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Rekonstruktionen interkultureller Kompetenz

Ein Beitrag zur Theoriebildung

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Nadine Stahlberg

Interkulturelle Kompetenz ist anerkanntermaßen ein komplexes Konstrukt. Dies führt zu Schwierigkeiten in der Theoriebildung. Es existieren zwar einige Modelle, die versuchen, das Konstrukt abzubilden; diese basieren aber zumeist allein auf theoretischen Überlegungen. Versuche der empirischen Untermauerung finden sich nur unzureichend. Empirische Verfahren zur Erfassung interkultureller Kompetenz wiederum sind zum Teil problematisch, da sie – oftmals quantitativ ausgerichtet – wesentliche Gütekriterien nicht erfüllen. Die Untersuchung reagiert auf beide Desiderata: In Abgrenzung zu den gängigen quantitativen Verfahren rekonstruiert sie die interkulturelle Kompetenz von internationalen Studierenden auf der Grundlage von qualitativen Interviews. Die Studie erprobt hiermit einen neuen Ansatz für die Beschreibung interkultureller Kompetenz. Grundlage der Rekonstruktionen ist ein eigenes Modell, das, wie die Autorin anhand vieler Beispiele belegt, in all seinen Komponenten empirisch abgesichert ist.
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7.3.2 Kulturtheoretische Kompetenz

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Die kulturtheoretische Kompetenz wird im Kapitel 4.2.3.2 als wichtiger Bestandteil interkultureller Kompetenz dargestellt, da eine generelle Einsicht in das Phänomen Kultur für das Verstehen interkultureller Interaktion als hilfreich gilt. Während in der Forschung häufig eine definitorische Vermischung von Wissen über die Beschaffenheit von Kultur und dem Verständnis, wie Kultur menschliches Verhalten beeinflusst, stattfindet, legt die Datenanalyse allerdings nahe, ein kulturtheoretisches Wissen von einem kulturellen Bewusstsein zu unterscheiden. Während kulturtheoretisches Wissen sich auf die Eigenschaften von Kultur und Interkulturalität sowie auf die Funktionsweise von Stereotypen und auf Akkulturationsprozesse bezieht, beinhaltet das kulturelle Bewusstsein ein abstrahierendes ← 272 | 273 → Verständnis über die kulturelle Geprägtheit gesellschaftlicher Strukturen und menschlichen Verhaltens sowie ein Bewusstsein für die Selbstverständlichkeit sprachlicher Pluralität und kultureller Vielfalt.

7.3.2.1 Kulturtheoretisches Wissen

Die Kategorie kulturtheoretisches Wissen beinhaltet neben Beispielen zum allgemeinen Kulturfunktionswissen auch solche zum Stereotypenwissen und zum Akkulturations- und Kulturschockwissen.

Kulturfunktionswissen meint ein theoretisches Grundwissen über die Beschaffenheit von Kultur, das Kenntnisse über die generelle Art und Wirkungsweise von Kulturen umfasst. Beispiele, die Kenntnisse darüber deutlich werden lassen, wie Kultur ‚beschaffen‘ ist – u. a. doppelschichtiger Charakter (perceptas/konceptas), kein homogenes Gebilde, dynamischer und hybrider Charakter, Spannungsverhältnis zwischen individueller Ausprägung und kollektiver Ausrichtung – fallen genauso in diese Unterkategorie wie Aussagen über Dimensionen von Kultur, wie u. a. Individualismus und Kollektivismus, Sachorientierung und Beziehungsorientierung, Face-Konzept, direkte und indirekte Kommunikation (vgl. Kap. 2.1.1).

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