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Wirtschaft, Wissenschaft und Weltgeltung.

Die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien am Botanischen Garten und Museum Berlin (1891–1920)

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Katja Kaiser

Diese Publikation untersucht die Beziehungen zwischen Wissenschaften und Kolonialismus am Beispiel der Berliner botanischen Einrichtungen. Im Fokus steht die dem Botanischen Garten und Museum angegliederte Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. Ihre Tätigkeit bestimmte die Verknüpfung von wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kolonialpolitischen Interessen. Die Studie beschreibt die Aufgabenbereiche der Botanischen Zentralstelle und die Motive der wichtigsten Akteure. Mit der Untersuchung der botanischen Netzwerke leistet sie einen Beitrag zu transimperialen Ansätzen der Kolonialgeschichtsschreibung. Exemplarische Objekt- und Sammlerbiographien widmen sich außerdem eingehend wissenschaftsgeschichtlichen Aspekten und der Aufarbeitung von Provenienzen kolonialer Sammlungen.

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III. Die Botanische Zentralstelle am Botanischen Garten und Museum Berlin

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Die „Nutzbarmachung des botanischen Gartens und des botanischen Museums hierselbst für kolonialwirtschaftliche Zwecke“1 wurde der Institution von Seiten des Auswärtigen Amtes angetragen und durch das Preußische Kultusministerium per Erlass 1889 als neuer Tätigkeitsbereich zugewiesen. Der Direktor des Berliner Botanischen Gartens und Museums erstellte daraufhin einen Aufgabenkatalog, in welchem er als Maßnahmen zur direkten Förderung der Landwirtschaft in den deutschen Kolonien die Anzucht und den Versand tropischer Nutzpflanzen dorthin vorschlug sowie die Bestimmung des Nutzwertes aus den Kolonien eingesandter Pflanzen. Er orientierte sich dabei an den Royal Botanic Gardens Kew bei London, die als „Vermittlungsstelle“ für Pflanzen, Saatgut, botanisches Wissen und Fachpersonal im British Empire fungierten sowie mittels eines Netzwerkes von Satellitengärten in den Kolonien die dortige Landwirtschaft unterstützten. Die Aufstellung des Direktors des Berliner Gartens beinhaltete außerdem die wissenschaftliche Bearbeitung der Sammlungen aus den Kolonien als Grundlage für die Forschungstätigkeit am Botanischen Museum und schließlich – als indirekte Förderung der Kolonialwirtschaft – die Popularisierung von Wissen zu tropischen Nutzpflanzen und ihren Produkten. In ihrer Vereinbarung über die Gründung der Botanischen Zentralstelle für die deutschen Kolonien berücksichtigten die Vertragspartner – das Auswärtige Amt und das Preußische Kultusministerium – aber zunächst nur die beiden erstgenannten Arbeitsbereiche. In langjährigen Auseinandersetzungen konnte die Direktion des Berliner Gartens und Museums jedoch ihre umfassendere Auffassung von den an die Kolonialexpansion des Deutschen Reiches gekoppelten Aufgabenfeldern ihrer Institution durchsetzen.

Das Kapitel zeichnet die mit der Gründung...

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