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Die mittelenglische Romanze zwischen Imitation und Innovation

Zur Dynamik einer Diskurstradition

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Ulrike Schenk

Die Arbeit untersucht anhand der mittelenglischen Romanzen die Etablierung des Englischen als Literatursprache im Spätmittelalter. Vor dem Hintergrund kontinentaler und insularer französischer Vorlagen prägt sich eine volkssprachliche Literaturgattung aus, die exemplarisch ist für den Verschriftlichungsschub, von dem das Englische ab dem 13. Jahrhundert erfasst wird. Zwei Fallanalysen zu den Romanzen Havelok the Dane und Ywain and Gawain und ihren jeweiligen Quellen widmen sich narratologischen, kulturhistorischen und poetologisch-rhetorischen Gesichtspunkten sowie Fragen der Formelhaftigkeit. Die Detailstudien liefern vertiefte Einblicke in mittelalterliche literarische Adaptionsprozesse und arbeiten das spezifische Gattungsprofil der mittelenglischen Romanzen heraus.

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2 Theoretische Grundlagen und Forschungsüberblick

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2.1 Die mittelenglischen Romanzen im Gesamtkontext der Standardisierung 2.1.1 Traditionen sprachlicher Äußerungen: Das Konzept der Diskurstradition Sprachliche Äußerungen, ob mündlich oder schriftlich, sind stets in bestimmte Traditionen eingebettet. Der Versuch, derartige Traditionen aufzudecken und zurückzuverfolgen, erlaubt weit tiefere Einsichten in die Entstehung von Texten als eine strikt synchron-statische Perspektive. Dieser diachrone Aspekt der Tra- dition ist in der Literaturwissenschaft, wo Bezeichnungen wie „Genre“, „Gat- tung“, „Textsorte“ eher eine synchrone Sichtweise implizieren, alles andere als ein novum. In der literaturwissenschaftlichen Sekundärliteratur stößt man auf Begriffe wie „literarische Tradition“ (PILCH 1960: 233), „tradition in literature“ (BURNLEY 1989: 44) und „literary tradition“ (SPEED 1994: 139). Dabei zeichnet BURNLEY noch das Bild einer recht starren Tradierung sprachlicher Phänomene innerhalb literarischer Traditionen: [....] the existence of a tradition in literature means that certain repetitive scenes and motifs will recur expressed in brief stretches of text which, if not entirely formulaic, will nevertheless be recognisably comparable from one occurrence to another. (1989: 44) CABLE (1991) hingegen betont bereits die Brüche, denen jede traditionelle Ent- wicklung ausgesetzt ist, das Potential zu Veränderungen, das sie birgt, und somit ihren evolutionären Charakter: A tradition, though perceived as a single entity by those who join or define it, is up- on closer examination a set of discontinuous parts, sequenced only by time. The tra- dition must be created anew, recapitulated, and sustained within each individual poet – perhaps with changes (intentional or otherwise). Hence the possibility of misread- ing and of evolution....

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