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Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)

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Jürgen Joachimsthaler

Was ist das überhaupt: Gegenwartskultur? Und wie lässt sie sich erfassen? Mit diesen nur scheinbar einfachen Fragen begegnet eine als interdisziplinäres Projekt begriffene Kulturwissenschaft dem Problem ihrer Gegenstandskonstitution. Auf wechselnder Abstraktions- und Konkretisationsebene fächern die Beiträge dieses Bandes ein Feld auf, das von grundsätzlicher methodologischer Erwägung bis zu detaillierter Deskription einzelner Phänomene reicht, von der Reflexion rechtlicher wie ökonomischer Rahmenbedingungen bis zu gezielten Blicken über die Ränder national eingeschränkter Wahrnehmungsräume hinaus; unterschiedlich tief wird zur Erklärung aktueller Phänomene in Vergangenheiten geblickt, die wiederum als Geschichts- oder Erinnerungskultur selbst Teil der Gegenwartskultur sein können.
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Auftritt Volk? – Theaterhistorische Überlegungen zur Partizipation von Laien im Theater des frühen 20. und 21. Jahrhunderts

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Kulturelle Teilhabe – Vom Konsum zur Produktion

Mit dem Schlagwort „Kultur für alle“1 wurde schon in den 1970er Jahren der ungehinderte Zugang aller Bevölkerungsschichten zu den institutionalisierten Kultureinrichtungen eingefordert. Allerdings bezog sich dieser Slogan seinerzeit eher auf eine verstärkte Teilhabe größerer Bevölkerungsschichten an von professionellen Kulturinstitutionen vorfabrizierten Werken. Theater, Konzertsäle und Museen sollten allen Schichten unabhängig von Einkommen und Bildungsgrad zugänglich sein. Seit geraumer Zeit wird unter kultureller Partizipation jedoch auch die künstlerische Eigenbetätigung des Publikums selbst verstanden.

Innerhalb dieser breit angelegten Diskussion nimmt der Kultursoziologie Dieter Haselbach eine besondere Position ein. 2012 veröffentlichte er zusammen mit Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz den nicht ganz unpolemisch angelegten Band Der Kulturinfarkt.2 Dieser wurde von Presse und zahlreichen Repräsentanten der offiziellen Kulturinstitutionen weitestgehend kritisch beäugt. Symptomatisch für die Aufnahme der hier vorgebrachten Thesen war eine Reduktion der Debatte auf öffentlichen Kulturförderungs-Wildwuchs einerseits und ökonomische Selbstregulierung des Kulturangebots in Zeiten knapper öffentlicher Kassen andererseits. Vor allem die Repräsentanten des deutschsprachigen Staats- und Stadttheater sahen sich in ihrer Förderstruktur bedroht. ← 163 | 164 →

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