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Kultur und Erziehung

Neukantianische Pädagogik als transkulturelles Erziehungskonzept

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Katayon Meier

Seit vielen Jahren wird die sogenannte «multikulturelle» Struktur der Bundesrepublik Deutschland in unterschiedlichen pädagogischen Konzepten problematisiert. Vor allem die Erziehung wird in diesem Kontext als Herausforderung angesehen. Dass Kultur und Erziehung in Zusammenhang stehen, scheint evident zu sein. Was jedoch genau unter den Begriffen Kultur und Erziehung zu verstehen ist und wie diese in Zusammenhang stehen, bleibt oft diffus und trägt eher zur Verschleierung als zur Erhellung des Sachverhalts bei. Folgende Studie klärt anhand einer problemgeschichtlich-systematischen Analyse den Begriff Kultur und deren Verbindung mit dem Begriff Erziehung und erarbeitet anhand der gewonnenen Erkenntnisse ein transkulturelles Erziehungskonzept, das den veränderten Bedingtheiten des Heranwachsens Rechnung trägt und die Selbstbestimmung des Individuums und dessen kulturelle Freiheit in den Mittelpunkt stellt.
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5. „Transkulturelle“ Erziehung als Erziehung überhaupt

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Nach Hönigswald hat jede Wissenschaft die „philosophische“ Aufgabe, sich selbst zu rechtfertigen, d. h. über ihre eigenen methodischen Begriffe und Voraussetzungen zu reflektieren und diese offenzulegen (vgl. Hönigswald 1928, S. 4). Mit Marian Heitger will die Rechtfertigung und Aufklärung in diesem Sinne „nicht mehr und nicht weniger, als in alle Falten und Nischen unseres Daseins Licht zu bringen; will zeigen, warum etwas so ist, wie es ist“ (Heitger 2005a, S. 133). Demzufolge muss auch die Pädagogik als Wissenschaft sich über sich selbst aufklären (vgl. Heitger 2005a, S. 133). Hönigswald und seine Schüler haben, wie im Kapitel 3 dargestellt wurde, den Versuch unternommen mit der systematischen Bestimmung der Grundbegriffe der Pädagogik, diese als Wissenschaft zu rechtfertigen, d. h. grundzulegen. So zeigte sich auch, dass der Begriff „Erziehung“, der erst jede erzieherische Praxis als solche zu rechtfertigen vermag, einer klaren Definition bedarf. Denn Definition bedeutet so viel wie erkennen und umgekehrt bedeutet Erkennen, immer auch eine Definition bestimmen zu können19 (vgl. Hönigswald 1928, S. 6). Die Definition des Erziehungsbegriffs ist für Hönigswald und in seiner Nachfolge nur in Korrelation mit anderen Grundbegriffen der Pädagogik, also systematisch zu bestimmen. Was in der Praxis als Erziehung gilt und was nicht, kann weder willkürlich gesetzt, noch aus der Praxis selbst gewonnen werden. Der Begriff Erziehung und der des Unterrichts sind keine beliebigen Setzungen, sondern sie sind mit dem Gesetz der Gegenständlichkeit, d. h. mit der unaufhebbaren Ich-Gegenstand-Korrelation, gegeben. Niemand kann...

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