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Überlebenschancen der Kleinsprachen in der EU im Schatten nationalstaatlicher Interessen

Identitätskonstruktionen von Kulturakteuren in europäischen Grenzräumen

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Zhouming Yu

Die zwischen Sprach- und Politikwissenschaft angesiedelte Studie beschäftigt sich mit der Situation der Kleinsprachen in Europa und mit den soziolinguistischen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen ihres Überlebens. Sie nimmt durchgehend zweierlei in den Blick: die Ursachen für Sprachgefährdung einerseits, die Faktoren für eine erfolgreiche Spracherhaltung andererseits. Sprache wird hierbei immer sowohl als Identitätsträger als auch als Kommunikationsmittel verstanden und aus Sicht der unterschiedlichen Akteure, des Staates und der Sprecher der Kleinsprachen, beleuchtet. Diskutiert werden unter anderem Aspekte wie Fragen zu Sprachstatus und Sprachkompetenz, deren Domänenspezifik, die Chancen und Risiken individueller und staatlicher Mehrsprachigkeit sowie die völkerrechtlichen Rahmenbedingungen.

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5 Die Kleinsprache im Spannungsfeld zwischen Staat und Minderheit: Sprache als Kommunikationsmittel

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Dass die Sprache ein wichtiges Kommunikationsmittel ist, ist unbestritten. Je- doch ist sowohl in der Praxis als auch in den wissenschaftlichen Arbeiten die Tendenz zu beobachten, dass diese Funktion unterschätzt wird. Seit langem wird von Sprachwissenschaftlern davor gewarnt, die Sprache „als ein bloßes Verständigungsmittel zu betrachten.“ 251 Wenn eine Sprache „weniger ge- braucht“, das heißt, weniger als Medium im menschlichen Verkehr verwendet wird, wird für ihre Erhaltung und Rettung oft ihre Bedeutung als Kultur- und Identitätsträger hervorgehoben. Die Funktion der Sprache als Identitätsträger ist meines Erachtens zwar wichtig, aber unzulänglich, besonders wenn durch die Überbetonung der Identitätsfunktion die Funktion der Sprache als Kommunikationsmittel in den Hintergrund tritt. Sprache ist unentbehrlich für die Verständigung in der alltäglichen Kommunikation. Mittels Sprache werden Meinungen geäußert, Informationen erhalten und vermittelt und zwischenmenschliche Beziehungen gestaltet. Die Voraussetzung einer möglichen sprachlichen Kommunikation ist eine gemein- same Sprache. Umgekehrt bilden unterschiedliche Sprachen bzw. Dialekte Barrieren der gegenseitigen Verständigung. Durch Erfolg oder Misserfolg der sprachlichen Kommunikation entsteht jeweils ein Zugehörigkeits- oder Abgren- zungsgefühl, was sich zur kollektiven Identität entwickelt. So wird Sprache eins der wichtigsten Elemente der Gruppenidentität. Die Funktion der Sprache als Kommunikationsmittel ist deswegen ein nicht zu vernachlässigender Aspekt in der Sprachenpolitik. Einerseits muss beim Aus- arbeiten der Sprachenpolitik die Realität berücksichtigt und die Möglichkeit der Verwendung einer Sprache in den öffentlichen Bereichen in Erwägung gezogen werden. Zu ber...

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