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Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)

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Edited By Jürgen Joachimsthaler

Was ist das überhaupt: Gegenwartskultur? Und wie lässt sie sich erfassen? Mit diesen nur scheinbar einfachen Fragen begegnet eine als interdisziplinäres Projekt begriffene Kulturwissenschaft dem Problem ihrer Gegenstandskonstitution. Auf wechselnder Abstraktions- und Konkretisationsebene fächern die Beiträge dieses Bandes ein Feld auf, das von grundsätzlicher methodologischer Erwägung bis zu detaillierter Deskription einzelner Phänomene reicht, von der Reflexion rechtlicher wie ökonomischer Rahmenbedingungen bis zu gezielten Blicken über die Ränder national eingeschränkter Wahrnehmungsräume hinaus; unterschiedlich tief wird zur Erklärung aktueller Phänomene in Vergangenheiten geblickt, die wiederum als Geschichts- oder Erinnerungskultur selbst Teil der Gegenwartskultur sein können.
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Medienwissenschaft als Gegenwartskulturwissenschaft

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Im November 2014 fand in Siegen eine medienwissenschaftliche Tagung statt, die sich mit Marshall McLuhans Understanding Media befasste.1 Anlass war, dass sich im letzten Jahr das Erscheinen des Bandes zum fünfzigsten Mal jährte. Die steilen Thesen des Pop-Theoretikers über die Effekte der Medientechnik sind von jeher umstritten und unterlaufen die althergebrachten Anforderungen schriftgebundener Rationalität. Warum beschäftigt man sich dann heute noch mit ihm? Mich interessiert hier, inwieweit seine Thesen im Einzelnen tragen oder nicht, ob beispielsweise seine Prognose, die Welt rücke durch die elektronischen Medien in einem globalen Dorf zusammen, mit dem Internet mehr denn je ihre Erfüllung gefunden hat.2 Was Marshall McLuhan für die Medienwissenschaft grundlegend macht, ist vor allem anderen, dass er und seine Mitstreiter aus dem Umfeld der Zeitschrift Explorations erstmals ein Programm entworfen haben, das den Begriff „Medien“ zum Ausgangspunkt einer Erforschung der Kultur zu machen beabsichtigt. Medienfragen wurden – ohne dass man sie so nannte – schon längst immer wieder aufgeworfen. Heute verfolgt man die Genealogie des Mediendenkens gerne zurück bis hin zu Platons Schriftkritik, in der die Verbreitung der schriftlichen Speicherung als schädlich für das Denken und das Gedächtnis gebrandmarkt wird.3 Neu ist indes, dass der Gesichtspunkt der Medien zu einem Passepartout wird, mit dem sich ← 63 | 64 → die gesamte kulturelle Wirklichkeit erfassen lässt – unter dem sie sogar, wenn man McLuhan folgt, untersuchen muss. Das Vorhaben der Medienwissenschaft besteht also darin, Kultur aus ihren variierenden medialen, oft primär medientechnischen, Bedingungen...

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