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Das Liebeshindernis

Zur Semantik der Liebe in der französischen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Gesa Kresse

Das Buch untersucht das Liebeshindernis als historische Variable im französischen Roman vom hohen Mittelalter bis zur Gegenwart. Im Vordergrund des Buches steht der Prozess der Verinnerung, einer im Laufe der Zeit immer stärkeren Verlagerung des Liebeskonflikts ins Innere der Figuren. Das Liebesmotiv betrachtet die Autorin im übergreifend geschichtlichen Kontext sowie im Strukturzusammenhang der Werke als Zentrum sich kontinuierlich wandelnder Wirklichkeitsentwürfe. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle des Anderen.
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2. Zwischen passion und raison – zum Liebeskonflikt in drei Prosaformen der französi-schen ‚Klassik‘

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2.  Zwischen passion und raison – zum Liebeskonflikt in drei Prosaformen der französischen ‚Klassik‘168

Frankreich ist in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach der Niederschlagung der Fronde 1653 und dem damit verbundenen Machtverlust des Adels vor allem durch die absolutistische Herrschaft Ludwigs XIV. geprägt, der den Hof von Versailles, wo er den alten Schwertadel, aber auch eine bürgerliche Elite versammelt, zum kulturellen und politischen Zentrum Frankreichs macht. Die ‚höfische Gesellschaft‘ des Ancien Régime, die Norbert Elias in seinem gleichnamigen Werk eingehend untersucht (Elias 19999), zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie einem streng geregelten Hofzeremoniell und Verhaltenskodex unterworfen ist – der Einzelne agiert unter der ständigen Kontrolle durch die Gesellschaft.

Diese vom Hof ausgehende Kontrolle erstreckt sich auch auf den literarischen Bereich. So unterliegen alle Publikationen der staatlichen Zensur, während gleichzeitig die von Chapelain entwickelte und von Richelieu eingeführte doctrine classique klare Anforderungen an die Literatur formuliert: Sie soll Vergnügen bereiten (plaire) und emotionale Rührung (toucher) hervorrufen, vor allem aber auch zur sittlichen Erziehung der Menschen beitragen (instruire), und zwar nicht, indem die Dinge so dargestellt werden, wie sie sind, sondern wie sie sittlich betrachtet – sein sollten. Schlüsselbegriffe der doctrine classique sind „bienséance“, „vraisemblance“ und „imitation de la nature“.169 ← 95 | 96 →

Nach Rieger entstehen im 17. Jahrhundert auch die „Grundlagen des französischen Romans der Moderne“ (Rieger 1985, 1).170 Allerdings wurden die verschiedenen existierenden Prosagattungen – neben dem Roman sind...

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