feldscherer zwecks Obduktion und Exekution vervampyrter Untoter.4

Nicht nur...

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