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(Un)pädagogische Visionen für das 21. Jahrhundert / (Non-)Educational Visions for the 21st Century

Geistes- und sozialwissenschaftliche Entwürfe nach dem Ende der ‹großen› Menschheitsgeschichte / Humanities and Social Science Concepts after the End of the ‹Great› History of Mankind

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Edited By Gerd-Bodo von Carlsburg and Annette Miriam Stross

Sind Visionen Phantasievorstellungen, Einbildungen oder gar Trugbilder vergangener Zeiten? Oder ist Visionen, retro- wie auch prospektiv gesehen, ein Potential zu eigen, das Geistes- und Sozialwissenschaftler.innen in der Gegenwart nutzen können und sollten?

In diesem Band zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Litauen, Estland, Polen, Schweden und China, dass die aktuellen Debatten in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu Themen wie Ökologie, interreligiöser Dialog, Identitätsbildung, Gesundheitserziehung, digitale Partizipation, (Welt-)Frieden, Sakrotourismus, Kulturmanagement durch die Einbeziehung visionärer Perspektiven aus unterschiedlichen Disziplinen neu belebt werden können.

Are visions imaginations of fantasies and illusions or even hallucinations of past times? Or has a vision, in retrospect and in preview, a potential that humanists and social scientists can and should use in the present?

In this volume scientists from Germany, Lithuania, Estonia, Poland, Sweden and China show that current debates in the humanities and social sciences on topics such as ecology, interreligious dialogue, identity learning, health education, digital participation, (world) peace, sacrotourism, cultural management can be revitalized by including visionary perspectives from different scientific disciplines.

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Zum Geleit

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Wenige menschliche Unternehmungen sind wohl mit größerer Unsicherheit, aber auch mit größerem Reiz behaftet als der Versuch, in die Zukunft zu blicken. Wäre dieses unser 21. Jahrhundert ein Mensch, so stünde es heute, im Jahr 2020, gerade erst zu Beginn seines Erwachsenenlebens. Eine Unmenge an prägenden Eindrücken und Erfahrungen läge bereits hinter, ein ganzes Leben aber mit all seiner Unüberschaubarkeit, mit all seinen Möglichkeiten wie ein weithin unbeschriebenes Blatt noch vor ihm. Ungleich offener und damit zugleich ungewisser noch verhält es sich mit der Entwicklung menschlicher Gesellschaften. Das komplexe Zusammenspiel der individuellen Entscheidungen unzähliger Menschen in seinen Einzelheiten und Verästelungen auch nur für einige Monate, geschweige denn Jahre in die Zukunft zu antizipieren, übersteigt die Grenzen unseres Vorstellungs-, jedenfalls aber unseres Prognosevermögens.

Vor etwa 30 Jahren stellte der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama die These auf, mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des kommunistischen Herrschaftssystems sei das „Ende der Geschichte“ erreicht. Das westliche Gesellschaftsmodell der liberalen Demokratie habe sich endgültig durchgesetzt und werde sich nunmehr, gleichsam als Kulminationspunkt der zivilisatorischen Entwicklung des Menschen, auf der ganzen Welt ausbreiten. Heute wissen wir, dass diese Vorhersage trügerisch war. Zwar ist die Menschheit heute wirtschaftlich und kommunikativ in einem Maße miteinander verbunden, wie es noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar schien, doch haben sich zeitgleich mit diesem Zusammenwachsen neue Konfliktlinien aufgetan. An die Stelle der ideologischen Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts sind vielerorts kulturelle...

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