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Künstler mit Assistenzbedarf

Eine Interaktionsstudie

Frederik Poppe

Künstler mit Assistenzbedarf erreichen mittlerweile durch Ausstellungen und Publikationen einen gewissen Bekanntheitsgrad und sind auch auf dem Kunstmarkt präsent. Assistenten schaffen dabei die notwendigen Rahmenbedingungen für kreative Prozesse und leisten einen erheblichen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Studie wurden Interaktionen zwischen bildenden Künstlern mit Assistenzbedarf und ihren unterstützenden Bezugspersonen untersucht. Mit Hilfe von videografischen Erhebungsinstrumenten und narrativen Interviews konnte im Stil der Grounded Theory ein umfassendes Bild der Aufgabenbandbreite und des komplexen Rollenverständnisses von Assistenten erstellt werden. Es werden konzeptuelle Ideen für eine Professionalisierung der Ausbildung von Assistenten und Künstlern entwickelt, um den in der Zusammenarbeit auftretenden Interessenskonflikten begegnen zu können.

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1. Einleitung

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„Ich habe drei Berufe: Herrenschneider, Damenschneiderin und Kunstmaler. Mal sehen, was Gott noch mit mir vor hat.“ Werner Voigt – die Schlumper Werner Voigt (*1935), ein Hamburger Künstler, der heute aufgrund seines Alters nur noch selten im Atelier der Schlumper (siehe 3.2.2.) anzutreffen ist, wurde durch seine Werke weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt. Er illustrierte beispielsweise 24 Tafeln nach Vorbild von Meister Bertrams „Der Hochaltar von St. Petri in Hamburg“ aus dem Jahr 1383 (vgl. Spengler 2010; Gercken/Eissing-Christophersen 2001, 136-141). Aufgrund der besonderen Wahrnehmung des Künstlers entstand eine ausdrucksstarke Illustration mit den gleichen Bildinhalten des alten Meisters in einer neuen, ikonographischen Bildsprache. Die Bilder wurden von Voigt mit eigenen Interpretationen von Bibelstellen ergänzt. Der Künstler hatte die Reihe nach Postkarten angefertigt. Die Ori- ginale, die zur Dauerausstellung der Hamburger Kunsthalle gehören, konnte er wegen Renovierungsarbeiten des Museums erst nach Fertigstellung seiner eigenen Arbeiten betrachten. Er schien irritiert, Meister Bertrams Werke in der Kunsthalle zu sehen und hielt die Bilder für seine Eigenen. Erst als er darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Bertrams Werke, im Gegensatz zu seinen eigenen Bildern, nicht über eine Schriftebene verfügen, erkannte er den Unterschied. Dieses Beispiel beschreibt die besondere Wahrnehmung eines Menschen, der seit seinem vierten Lebensjahr hospitalisiert war (vgl. Spengler 2010) und als „geistig behindert“ bezeichnet wird. Werner Voigt benötigte für die künstlerische Arbeit im Atelierhaus der Schlumper stets Assistenz zur Durchführung seiner Vorhaben. Ein solcher Assistenzbedarf3 kann aufgrund vieler Ursachen bestehen. In...

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