Show Less
Restricted access

Wissenstexturen

Literarische Gattungen als Organisationsformen von Wissen

Series:

Gunhild Berg

Literarische Gattungen sind Wissensformate und -praktiken. Sie form(ul)ieren, organisieren, strukturieren, kurzum: texturieren Wissen. Der Band geht der Frage nach, welches Wissen Gattungen mithilfe der ihnen eigenen Texturen wie arrangieren. Welches Gattungswissen wird tradiert? Welche extratextuellen Objekte, Muster oder Bilder wirken in literarischen Gattungen? Die Beiträge analysieren etablierte ebenso wie originelle, kurzlebige Gattungen des späten 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Entstehung und Veränderung epistemische Brüche markieren. Dazu zählen Idylle, Novelle, Fragment, Rhapsodie, Ansicht, Porträt, Denkmal, Galerie, Panorama, Guckkasten, Daguerreotypie, Zukunftsbild, Experimentalroman, Studie, Dialogroman und Tatsachenroman.
Show Summary Details
Restricted access

Der Dialog(roman) als anthropologische und poetologische Erzählform der Spätaufklärung – Johann Jakob Engel und August Gottlieb Meißner

Extract

← 206 | 207 → Sarah Seidel

Zeitschriften und andere Periodika bilden ein kulturhistorisches Archiv, in dem Wissen über den Menschen mittels Selbst- und Fremdbeobachtungen zusammengetragen und gespeichert wird. Das lässt sie zu dem Medium anthropologischen Erzählens avancieren, was etwa an den Moralischen Wochenschriften seit Mitte des 18. Jahrhunderts zu beobachten ist.1 Sie bieten dem literarischen Markt des 18. Jahrhunderts die Möglichkeit, anthropologisches Wissen zu konstituieren und einer gebildeten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Indem Leser des Magazins für Erfahrungsseelenkunde von Karl Philipp Moritz zur Beobachtung, Protokollierung und Einsendung von pädagogischen Berichten aufgefordert werden,2 entspinnt sich ein Dialog zwischen (schreibenden) Lesern und Autoren. Die Herausgeberschaft von Carl Friedrich Pockels während Moritz, Italienreise führt zu einem öffentlich ausgetragenen Zerwürfnis,3 das zahlreiche Revisionen (und Revisionen von Revisionen) hervorbringt, die strukturell dialogisch sind. Die Zeitschriften haben außerdem für die Verbreitung von dialogisierten Romanen große Bedeutung, denn längere Texte werden in den Periodika als Fortsetzungsgeschichten abgedruckt: Engels Lorenz Stark ist ein Fortsetzungsroman, der als Rahmung von Schillers Abhandlung Über naive und sentimentalische Dichtung zuerst in den Horen erscheint, einem Zeitschriftenprojekt mit aufklärerischem Impetus und epistemologischem Interesse.4 Ein außerdiegetisches Dialogprinzip kann also auf zwei Ebenen beschrieben werden: Anhand des Magazins zur Erfahrungsseelenkunde wird deutlich, wie die Autoren miteinander, aber auch mit dem Lesepublikum in einen Dialog treten. Schillers Zeitschriftenprojekt zeigt daneben, dass durch die Anordnung ← 207 | 208 → der Beiträge selbst ein Dialog zwischen diesen Texten entsteht. Ab 1778 ver...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.