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Kirche nach Auschwitz zwischen Theologie und Vergangenheitspolitik

Die Auseinandersetzung der evangelischen Kirchen beider deutscher Staaten mit der Judenvernichtung im «Dritten Reich» im politisch-gesellschaftlichen Kontext

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Tetyana Pavlush

In ihrem Buch zeichnet Tetyana Pavlush den Wandel der Holocaust-Reflexion in den evangelischen Kirchen in der Bundesrepublik und in der DDR. Zentral sind Fragen nach dem Anteil der Kirchen am gesamtgesellschaftlichen Lernprozess hinsichtlich des Holocaust und nach der Auswirkung der offiziellen Vergangenheitspolitik auf die kirchliche Erinnerung. Durch vergleichende Analyse der öffentlichen Kontroversen und Gedenktage erfasst die Autorin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den kirchlichen Diskussionen auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze im engen Zusammenhang mit den politisch-gesellschaftlichen Faktoren. Die Auswertung der Stellungnahmen der Amtskirchen sowie der Arbeitsergebnisse von Kirchentagen und evangelischer Presse ergibt ein differenziertes und dynamisches Bild der kirchlichen Erinnerungsarbeit zwischen dem Ende der NS-Zeit und der Wiedervereinigung.
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2. Die Holocaust-Reflexion und das christlich-jüdische Gespräch in Ost und West an der Kreuzung der endogenen und exogenen Faktoren

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2.  Die Holocaust-Reflexion und das christlich-jüdische Gespräch in Ost und West an der Kreuzung der endogenen und exogenen Faktoren

Mit Recht kann die Auseinandersetzung der deutschen evangelischen Kirchen mit der Judenvernichtung im „Dritten Reich“ als mühsamer Lernprozess bezeichnet werden. Im Laufe von 45 Jahren erfuhr die kirchliche Selbstreflexion mit Blick auf den Holocaust einen qualitativen Wandel: vom kollektiven Beschweigen und Verdrängen über Apologetik und Versöhnungsrhetorik hin zu einer Problematisierung des christlichen Antijudaismus, Anerkennung der kirchlichen Mitschuld an Auschwitz und Erklärung des Holocaust zum Wendepunkt der christlichen Theologie. Diese Entwicklung wurde zugleich von einer Transformation des Verhältnisses der Christen zum Judentum begleitet: von der Substitutions- und Enterbungstheorie über Erkenntnis des Judeseins Jesu und Betonung der bleibenden Erwählung des Volkes Israel als Gottesvolkes hin zur Absage an die Judenmission.

Die beiden Entwicklungsstränge sind eng miteinander verflochten, da gerade infolge der Erkenntnis der christlichen Mitverantwortung und Schuld an der Shoah sich die Notwendigkeit der Umdeutung des theologischen Verhältnisses zwischen Christentum und Judentum erschloss. Andererseits wiederum wurden im Gespräch mit den jüdischen Gesprächspartnern und in der Auseinandersetzung mit dem Judentum die eigentliche Dimension des Ereignisses Holocaust nicht nur für die Juden, sondern auch für die Christen und schließlich die Notwendigkeit einer Revision der christlichen Theologie erkannt.

Neben dem theologischen lassen sich historischer, politischer und sozialer Aspekte der kirchlichen Erinnerungsarbeit identifizieren, die eine Reihe von weiteren Themen und Initiativen umfassen, wie beispielsweise den...

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