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Die Grande Armée in Deutschland 1805 bis 1814

Wahrnehmungen und Erfahrungen von Militärpersonen und Zivilbevölkerung

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Stephanie Poßelt

Die Napoleonischen Kriege von 1805 bis 1814 stellten die Menschen in Deutschland nicht nur aufgrund von Kriegsbelastungen, sondern auch hinsichtlich gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen vor neue Herausforderungen. Das Buch untersucht diese Umbruchszeit aus kultur- und sozialgeschichtlicher Perspektive. Im Fokus stehen die Kriegserfahrungen sowohl der deutschen Bevölkerung als auch der Soldaten der Grande Armée und deren gegenseitige Wechselwirkung im zivilen und militärischen Alltag einer ständig dem Wandel unterlegenen Lebenswelt. Die Studie gewährt zudem Einblicke in Wahrnehmungen, Sinnstiftungen und Umdeutungen, die auf zeitgenössischen und retrospektiv verfassten Quellen basieren.

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4 Unterwegs in den deutschen Ländern

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4.1 Marschieren als Alltag Der Alltag eines Soldaten war geprägt von ständigen Wiederholungen seiner Aufgaben. Aufstehen, Packen, Losmarschieren, Pause, Weitermarschieren, La- ger errichten und das in der Etappe fast jeden Tag. Der ganze Tagesablauf wurde von Marschieren bestimmt und strukturiert. Die Märsche waren anstrengend und sehr erschöpfend, vor allem bei schlechtem Wetter oder Gewaltmärschen. Des- halb nehmen die Märsche in den Tagebüchern der Militärpersonen einen sehr großen Raum ein. Die Eintragungen sind dabei sehr unterschiedlich, von kurzen Angaben des Etappenorts und Kilometerzahl bis hin zu detaillierten Beschrei- bungen des Weges, des Wetters und der Sehenswürdigkeiten. Wenn man be- denkt, dass die einfachen Soldaten in ihrem zivilen Leben selten weiter als ein oder zwei Fußstunden von ihrem Heimatort entfernt waren, kann man sich vor- stellen, warum sich die Männer dermaßen mit den Märschen beschäftigten. Der geographische Raum vergrößerte sich erheblich im Gegensatz zu dem früheren Denken. Entfernungen erschienen nicht so weit und auch große Distanzen wur- den vorstellbar.1 Eine Etappe entsprach normalerweise 30 Kilometern, bei Ge- waltmärschen bis zu 50 Kilometern. Jede Stunde wurde eine kurze Pause abge- halten, zur Mittagszeit eine längere Essenspause. Nach sieben Marschtagen war ein Rasttag vorgesehen.2 Die Kolonnen sollten die Territorien in mehr oder we- niger breiten Räumen durchqueren, um einzelne Landstriche und deren Bewoh- ner nicht zu sehr zu belasten. Die Routen waren im Vorfeld durch die Militär- verwaltung zusammengestellt und festgelegt worden....

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