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Revision in Permanenz

Studien zu Jean Amérys politischem Ethos nach Auschwitz

Series:

Sylvia Weiler and Michael Hofmann

Der Band befasst sich mit Jean Améry, einem der wichtigsten Autoren «nach Auschwitz», und seinem Verhältnis zu zeitgenössischen Diskursen nach 1945. Jean Améry hat mit seinem essayistischen Werk Maßstäbe für die Reflexion des «Zivilisationsbruchs» gesetzt und dabei persönliche Erfahrungen mit philosophischen Perspektiven verknüpft. Die hier versammelten Aufsätze verdeutlichen Amérys ethische Positionen, seinen Beitrag zur Literatur- und Kulturkritik und seine politische Philosophie. Er setzte sich mit dem Existentialismus, der Kritischen Theorie, dem (Post-)Strukturalismus, der Studentenbewegung und den Debatten um die Sicherheit des Staates Israel auseinander und stand mit vielen wichtigen Autoren der Zeitgeschichte in Kontakt. Die Darstellungen zeigen, dass Améry ein exemplarisches politisches Ethos entwickelte, das sich in radikaler Offenheit den Erfahrungen der Shoah stellte und Maßstäbe für eine reflektierte Zeitgenossenschaft nach 1945 setzte.
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„Humanismus“ und „Kampf um Anerkennung“ bei Jean Améry

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Abstract: The survivor of Auschwitz Jean Améry turns against Michel Foucault’s „post humanism“ in the 1960s, and in his own writings, correspondingly relies on the basics of a self-reflexive way of thinking in the tradition of „European Enlightenment“. My essay shows that Améry’s position can be reconstructed in the context of Axel Honneth’s social philosophy which, critically commenting on Hegel, revolves around „the struggle for recognition“. By defining the central experience of the Jewish victims of national-socialism as the destruction of their trust in the world due to the violation of their physical integrity, he has founded a „negative humanism“, which recognizes a reference to the dignity of man in the reckless disregard of the „humanum“ as such.

„Ein Mensch ist etwas, in das man hineinschießt Bis der Mensch aufsteht aus den Trümmern des Menschen.“ (Heiner Müller, Mauser1)

Die Krisen des 20. Jahrhunderts bewirken eine Skepsis gegenüber einer Tradition des Humanismus, welche die Menschlichkeit des Menschen betont und in der Praxis diese Menschlichkeit verrät. Wenn KZ-Wärter nach vollbrachtem Tagwerk „Humanitätsdramen“ anschauten und am nächsten Morgen ihre blutige Arbeit fortsetzten, wurde die Frage manifest, ob nicht um der Humanität willen die Berufung auf das Humanum suspendiert werden sollte. Die Kritische Theorie war sich mit Heideggers Existenzphilosophie und dem sich bildenden Poststrukturalismus einig in dem Misstrauen gegen tradierte normative Konzepte, deren Wirkung für das praktische Handeln mindestens fraglich, vielleicht sogar schädlich erscheint.

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