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Semantische Unbestimmtheit im Lexikon

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Inge Pohl

Dieser Band enthält Vorträge der Landauer Semantikkonferenz Semantische Unbestimmtheit im Lexikon, die vom 2. bis 4. Oktober 2008 an der Universität Koblenz-Landau stattfand. Da gegenwärtig noch keine geschlossene «Unbestimmtheits-Theorie» existiert, besteht das Erkenntnisziel darin, relevante Ausschnitte zum Unbestimmtheitsphänomen aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Orientierungen intensiver zu beleuchten. Die Autorinnen und Autoren verdeutlichen u. a., dass der Begriff der semantischen Unbestimmtheit im Lexikon über tradierte Formen der Unbestimmtheit hinausgeht und wissenschaftshistorisch sowie konzeptionenabhängig zu bestimmen ist; dass spezifische Wissensstrukturen im mentalen Lexikon eine Affinität zu Unbestimmtheitsphänomenen besitzen; dass der Inferenzbegriff bezüglich der Unbestimmtheit weiter auszudifferenzieren ist; dass interdisziplinäre Sehweisen eine Öffnung der Begrifflichkeiten erforderlich machen. Präsentiert werden erkenntnisgewinnende Wege im Untersuchungsbereich, indem die Problematik von unterschiedlichen sprachlichen Phänomenen aus entfaltet wird, Theoreme zu deren Beschreibung geprüft werden und aufgezeigt wird, welche Ansätze zur Problemschärfung produktiv zu machen sind.

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UNBESTIMMTHEIT IM SPANNUNGSFELD TEXTUALER MERKMALE

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ANDREA BACHMANN-STEIN Lexikalische Unbestimmtheitsphänomene im Textverstehensprozess 1. Ausgangsbeobachtung und Fragestellung (1) Ananas getrocknet, ganze Ringe, naturbelassen, aromatische Spitzenqua- lität. (2) Der naturbelassene Strand ist über ein paar Treppen jenseits der Strand- promenade zu erreichen. Dass das Lexem naturbelassen in den beiden Äußerungen zwei unterschied- liche Lesarten hat, kann der Rezipient zwar erkennen, wenn er einen Lexi- koneintrag zu Rate zieht — "nalturibellasisen : a) in seiner natürlichen Substanz unverändert; ohne fremden Zusatz: -e Fette, Lebensmittel, Produkte; -e Mandelkleie schenkt ihm (= dem Teint) Reinheit und Frische (Quick 2, 1959, 40); Natur- belassene Nahrungsmittel aus biologischem Anbau werden immer beliebter (FAZ 18.10.95, N 3); b) in seinem natürlichen Zustand belassen -er Wald mit dem Naturschutzgebiet Pugum (Flensburger Tageblatt 22.4.84, 14); das letz- te, schöne und fast -e Spessarttal im Naturpark Spessart ... (Garmisch-Par- tenkirchner Tagblatt 1.10.86, 11); ... tragen sie ihre Gesichter in jenem -en Faltenreichtum (FR 18.7. 87, ZB 1)." (Duden 2005) — aber erst wenn der Rezipient weitere Wissensbestände bei der Textsemanti- sierung berücksichtigt, wird ihm bewusst, dass der naturbelassene Strand eine andere Konnotation aufweist (Kap. 3.2). Es lässt sich beobachten, dass die Bedeutung einzelner Zeichen und komplexer Ausdrücke zum Teil so stark geprägt ist durch das Vorkommen in bestimmten Textsorten bzw. durch die jeweiligen Textsortenbedingungen, dass ein "richtiges" Verstehen der Texte nur möglich ist, wenn der Rezipient in der Lage ist, die Bedeutung der Lexeme kontextgebunden zu dekodieren. Mit anderen Worten: Man muss wissen, dass die Bedeutung eines Lexems in einem...

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