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Rekonstruktionen interkultureller Kompetenz

Ein Beitrag zur Theoriebildung

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Nadine Stahlberg

Interkulturelle Kompetenz ist anerkanntermaßen ein komplexes Konstrukt. Dies führt zu Schwierigkeiten in der Theoriebildung. Es existieren zwar einige Modelle, die versuchen, das Konstrukt abzubilden; diese basieren aber zumeist allein auf theoretischen Überlegungen. Versuche der empirischen Untermauerung finden sich nur unzureichend. Empirische Verfahren zur Erfassung interkultureller Kompetenz wiederum sind zum Teil problematisch, da sie – oftmals quantitativ ausgerichtet – wesentliche Gütekriterien nicht erfüllen. Die Untersuchung reagiert auf beide Desiderata: In Abgrenzung zu den gängigen quantitativen Verfahren rekonstruiert sie die interkulturelle Kompetenz von internationalen Studierenden auf der Grundlage von qualitativen Interviews. Die Studie erprobt hiermit einen neuen Ansatz für die Beschreibung interkultureller Kompetenz. Grundlage der Rekonstruktionen ist ein eigenes Modell, das, wie die Autorin anhand vieler Beispiele belegt, in all seinen Komponenten empirisch abgesichert ist.
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4. Entwicklung eines theoretischen Modellansatzes interkultureller Kompetenz

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Im vorangegangenen Kapitel wurden bereits überblicksartig wichtige Konzepte der interkulturellen Kompetenz vorgestellt. Als Grundlage für die im empirischen Teil folgende Untersuchung soll in diesem Kapitel unter Rückbezug auf wesentliche Punkte der genannten Konzepte ein vorläufiger, theoretischer Modellansatz skizziert werden.

4.1 Strukturelle Überlegungen zur Beschreibung interkultureller Kompetenz

4.1.1 Zu den Dimensionen interkultureller Kompetenz

Anknüpfend an Strukturmodelle interkultureller Kompetenz, die das Konstrukt in verschiedene Dimensionen gliedern, wird davon ausgegangen, dass interkulturelle Kompetenz sich aus mehreren Strukturdimensionen zusammensetzt. Ausgangspunkt bilden die den weit verbreiteten Drei-Komponenten-Modellen zugrunde liegenden Dimensionen Affektion (Einstellungen), Kognition (Wissen) und Konation (Verhalten). Wie bereits das Kapitel 3.2.2 zeigt, erweisen sich die Drei-Komponenten-Modelle jedoch keineswegs als unproblematisch. Neben den dort genannten Aspekten, wie u. a. der uneinheitlichen Zuordnung von Teilkomponenten, ist an der Dreiteilung in eine affektive, kognitive und verhaltensbezogene Dimension meiner Ansicht nach problematisch, dass weder eine Dimension der Wahrnehmung (perzeptive Dimension) noch eine Dimension der Reflexion (reflexive Dimension) in den Modellen explizit berücksichtigt werden. Gerade der Reflexion wird für das Konzept der interkulturellen Kompetenz jedoch im Diskurs eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Mit der nachfolgenden Argumentation plädiere ich dafür, beide Dimensionen explizit in den Beschreibungsansatz zur interkulturellen Kompetenz zu integrieren. Dabei lehne ich mich an diejenige Forschung an, welche die triadische Form bereits erweitert.

4.1.1.1 Ergänzung einer perzeptiven Dimension

Während Kanning (2005) in der Psychologie die perzeptive Dimension mit der kognitiven zusammenführt und von einer perzeptiv-kognitiven Dimension...

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