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Kultur und Erziehung

Neukantianische Pädagogik als transkulturelles Erziehungskonzept

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Katayon Meier

Seit vielen Jahren wird die sogenannte «multikulturelle» Struktur der Bundesrepublik Deutschland in unterschiedlichen pädagogischen Konzepten problematisiert. Vor allem die Erziehung wird in diesem Kontext als Herausforderung angesehen. Dass Kultur und Erziehung in Zusammenhang stehen, scheint evident zu sein. Was jedoch genau unter den Begriffen Kultur und Erziehung zu verstehen ist und wie diese in Zusammenhang stehen, bleibt oft diffus und trägt eher zur Verschleierung als zur Erhellung des Sachverhalts bei. Folgende Studie klärt anhand einer problemgeschichtlich-systematischen Analyse den Begriff Kultur und deren Verbindung mit dem Begriff Erziehung und erarbeitet anhand der gewonnenen Erkenntnisse ein transkulturelles Erziehungskonzept, das den veränderten Bedingtheiten des Heranwachsens Rechnung trägt und die Selbstbestimmung des Individuums und dessen kulturelle Freiheit in den Mittelpunkt stellt.
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1. Genese des Kulturbegriffs

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Nachdem der Begriff Kultur nach Ende des zweiten Weltkriegs in Deutschland nach und nach in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen seltener thematisiert wurde und lange Zeit eher „verpönt“ war, ist dieser Begriff seit Jahren (wieder) inflationär in Gebrauch. Spätestens seit dem „cultural turn“ in nahezu allen Fachwissenschaften ist es kaum noch möglich, in dem gesamten ausufernden Kulturdiskurs den Überblick zu bewahren. Auch außerhalb der wissenschaftlichen Disziplinen steht dieser Begriff hoch im Kurs. Sowohl in den alltäglichen politischen Diskussionen, wie auch in den populärwissenschaftlichen Zeitdiagnosen, journalistischen Beiträgen, bis hin zu Ratgeberliteratur und Stammtischdiskussionen, ist die Rede von Kultur ununterbrochen aktuell (vgl. Fuchs 2008, S. 7 und S. 40 und Laer u. a. 2004, S. 7). Was jedoch genau unter diesem Begriff zu verstehen ist, bleibt diffus. Eine Menge unklare und ungeordnete Vorstellungen begleiten ihn. Die Tatsache, dass auf der einen Seite jeder eine Vorstellung davon zu haben scheint, was unter dem Kulturbegriff zu verstehen ist, und auf der anderen Seite dieser Begriff anscheinend mit fast jedem weiteren Begriff kombinierbar ist, lässt seine Komplexität weiter steigen (vgl. Lüddemann 2010, S. 7). Man spricht beispielsweise von Multikulturalität, Interkulturalität und Transkulturalität, von kulturbedingten Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, von Kulturen, die sich vertragen oder bekämpfen, von Leitkultur und Parallelkulturen und von Hoch-, Jugend-, Massenkultur sowie von Menschen, die kulturnah oder kulturfern sind. Der Kulturbegriff scheint unendlich ausdehnbar zu sein: Unternehmens-, Streit- und Feedbackkultur werden ebenso thematisiert wie Kaffee-, Wein-, Ess- und Körperkultur....

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