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Schreib- und Textroutinen

Theorie, Erwerb und didaktisch-mediale Modellierung

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Edited By Helmuth Feilke and Katrin Lehnen

Herkömmlich wird sprachliche Routine gern mit Gleichförmigkeit, Bequemlichkeit und auch Entlastung von wiederkehrenden kommunikativen Aufgaben gleichgesetzt. Als Mittel der Strukturbildung ist ihre Bedeutung kaum bedacht. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Routinen gerade auch im Schriftlichen die Grundlage bilden für die Eröffnung von Spielräumen des sprachlichen Handelns – sowohl in der Textproduktion als auch in der Textrezeption. Die Beiträge des Bandes argumentieren für ein sozial intelligibles Konzept sprachlicher Routine. Der thematische Fokus richtet sich auf Routine im Schreiben und Routine in Texten. Im Zentrum stehen Theorie und Begrifflichkeit literaler Routine, Erwerb und Aufbau von Schreib- und Textroutinen im Spracherwerb vom ersten Schuljahr bis hin zu Studierenden sowie didaktisch-mediale Modellierungen von Routinen für die Stützung des Erwerbs auch in E-Learning-Szenarien.

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Jörg Jost - Textroutinen und Kontextualisierungshinweise 195

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Textroutinen und Kontextualisierungshinweise Jörg Jost 1. Einleitung Untersucht wird, wie Textroutinen über die linguistische Struktur (Formaspekt) Kontextualisierungen (Funktionsaspekt) erzeugen. Textroutinen werden zu- nächst mit einem Seitenblick auf konstruktionsgrammatische Gedanken als Kor- relationen aus Form und Funktion dargestellt. Mit Levinson (1995, 2000) wer- den sie als Äußerungsformen und damit als Satzbedeutung und Sprecherabsicht zwischenlagernde, an ihrem Gebrauch orientierte Typen verortet. Als solche operieren sie im Verständigungsprozess auf der Ebene von contextual cues (Gumperz). Mit ihnen signalisieren Schreiber ihre Absichten, damit diese von Lesern erkannt und pragmatisch inferiert werden können (Abschnitt 2). Wie Textroutinen Kontextualisierungen schaffen, wie sie entsprechende Hinweise geben (signalisieren), wird exemplarisch für wissenschaftliche Texte und für Beurteilungszeugnisse in der Grundschule dargelegt: Es wird zunächst am Bei- spiel „m.E.“ gezeigt, wie pragmatische Informationen in die sprachliche Struk- tur sedimentieren (Grammatikalisierung) und welche Auskunft der Gebrauch des Ausdrucks „m.E.“ in wissenschaftlichen Texten über die Fähigkeiten bzw. den Fähigkeitsstand von Lernern im Laufe des Textkompetenzerwerbs geben kann. Am Beispiel von Beurteilungsroutinen in Berichtszeugnissen der Grund- schule wird gezeigt, wie Textroutinen, die als generalisierte konversationale Im- plikaturen nachgezeichnet werden, die Entscheidungen von Schreibern über die Wahl sprachlicher Mittel ebenso leiten wie die Interpretationen der Leser (Ab- schnitt 3). Die Beispielbetrachtungen machen deutlich, dass die Fähigkeit zur Kontextualisierung produktiv (als Fähigkeit des Anzeigens, Signalisierens) wie rezeptiv (als Fähigkeit, das Angezeigte als solches zu erkennen und inferenziell verarbeiten zu können) Voraussetzung ist für ein kompetentes Handeln mit Tex- ten (Abschnitt...

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