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Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union

Eine Analyse der EU-Sprachenpolitik, mit besonderem Fokus auf Deutschland- Umfassende Dokumentation und Perspektiven für die Zukunft

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Jakob Haselhuber

Die Europäische Union hat sich von Anfang an zur Mehrsprachigkeit bekannt und mit ihrer «Verordnung Nr. 1» vom 15. April 1958 eine Vollsprachenregelung beschlossen, die trotz des Anwachsens von anfänglich vier auf mittlerweile 23 «Amts- und Arbeitssprachen» bis heute gilt. Diese Studie analysiert Theorie und Praxis der EU-Sprachenregelung, zeigt auf, wie das Englische im Laufe der Jahre Französisch als «Lingua franca» abgelöst hat und bietet eine umfassende Analyse der EU-Sprachenpolitik. Dabei werden zahlreiche Dokumente erstmals wissenschaftlich ausgewertet und auch die Tätigkeit des weltweit größten Übersetzungs- sowie des Dolmetscherdienstes der EU untersucht. Hierauf folgt eine Analyse der Sprachenpolitik Deutschlands als größtem Mitgliedstaat der EU, die durch gemeinsame Bemühungen von Bundesregierung und Bundestag zur Stärkung der deutschen Sprache gekennzeichnet ist. Abschließend wird eine neue Sprachenpolitik für die EU gefordert, die einen Ausgleich zwischen Effizienz und Gerechtigkeit und zwischen Interessen und realem Bedarf bildet. An die Stelle der Vollsprachenregelung sollte eine Sprachenauswahl treten, welche die Sprachen Europas mit dem größten Kommunikationspotenzial beinhaltet: das Englische, Deutsche, Französische, Spanische und Russische. Eine solche Entscheidung erfordert Weitblick und politischen Mut – andernfalls würde sich im freien Spiel der Kräfte allein das Englische durchsetzen.

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D. Die Sprachenpolitik Deutschlands gegenüber und in der EG/EU

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Das vierte Kapitel unserer Studie widmet sich der Sprachenpolitik Deutschlands als größtem Mitgliedstaat, größtem Beitragszahler und als größter Mutter- sprachgemeinschaft innerhalb der EU. Die Analyse der deutschen Bestrebungen zur Stärkung der eigenen Sprache in der EU ist um so interessanter, als sie in der dortigen Praxis – siehe Kapitel B. – gegenüber Englisch und Französisch nur eine nachgeordnete Rolle einnimmt. Hier werden Quellen aus Wissenschaft, Bundestag und Bundesregierung über einen Zeitraum von über vier Jahrzehnten herangezogen. Kernfrage ist, welche Ziele und Interessen Deutschland verfolgt, wie es auf das Auseinanderklaffen von Theorie und Wirklichkeit reagiert und welche Haltung es gegenüber der wachsenden sprachenpolitischen Bedeutung der KOM einnimmt1. Die Untersuchung richtet sich auf die Politik zur Pflege und zur Förderung der deutschen Sprache, zusammengefasst Sprachförderungs- politik, die wiederum drei Elemente umfasst: die Förderung als Mutter- und als Fremdsprache im allgemeinen Sinne, diesbezügliche staatliche Bemühungen im In- und im Ausland (Sprachverbreitungspolitik) sowie die Förderung des Deut- schen in anderen Staaten bzw. in internationalen Organisationen, bei denen zwi- schen der EU und anderen zu unterscheiden ist. 1. Deutsche Sprachförderungspolitik Gegenstand der deutschen Sprachförderungspolitik (SFP) im Rahmen der EU ist in erster Linie die Statusplanung, daneben aber auch die Korpusplanung, so z.B. bei der im Deutschen Bundestag beratenen Frage, ob ein Sprachschutzgesetz notwendig sei. Träger und Gestalter dieser Politik sind vor allem der Deutsche Bundestag und das Auswärtige Amt, in dessen Zuständigkeit die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKBP)...

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