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Kultur und Erziehung

Neukantianische Pädagogik als transkulturelles Erziehungskonzept

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Katayon Meier

Seit vielen Jahren wird die sogenannte «multikulturelle» Struktur der Bundesrepublik Deutschland in unterschiedlichen pädagogischen Konzepten problematisiert. Vor allem die Erziehung wird in diesem Kontext als Herausforderung angesehen. Dass Kultur und Erziehung in Zusammenhang stehen, scheint evident zu sein. Was jedoch genau unter den Begriffen Kultur und Erziehung zu verstehen ist und wie diese in Zusammenhang stehen, bleibt oft diffus und trägt eher zur Verschleierung als zur Erhellung des Sachverhalts bei. Folgende Studie klärt anhand einer problemgeschichtlich-systematischen Analyse den Begriff Kultur und deren Verbindung mit dem Begriff Erziehung und erarbeitet anhand der gewonnenen Erkenntnisse ein transkulturelles Erziehungskonzept, das den veränderten Bedingtheiten des Heranwachsens Rechnung trägt und die Selbstbestimmung des Individuums und dessen kulturelle Freiheit in den Mittelpunkt stellt.
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2. Geisteswissenschaftliche Pädagogik als Kulturpädagogik

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„Geisteswissenschaftliche“ Pädagogik im weiteren Sinne ist eine Bezeichnung für alle pädagogischen Ansätze, die Erziehung und Unterricht als ein „geistig-kulturelles“ Phänomen ansehen und sich von rein experimentell-empirischen Methoden absetzen9. Im engeren Sinne ist sie jedoch eine Bezeichnung für die im Erbe Wilhelm Diltheys zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene pädagogische Richtung in Deutschland, die bis in die 60er Jahre des vorherigen Jahrhunderts die meist verbreitete pädagogische Richtung in Deutschland darstellte (vgl. Böhm 1988, S. 221–222). Neben Dilthey und in dessen Nachfolge sind Eduard Spranger, Herman Nohl und Theodor Litt die Grundväter der geisteswissenschaftlichen Pädagogik. Wilhelm Flitner und Erich Weniger sind die bekanntesten in der Nachfolgegeneration (vgl. Matthes 2011, S. 3). Die theoretischen Ansätze der Pädagogen, die unter dem Oberbegriff „geisteswissenschaftliche Pädagogik“ zusammengefasst werden, sind sehr unterschiedlich. Trotz erheblicher Unterschiede in ihren individuellen Positionen verbindet sie der Sachverhalt, dass sie ihre gemeinsame Grundlage in der „Lebensphilosophie“ Wilhelm Diltheys haben (vgl. Lassahn 1974, S. 24). Folgende Auseinandersetzung mit der Lebensphilosophie und Pädagogik Diltheys soll sowohl diese Grundlagen als auch seine Position zur Kultur und Erziehung deutlich machen.

Dilthey (1833–1911) teilt in seiner Abhandlung zur „Einführung in die Geisteswissenschaften“ die „Wissenschaften“ in zwei Hauptbereiche: die Naturwissenschaften ← 45 | 46 →und die Geisteswissenschaften. Geisteswissenschaften sind die Wissenschaften, die sich mit geschichtlich-gesellschaftlicher Wirklichkeit auseinandersetzten. Die geeignete Methode der Geisteswissenschaften ist nach Dilthey die hermeneutische Herangehensweise des „Verstehens“. Das Verstehen, das jeder aus „vorwissenschaftlichem Bereich“ kennt, z. B....

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