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Kommunikative Routinen

Formen, Formeln, Forschungsbereiche- Festschrift zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. Irma Hyvärinen

Edited By Leena Kolehmainen, Hartmut E. H. Lenk and Liisa Tiittula

Die Kreativität menschlichen Sprachgebrauchs spielt eine zentrale Rolle in verschiedenen Sprachtheorien. Ergebnisse der Phraseologie- und der Textforschung haben indes gezeigt, dass der alltägliche Sprachgebrauch durch ein hohes Maß an Konventionalität bis hin zur Stereotypie gekennzeichnet ist. Dieser Band vereint 16 Beiträge, die solchen kommunikativen Routinen in verschiedenen Zusammenhängen nachgehen. Untersucht werden Formeln in mittelalterlichen Testamenten ebenso wie Anreden im Drama und Kirchenliedern, die Funktion von Wiederholungen in literarischen Texten und deren Übersetzung, die Vermittlung und Aneignung kommunikativer Formeln im DaF-Unterricht und deren Gebrauch in Pressetexten, Notrufen, Kaufgesprächen sowie Routinen in Tagebüchern und Parlamentsreden.
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Textroutinen und politische Rede

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Heinz-Helmut Lüger

„Textanalyse muß die soziale Praxis eines Textes im Auge haben.“ (Jäger 1993: 18)

Abstract

Der Beitrag versucht, den Zusammenhang von Routine und Textgestaltung zu verdeutlichen. Insbesondere soll gezeigt werden, in welchem Maße Textproduzenten beim sprachlichen Handeln auf Vorgeprägtes zurückgreifen können und auf welchen Strukturebenen mehr oder weniger feste Ausdrucksmuster zur Verfügung stehen. Es sind nicht nur einzelne Formeln oder phraseologische Wortverbindungen, sondern auch längere Sequenzen mit eingespielten, erwartbaren Ablaufmustern, die es in den Blick zu nehmen gilt. Als Beispiele dienen vor allem Redetexte einer als rechtsextrem eingestuften politischen Partei in der Bundesrepublik Deutschland.

1. Routine in der Kommunikation

Aktivitäten des Sprechens und Schreibens gelten gemeinhin als etwas Kreatives oder Individuelles. Dies hängt nicht zuletzt auch damit zusammen, daß sprachliches Handeln generell spezielle Ziele verfolgt und die betreffenden Äußerungen daher den vielfältigen Bedingungen der jeweiligen Kommunikationssituation unterliegen. Dem muß nun nicht entgegenstehen, daß Sprecher / Schreiber bei der Textproduktion gleichzeitig auf Muster, auf Formelhaftes, auf erwartbare Strukturen rekurrieren und auf diese Weise in Abhängigkeit von situationsspezifischen Faktoren einen bedarfsgerechten Austausch bewerkstelligen. Die Beteiligten müssen nicht in jedem Fall alles neu „erfinden“, sie können sich auf eingespielte Routinen verlassen. Solche Routinen sind zunächst einmal das Resultat eines Gewöhnungseffekts. Werden bestimmte Handlungen mehrfach (und erfolgreich) ausgeführt, stellt sich gleichsam automatisch eine Habitualisierung ein; es entstehen fertige und wiederholbare Lösungsmuster, die...

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