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Homosexualität in der Holocaustliteratur

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Angelika Niere

Wer stellt Homosexualität innerhalb der Holocaustliteratur wann dar? Welche literarischen Strategien kommen zum Einsatz, wenn die Autoren und Autorinnen Homosexualität in ihren Texten ausgestalten, und welche Funktion erfüllen diese Darstellungen? Die Bearbeitung dieser Fragen ist nicht nur als Grundlagenbeitrag zu Gay Studies und Holocaustliteraturforschung von Interesse. Homosexualität wird auch im Schreiben über den Holocaust von Autorinnen und Autoren jeglicher Couleur ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung inszeniert. Diese Publikation untersucht, welche narrativen Funktionen diese häufig kurzen, doch zahlreichen Erwähnungen erfüllen und welche Einblicke in die Prozesse der Textentstehung und -wirkung dadurch ermöglicht werden.

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I. Einleitung

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Die homosexuellen Opfer des Holocaust wurden spät in das Gedenken einbezogen. Erst 1989 gemahnte ihrer in Deutschland erstmals eine Gedenktafel. Sie steht in Berlin am Nollendorfplatz; in Form eines Winkels – zur Erinnerung an den rosa Winkel, mit dem homosexuelle Häftlinge in manchen Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden –, trägt sie die Aufschrift „Totgeschlagen / Totgeschwiegen / Den / homosexuellen Opfern / des /Nationalsozialismus“.

Initiiert wurde die Tafel von zwei regionalen homosexuellen Organisationen. Sie stellten allerdings sogar unter den zahlreichen Vereinigungen, die aus der Schwulen- und Lesbenbewegung hervorgegangen waren, eine Seltenheit dar. Auch dort begann der Kampf um die Anerkennung der homosexuellen Opfer erst spät. Ein früher Versuch, einen Gedenkstein errichten zu lassen, nämlich 1985 in der Dachauer KZ-Gedenkstätte auf Antrieb einer Münchner Initiative, war von dem Internationalen Dachau-Komitee, einer Gemeinschaft ehemaliger Häftlinge abgelehnt worden. Es sollte zehn Jahre dauern, bis der Gedenkstein dem zentralen Gedenkraum Dachaus hinzugefügt wurde und die Häftlinge mit den rosa Winkeln Anerkennung als Leidensgenossen fanden.

Der Tabuisierung von Sexualthemen im Kontext des Holocaust und der damit verknüpften ausbleibenden Aufarbeitung zum Trotz wurden Homosexualität und homosexuelle Verfolgte in den Beiträgen zur Holocaustliteratur natürlich trotzdem immer wieder zumindest in knapper Form thematisiert – und das lange, bevor 1972 mit Heinz Hegers Die Männer mit dem Rosa Winkel das erste landesweit verfügbare Selbstzeugnis eines ehemaligen Häftlings erschien, der aufgrund des „Homosexuellenparagraphen“ § 175 StGB verurteilt worden war. Erst in den vergangenen drei...

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