Show Less

Künstler mit Assistenzbedarf

Eine Interaktionsstudie

Frederik Poppe

Künstler mit Assistenzbedarf erreichen mittlerweile durch Ausstellungen und Publikationen einen gewissen Bekanntheitsgrad und sind auch auf dem Kunstmarkt präsent. Assistenten schaffen dabei die notwendigen Rahmenbedingungen für kreative Prozesse und leisten einen erheblichen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Studie wurden Interaktionen zwischen bildenden Künstlern mit Assistenzbedarf und ihren unterstützenden Bezugspersonen untersucht. Mit Hilfe von videografischen Erhebungsinstrumenten und narrativen Interviews konnte im Stil der Grounded Theory ein umfassendes Bild der Aufgabenbandbreite und des komplexen Rollenverständnisses von Assistenten erstellt werden. Es werden konzeptuelle Ideen für eine Professionalisierung der Ausbildung von Assistenten und Künstlern entwickelt, um den in der Zusammenarbeit auftretenden Interessenskonflikten begegnen zu können.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3. Ateliers und Werkstätten im deutschsprachigen Raum

Extract

Künstler mit Assistenzbedarf arbeiten größtenteils in Institutionen, die ent- sprechend mit Material, Personal und Hilfsmitteln ausgestattet sind, um de- ren speziellen Anforderungen Genüge zu leisten. Diese Einrichtungen stehen unter freier, kirchlicher oder staatlicher Trägerschaft. Die meisten Ateliers im deutschsprachigen Raum sind Teil einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), deren Aufgaben seit 2001 im neunten Buch des Sozialgesetzbuches zur Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen (SGB IX) benannt sind (dazu vertiefend: Schlummer/Schütte 2006; Ellger-Rüttgardt 2000). Als Voraussetzung für eine Beschäftigung im Arbeitsbereich einer WfbM gilt, dass „ein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung zu erwarten“ ist, „wenn der behinderte Mensch an der Herstellung der von diesen Werkstätten vertriebenen Waren und Dienstleistungen durch nützli- che Arbeit beteiligt werden kann“ (Bundesarbeitsgemeinschaft WfbM, 2010). Diese Definition führt zu unterschiedlichen Auswirkungen in der Bundes- republik Deutschland. Teilweise wird allen Menschen eine Teilhabe an den Arbeitsprozessen in Form eines Dauerarbeitsplatzes ermöglicht. Bisweilen werden WfbM Tageförderstätten zugeordnet oder durch diese ersetzt. Tages- förderstätten unterliegen nicht dem Kriterium, wirtschaftlich verwertbare Arbeitsleistungen zu erbringen (vgl. Schlummer/Schütte 2006, 64-65). Eine vergleichbare Praxis ist über die Landesgrenzen auch in anderen deutsch- sprachigen Gebieten zu finden. Schlummer und Schütte beschreiben das Dilemma von WfbM, die einer- seits Rehabilitation und Teilhabe (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2010) zu verwirklichen haben, andererseits als gewinnorientierte Wirtschaftsbetriebe in Marktprozesse eingebunden sind (vgl. Schlummer/ Schütte 2006, 64-65). Im Folgenden sollen Grundlagen der WfbM unter besonderer Berücksichtigung von...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.