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Befähigen, befähigt werden, sich befähigen – Eine Auseinandersetzung mit dem Capability Approach

Gerechtigkeitstheoretische Überlegungen zur Sozialen Arbeit

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Miriam Lange

Ressourcenorientierung, Empowerment und Befähigung als Konzepte der Wertschätzung der Fähigkeiten von AdressatInnen finden in der Pädagogik zunehmend Beachtung. In diesen Diskurs reiht sich der Capability Approach ein. Der gerechtigkeitstheoretische Ansatz – vom Ökonomen Amartya Sen für die Armutsforschung entwickelt und von Martha Nussbaum sozialphilosophisch erweitert – wird zunehmend interdisziplinär rezipiert. Es geht darum, wie es Menschen gelingen oder möglich gemacht werden kann, das Leben so zu führen, wie sie es selbst wünschen. Die Studie geht der Frage nach, welche Handlungsmaximen für Pädagogik und Soziale Arbeit aus dem Verständnis von Befähigung abgeleitet werden können, untersucht den Capability Approach als eine Referenztheorie dafür und bestimmt Soziale Arbeit als Gerechtigkeitsprofession.
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4. Der Capability Approach als Referenztheorie für die Pädagogik

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„Ein relativ junges Theoriekonzept der Sozialen Arbeit stellt der capabilities-Ansatz dar. Unterfüttert mit den ökonomischen Analysen und der gerechtigkeitstheoretischen Idee von Amartya Sen […] sowie den ethischen Prämissen der US-amerikanischen Philosophin Martha C. Nussbaum […] zielt das Theoriemodell darauf, die Soziale Arbeit als ein gesellschaftliches Feld zu entwerfen, das Menschen dabei zu unterstützen hat, ihre Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen herauszubilden und zu nutzen, um Formen der Exklusion und Desintegration zu minimieren […]. Soziale Arbeit wird in dieser Theorieperspektive als Profession konzipiert, die dazu beiträgt, das Wohlergehen der Menschen und somit ihre Beteiligungschancen zu maximieren“ (Thole 2012, S. 43f).

Wie und warum der CA von der Pädagogik und ihrer Teildisziplin Soziale Arbeit als Gerechtigkeitskonzept theoretisch und vor allem praktisch nutzbar gemacht werden kann, soll in diesem Kapitel diskutiert werden. Dass Anknüpfungspunkte und Verbindungslinien gesehen werden, zeigen zahlreiche und stetig zunehmende Rezeptionen des CA in deutschsprachigen Veröffentlichungen der letzten zehn Jahre, darunter vor allem Artikel in Herausgeberbänden und Fachzeitschriften für Erziehungswissenschaft und Soziale Arbeit. Zudem lassen sich zahlreiche Parallelen zu (Handlungs-)Konzepten der Sozialen Arbeit, die die Handlungsfähigkeit, die Selbstbestimmung sowie die gesellschaftliche Integration der AdressatInnen in den Mittelpunkt der Hilfen stellen, feststellen. Zu diesen Konzepten zählen Agency, Lebensweltorientierung und viele weitere.

In der Einführung (4.1) soll zunächst etwas allgemeiner der wechselseitige Bezug zwischen Sozialer Arbeit und sozialer Gerechtigkeit (in diesem Sinne auch Befähigung) dargestellt werden, um eine Basis dafür zu schaffen, den CA...

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