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Die Grande Armée in Deutschland 1805 bis 1814

Wahrnehmungen und Erfahrungen von Militärpersonen und Zivilbevölkerung

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Stephanie Poßelt

Die Napoleonischen Kriege von 1805 bis 1814 stellten die Menschen in Deutschland nicht nur aufgrund von Kriegsbelastungen, sondern auch hinsichtlich gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen vor neue Herausforderungen. Das Buch untersucht diese Umbruchszeit aus kultur- und sozialgeschichtlicher Perspektive. Im Fokus stehen die Kriegserfahrungen sowohl der deutschen Bevölkerung als auch der Soldaten der Grande Armée und deren gegenseitige Wechselwirkung im zivilen und militärischen Alltag einer ständig dem Wandel unterlegenen Lebenswelt. Die Studie gewährt zudem Einblicke in Wahrnehmungen, Sinnstiftungen und Umdeutungen, die auf zeitgenössischen und retrospektiv verfassten Quellen basieren.

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9 Wahrnehmungen der Militärpersonen und der Zivilbevölkerung

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Die überwiegende Mehrheit der Soldaten hatte ihre Heimat zum ersten Mal für längere Zeit verlassen. Auf ihrem Weg über den europäischen Kontinent wurden sie mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen konfrontiert. Die Männer ka- men mit verschiedenen Nationalitäten und damit auch unbekannten Traditionen und Denkweisen in Berührung. Diese Erfahrungen stehen im Mittelpunkt dieses Kapitels, wobei geklärt wird, inwiefern die Wahrnehmung des Fremden auf Vorurteilen oder vorgeprägten Feindbildern beruhte. Wahrnehmung wird an die- ser Stelle nicht als nur auf ein Sinnerlebnis reduziertes Abbild verstanden, son- dern besitzt wie auch der Erfahrungsbegriff einen konstruktivistischen Charak- ter. Die Strukturierung der Wahrnehmung erfolgt aufgrund des Erfahrungsschat- zes des Individuums, wodurch die Sinneseindrücke in den bestehenden Wis- sensbestand eingeordnet werden können.1 Hervorzuheben ist die Selektivität in der Verarbeitung der Wahrnehmungen, welche mit individuellen Wertevorstel- lungen und Vorprägungen korrelieren. Manche Wahrnehmungen werden ausge- blendet, andere erfasst. Neue Wahrnehmungen werden mit den vorhandenen Deutungs- und Welterklärungsmustern abgeglichen und in das vorhandene Wis- sen und den bestehenden Erfahrungshorizont eingegliedert. Durch diese Einord- nung werden Wahrnehmungen für das Individuum kommunizierbar. Dies be- deutet, dass zuerst auf tradierte Kenntnisse, Interpretationen und Stereotype zu- rückgegriffen wird.2 Die Begriffe „Wahrnehmung“ und „Erfahrung“ lassen sich also nicht trennen, sondern bedingen sich gegenseitig. Erfahrungsbrüche und neue Deutungshorizonte vollziehen sich erst langfristig, da der tradierte Erfah- rungshorizont von diesen neuen Deutungsmustern überlagert wird. Die aus Wahrnehmungen hervorgegangenen Muster und Handlungsweisen schaffen so neue Erfahrungsräume oder modifizieren tradierte...

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