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Das Liebeshindernis

Zur Semantik der Liebe in der französischen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Gesa Kresse

Das Buch untersucht das Liebeshindernis als historische Variable im französischen Roman vom hohen Mittelalter bis zur Gegenwart. Im Vordergrund des Buches steht der Prozess der Verinnerung, einer im Laufe der Zeit immer stärkeren Verlagerung des Liebeskonflikts ins Innere der Figuren. Das Liebesmotiv betrachtet die Autorin im übergreifend geschichtlichen Kontext sowie im Strukturzusammenhang der Werke als Zentrum sich kontinuierlich wandelnder Wirklichkeitsentwürfe. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle des Anderen.
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3. Zwischen Aufklärung und Empfindsamkeit – zur Liebesvorstellung im französischen Briefroman

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3.  Zwischen Aufklärung und Empfindsamkeit – zur Liebesvorstellung im französischen Briefroman

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts, ‚Jahrhundert der Aufklärung‘,309 wird der Briefroman als eigenständige Gattung anerkannt, die in der zweiten Jahrhunderthälfte eine Blüte erlebt.310 Die Entwicklung und Popularität des Briefromans kann, wie Habermas ausführlich dargestellt hat, in einen engen Zusammenhang mit der Ablösung der aristokratischen „repräsentativen Öffentlichkeit“ durch eine „bürgerliche Öffentlichkeit“ gestellt werden (Habermas 1962, 42). So verändern sich nach dem Tod Ludwigs XIV. die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse im absolutistischen Frankreich entscheidend: Der Adel gerät immer mehr in die Krise; vor dem Hintergrund der hohen Staatsschulden und der sich daraus ergebenden Steuererhöhungen kann er seine hohen Einkünfte kaum noch rechtfertigen.311 Gleichzeitig kommt es vor allem aufgrund der steigenden Bedeutung des Warenverkehrs zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und damit zu einem Aufstieg des Bürgertums.312

Mit dem Aufstieg des Bürgertums in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelt sich auch die ‚bürgerliche Familie‘, als deren Merkmale Habermas gegenseitige Zuneigung, Bildung und Freiwilligkeit des Zusammenlebens definiert und die sich im Gegensatz zur höfischen Gesellschaft vor allem durch Privatheit auszeichnet (Habermas 1962, 64). In diesem Zusammenhang erfolgt auch eine neue Schwerpunktsetzung im Roman: Die Handlung ist immer seltener an Höfen vorausgegangener Epochen angesiedelt; stattdessen agieren häufig Bürgerliche bzw. sozial niedriger gestellte Personen als Protagonisten in einer aktuellen Gegenwart. Die zunehmende Tendenz zur Darstellung des allt...

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