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Das Liebeshindernis

Zur Semantik der Liebe in der französischen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Gesa Kresse

Das Buch untersucht das Liebeshindernis als historische Variable im französischen Roman vom hohen Mittelalter bis zur Gegenwart. Im Vordergrund des Buches steht der Prozess der Verinnerung, einer im Laufe der Zeit immer stärkeren Verlagerung des Liebeskonflikts ins Innere der Figuren. Das Liebesmotiv betrachtet die Autorin im übergreifend geschichtlichen Kontext sowie im Strukturzusammenhang der Werke als Zentrum sich kontinuierlich wandelnder Wirklichkeitsentwürfe. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle des Anderen.
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1. Die „Entdeckung“ der Liebe im hohen Mittelalter: amour fou und amour courtois

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1.  Die „Entdeckung“ der Liebe im hohen Mittelalter: amour fou und amour courtois

Mit dem ausgehenden 11. Jahrhundert setzt in Frankreich eine gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit ein, die im Rahmen der sogenannten Renaissance des 12. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht. Dabei erfahren die Städte, aber auch das Königtum eine immer größere Bedeutung (Bloch 1999, 150). Die hochmittelalterlichen Höfe, zum Beispiel der Plantagenêts und der Champagne, werden im Zuge der zunehmenden Säkularisierung zu Zentren von Bildung und Ausbildung und zu kulturellen Brennpunkten (Favier 1984, 115). So bildet sich dort unter anderem die Kultur des Rittertums heraus, die in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft eine bedeutende Rolle spielt.

Wichtigstes Element der streng hierarchisch geordneten und als gottgegeben verstandenen feudalen Gesellschaftsordnung des Mittelalters ist die persönliche Bindung zwischen König und Vasall sowie zwischen Rittern und ihren Gefolgsleuten, die durch den Treueeid bekräftigt wird. Die Grundsätze dieses auf Treue und Verpflichtung basierenden Verhältnisses werden zum Ende des 11. Jahrhunderts – zunächst vor allem in der Lyrik – nach und nach aber auch auf eine andere Form der Verbindung übertragen: auf die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau.16

Die Liebesthematik erfährt im hohen Mittelalter durch die Rezeption antiker Stoffe wie der Ars amatoria und den Heroides von Ovid sowie der arabischen Liebeslyrik und –mystik eine große Aufmerksamkeit.17 In der Literatur ist die Liebe nicht mehr nur ein Motiv unter anderen und erfüllt eine bestimmte Funktion – wie beispielsweise...

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