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Gegenwartskultur als methodologische Herausforderung der Kulturwissenschaft(en)

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Jürgen Joachimsthaler

Was ist das überhaupt: Gegenwartskultur? Und wie lässt sie sich erfassen? Mit diesen nur scheinbar einfachen Fragen begegnet eine als interdisziplinäres Projekt begriffene Kulturwissenschaft dem Problem ihrer Gegenstandskonstitution. Auf wechselnder Abstraktions- und Konkretisationsebene fächern die Beiträge dieses Bandes ein Feld auf, das von grundsätzlicher methodologischer Erwägung bis zu detaillierter Deskription einzelner Phänomene reicht, von der Reflexion rechtlicher wie ökonomischer Rahmenbedingungen bis zu gezielten Blicken über die Ränder national eingeschränkter Wahrnehmungsräume hinaus; unterschiedlich tief wird zur Erklärung aktueller Phänomene in Vergangenheiten geblickt, die wiederum als Geschichts- oder Erinnerungskultur selbst Teil der Gegenwartskultur sein können.
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Bemerkungen zu Trans- und Posthumanismus – 7 Thesen

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Vorbemerkung: Verbesserung des Menschengeschlechts

Die hier in Thesenform vorgetragenen Überlegungen sind mit Absicht grob geschnitten: Sie sollen Schlaglichter werfen auf das bunte Treiben trans- und posthumanistischen Denkens. Mehr Lust, den Himmel zu stürmen war nie; weniger Bereitschaft, eigene Irrwege ins Kalkül zu ziehen, gab es selten. Wird Gott-, Vernunft-, Klassen- bzw. Parteivertrauen durch dasjenige in Technik ersetzt und ist dabei die technologische Machbarkeit eher positiv als kritisch besetzt, dann sind, durch die gegebene affirmative Grundstimmung, Tür und Tor für ein Loswerden-Wollen, ein Weg-Werfen des Humanismus – im Präfix-Gewand von „Trans“ und „Post“ – geöffnet. Science-Fiction, wenn sie anspruchsvoller Text oder Film ist, besitzt immer gesellschaftskritische und somit warnende Implikationen, man denke an Stanislaw Lems Futurologischen Kongres (1974) Ursula K. Le Guins Die linke Hand der Dunkelheit (1969) und Die Enteigneten. Eine ambivalente Utopie (1974) oder selbst William Gibsons Neuromancer-Trilogie (1984–1987), der zu den wichtigen Ideengebern des Posthumanismus zählt. Die positiv besetzte Technikzentrierung aber lässt die kritische Dimension zurücktreten und erliegt der Faszination des Noch-Nicht-, aber Doch-Bald-Machbaren. Bei der Verkündigung eines – erneut – ‚neuen Menschen‘ verdunkelt die Innovationslust soziale und ethische Kategorien.

War die Emanzipation des Menschengeschlechts im 18. Jahrhundert an die Selbstsetzung der Vernunft und die ästhetische Erziehung innerhalb dieses Vernunftrahmens geknüpft, wird sie im 19. Jahrhundert körperlich gedacht: Die Erkenntnisse der ins Biologische gewendeten Wissenschaften vom Menschen – Biologie, Medizin, Psychiatrie, beginnende Sexualwissenschaft – durchdringen das Alltagswissen und kanalisieren die expandierenden Ängste um den biologisch...

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