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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Das historische Porträt Russlands der 1920er Jahre in Walter Benjamins Moskauer Tagebuch und Joseph Roths Reise in Russland

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Jewgenija Woloschtschuk

1.  Treffpunkt: Moskau, 1926

Am 16. Dezember 1926 spät am Abend fand in einem der Moskauer Hotels eine Begegnung von Walter Benjamin und Joseph Roth statt, in deren Verlauf die beiden Autoren ihre Eindrücke von Sowjetrussland austauschten. Beide haben diese Reise gemacht, um Einblick ins Wesen des neuen Staates zu nehmen und die dabei entstandenen Erfahrungen der deutschen Presse mitzuteilen. Der offenbaren Ähnlichkeit ihrer Reiseziele, Reisezeit und Aufenthaltsorte zum Trotz kam es kaum zur Überkreuzung ihrer Fahrtrouten. Auch dieses Treffen, das die beiden per Telefon spontan vereinbarten, war ein Zufall. Dies legte auch ein Gespräch offen, das die innere Distanziertheit beider Partner bezeug und auf das sich Benjamin in seiner Tagebuchnotiz bezieht:

In dem Gespräch […] nötigte ich ihn schnell, Farbe zu bekennen. Was dabei sich ergab, das ist mit einem Wort: er ist als (beinah) überzeugte Bolschewik nach Rußland gekommen und verläßt es als Royalist. Wie üblich, muß das Land die Kosten für die Umfärbung der Gesinnung bei denen tragen, die als rötlich-rosa schillernde Politiker (im Zeichen einer „linken“ Opposition und eines dummen Optimismus) hier einreisen.1

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