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Politische Philosophie eines modernen Idealismus

Ideologiekritik, Politikwissenschaft, Staatsdenken

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Wolfgang Caspart

Ein moderner Idealismus stützt sich auf den transzendentalen Charakter der wissenschaftlichen Axiomatik wie auf die indeterministischen Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften. Die Flucht in die Ideologie, Utopie oder Dogmatik hat nur derjenige nötig, welcher zur Transzendierung unfähig ist. Die Zusammenfassung und Einordnung der empirischen Theorien, Teilwerte und einzelreligiösen Bekenntnisse erfolgen durch ihre Überhöhung in den höchsten Ideen. Der Mangel an dem hierzu erforderlichen hermeneutischen Verständnis zwingt zu Ersatzvorstellungen in Form beliebig verabsolutierter empirischer Theorien oder Hypothesen, Teilwerte und konfessioneller Dogmen. Diese kommen nicht wissenschaftlich, sittlich oder göttlich geboten zustande, sondern werden willkürlich gesetzt. Der Realismus in der Lebensbewältigung bis hin zur Politik liegt in der gekonnten transzendentalen und ethischen Handhabung beschränkter Modelle.

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3. Teil Staatsdenken 93

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103 3. TEIL STAATSDENKEN 3.1 DER AUFTRAG DES STAATES Staaten gibt und gab es viele, Reiche hingegen deutlich weniger. Einen Staat ist in erster Linie mit sich selbst beschäftigt und allenfalls noch mit seinen Nach- barn. Ein Reich hingegen fühlt sich einer übergeordneten Idee und transzenden- talen Aufgabe verpflichtet. Staat und Reich sind nicht dasselbe. SELBSTBESCHÄFTIGUNG ODER AUFTRAG Erschöpft sich die Politik eines Landes mit der Frage, wer gerade in ihm herr- schen soll und wie die Untertanen ruhig zu stellen sind, so handelt es sich dabei um einen kurzatmigen ordinären Staat. Seine Daseinsberechtigung sieht der blo- ße Staat bestenfalls in der klassischen Aufgabe der Ordnung nach innen und al- lenfalls noch des Schutzes seiner Bürger nach außen. Die Legitimitätsfrage spielt vergleichsweise eine geringe Rolle, und die Ordnungsgestaltung ist nur ein pragmatisches Problem. Zudem haben es kleinere Länder naturgemäß schwerer, sich größeren Ambitionen zu stellen. Anders beim Reich: In der Ordnung nach innen und dem Schutz nach außen er- schöpfen sich seine Aufgaben nicht. Vielmehr leitet es seine Ordnungsvorstel- lungen nach innen und außen von einer übergeordneten Idee ab, dem der Reichs-Staat selbst zu dienen hat. Nach innen hat das Reich einen Erziehungs- charakter und nach außen eine Gestaltungsaufgabe. Besteht ein solcher Staat einigermaßen dauerhaft, dann wird er zum kulturprägenden Reich. Verfügt es über genügend Territorium und Bewohner, gewinnt es weithin Macht und Anse- hen. Alle historischen Reiche nahmen diese überzeitlichen Aufgaben...

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