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Schreib- und Textroutinen

Theorie, Erwerb und didaktisch-mediale Modellierung

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Helmuth Feilke and Katrin Lehnen

Herkömmlich wird sprachliche Routine gern mit Gleichförmigkeit, Bequemlichkeit und auch Entlastung von wiederkehrenden kommunikativen Aufgaben gleichgesetzt. Als Mittel der Strukturbildung ist ihre Bedeutung kaum bedacht. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Routinen gerade auch im Schriftlichen die Grundlage bilden für die Eröffnung von Spielräumen des sprachlichen Handelns – sowohl in der Textproduktion als auch in der Textrezeption. Die Beiträge des Bandes argumentieren für ein sozial intelligibles Konzept sprachlicher Routine. Der thematische Fokus richtet sich auf Routine im Schreiben und Routine in Texten. Im Zentrum stehen Theorie und Begrifflichkeit literaler Routine, Erwerb und Aufbau von Schreib- und Textroutinen im Spracherwerb vom ersten Schuljahr bis hin zu Studierenden sowie didaktisch-mediale Modellierungen von Routinen für die Stützung des Erwerbs auch in E-Learning-Szenarien.

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Olaf Gätje/Sara Rezat/Torsten Steinhoff - Positionierung. Zur Entwicklung des Gebrauchs modalisierender Prozeduren in argumentativen Texten von Schülern und Studenten 125

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Positionierung. Zur Entwicklung des Gebrauchs modalisierender Prozeduren in argumentativen Texten von Schülern und Studenten. Olaf Gätje/Sara Rezat/Torsten Steinhoff 1. Einleitung Die Positionierung, d.h. die sprachliche Markierung der eigenen Meinung, ge- hört zu den grundlegenden Merkmalen eines argumentativen Textes. Zu diesem Zweck werden Positionierungsprozeduren wie „ich finde“, „meiner Meinung nach“ oder „meines Erachtens“ verwendet. Das Feld solcher Prozeduren wird in der Entwicklung argumentativer Schreibfähigkeiten nach und nach erschlossen. Ihr Gebrauch kann mithin als ein Indikator der argumentativen Textkompetenz aufgefasst werden, genauer gesagt der Teilkompetenz, eine „reflektiert subjekti- ve“ Perspektive zu einem bestimmten Thema einzunehmen und schriftkommu- nikationsadäquat darzustellen. In diesem Kontext steht der vorliegende Aufsatz. Er leistet am Beispiel der Positionierung empirische Vorarbeiten zur Beobachtung von Schreiblernprozes- sen und Beurteilung von Schreibentwicklungsständen in argumentativen Texten. In den Kapiteln 2 und 3 werden die Begriffe literale Prozedur, Positionierung und Positionierungsprozedur erläutert, in Kapitel 4 die Ergebnisse einer Analyse zweier Korpora mit argumentativen Texten von Schülern und Studenten vorge- stellt und in Kapitel 5 die empirischen Ergebnisse abschließend zusammenge- fasst. 2. Literale Prozeduren (1) „Meiner Ansicht nach finde ich ihren Vorschlag sehr gut.“ Mit diesem Satz eröffnet eine Schülerin der 10. Klasse ihren argumentativen Brief zu dem Vorschlag des Medienwissenschaftlers Neil Postman, das Fernse- 126 Olaf Gätje/Sara Rezat/Torsten Steinhoff hen abzuschaffen.54 Wie es für argumentative Texte typisch ist, wird der Sach- verhalt der getroffenen Aussage („Postmans Vorschlag ist sehr gut“) durch die in Spitzenposition stehende Formulierung „meiner Ansicht nach finde...

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