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Überlebenschancen der Kleinsprachen in der EU im Schatten nationalstaatlicher Interessen

Identitätskonstruktionen von Kulturakteuren in europäischen Grenzräumen

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Zhouming Yu

Die zwischen Sprach- und Politikwissenschaft angesiedelte Studie beschäftigt sich mit der Situation der Kleinsprachen in Europa und mit den soziolinguistischen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen ihres Überlebens. Sie nimmt durchgehend zweierlei in den Blick: die Ursachen für Sprachgefährdung einerseits, die Faktoren für eine erfolgreiche Spracherhaltung andererseits. Sprache wird hierbei immer sowohl als Identitätsträger als auch als Kommunikationsmittel verstanden und aus Sicht der unterschiedlichen Akteure, des Staates und der Sprecher der Kleinsprachen, beleuchtet. Diskutiert werden unter anderem Aspekte wie Fragen zu Sprachstatus und Sprachkompetenz, deren Domänenspezifik, die Chancen und Risiken individueller und staatlicher Mehrsprachigkeit sowie die völkerrechtlichen Rahmenbedingungen.

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2 Kleinsprache: Begriffsbestimmung und -begrenzung

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In den letzten Jahrzehnten findet die Gefährdung verschiedener Sprachen immer mehr Aufmerksamkeit in der Welt. Die Dringlichkeit des Problems ist nun unbe- stritten. Es gibt bereits zahlreiche wissenschaftliche Studien und auch Be- mühungen, durch linguistische, rechtliche und politische Maßnahmen auf allen Ebenen die Tendenz zum Massenaussterben der Sprachen aufzuhalten. Im Zusammenhang damit herrschen aber terminologische und begriffliche Unklar- heiten in Bezug auf den Status der betreffenden Sprachen. In der deutsch- sprachigen Literatur heißen sie „Minderheiten- oder Regionalsprachen“, „be- drohte Sprachen“, „weniger gebrauchte/verbreitete/gelernte Sprachen“, „Klein- sprachen“ oder „kleine Sprachen“ (und „kleinere Sprachen“ und gar „kleinste Sprachen“), „Zwergsprachen“, ganz zu schweigen davon, dass manche Sprachen auch zu „Dialekten“ oder „regionalen Varietäten“ degradiert sind.6 In der engli- schen Literatur werden sie noch unterschiedlicher bezeichnet: „non-dominant language“, „small languages“, „minor languages“, „minority languages“, „lesser used languages“, „endangered languages“, „moribund languages“, usw. Diese Begriffe stimmen inhaltlich nur teilweise überein. Es scheint, als würden manche deutsche Bezeichnungen wörtlich den englischen entsprechen. Aber in der Tat ist diese scheinbare terminologische Einmütigkeit nicht vorhanden. Zum Beispiel hatte das „European Bureau for Lesser-Used Languages“ (EBLUL) neben seiner (leider nicht sehr wortgetreuen) offiziellen Übersetzung „Das Euro- päische Büro für Sprachminderheiten“ noch viele andere Titel. Hier einige Bei- spiele aus der Fachliteratur: „Das Europäische Büro für Regional- und Minderheitensprachen“7, „Das Europäische Büro für Kleinsprachen“8 und „Das Europäische Büro der weniger verbreiteten Sprachen“9. Nicht eindeutig sind auch die einzelnen Termini....

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