Show Less
Restricted access

Zur Rezeption der Philosophie Ludwig Wittgensteins im literarischen Werk W. G. Sebalds

Series:

Martin Häckel

Ludwig Wittgenstein erscheint im Werk W. G. Sebalds häufig. Dieses Buch stellt ihn als zentrale Figur in zweien seiner Werke dar. Es stellt eine Analogie zwischen dem literarischen Konzept des Synoptischen Blicks und dem sprachkritischen Werkzeug der Übersichtlichen Darstellung her, und es nimmt eine Verortung in der Nachkriegsliteratur sowie eine Nutzbarmachung Wittgensteinscher Begriffe für die Literaturwissenschaft vor. Sebalds Gesamtwerk wird als Versuch begriffen, das philosophische Konzept des Zeigens auf literarischer Ebene umzusetzen. Es werden Gemeinsamkeiten auf den Ebenen von Stil, Bildverständnis und Erkenntnisinteresse herausgearbeitet, und es wird erörtert, inwieweit der Synoptische Blick tatsächlich mit der Übersichtlichen Darstellung vergleichbar ist und wie dieses Konzept als Gegenentwurf zu Schreibweisen anderer Autoren innerhalb der sog. Holocaustliteratur zu verorten ist. Eignet es sich zum Schreiben über die Shoah in besonderem Maße? Sind dabei eigene Kriterien aufzustellen?

Show Summary Details
Restricted access

1. Sebald und Wittgenstein

Extract

Ausgangspunkt vorliegender Untersuchungen sind die beiden Werke Sebalds, Die Ausgewanderten14 und Austerlitz15, in welchen eine Vielzahl von expliziten und impliziten Verweisen auf die Person und das Leben Ludwig Wittgensteins vorhanden sind.

In W. G. Sebalds Buch Die Ausgewanderten, das vier motivisch miteinander verbundene Erzählungen beinhaltet, wird der österreichische Logiker und Philosoph Ludwig Wittgenstein an zwei Stellen namentlich genannt. Das erste Mal in der zweiten Erzählung Paul Bereyter: Dort beschäftigt sich der gleichnamige Protagonist gegen Ende seines Lebens vermehrt mit Autoren, die entweder Selbstmord begangen hatten oder zumindest phasenweise suizidale Absichten hegten. Er wird in fortgeschrittenem Alter von schmerzvollen Erinnerungen an während des Dritten Reichs erlittenes Unrecht gequält und nimmt sich schließlich das Leben.

„Er habe gelesen und gelesen – Altenberg, Trakl, Wittgenstein, Friedell, Hasenclever, Toller, Tucholsky, Klaus Mann, Ossietzky, Benjamin, Koestler und Zweig, in erster Linie also Schriftsteller, die sich das Leben genommen hatten oder nahe daran waren, es zu tun.“16

Die zweite Erwähnung findet sich in einer Passage der abschließenden Erzählung Max Ferber, in der die gleichnamige Figur, der Maler Max Ferber, dem Erzähler erstmals von seiner Zeit im Jahre 1943 als Kunststudent in Manchester erzählt:

„Das einzige Bemerkenswerte an seinem kurzfristigen ersten Aufenthalt in Manchester sei die Tatsache gewesen, sagte Ferber, daß er sein Logis damals in ←23 | 24→der Palatine Road Nr. 104 hatte und somit in demselben Haus, in dem 1908, wie inzwischen durch verschiedene biographische Schriften...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.